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POLTERGEIST - Nach 22 Jahren wieder auferstanden


Die 90er waren eine extrem fruchtbare Zeit im Metal-Bereich, auch die Schweizer Szene brachte damals einige Bands hervor, die heute noch weltweit Kultstatus haben. Leider brachte die Musikindustrie damals mit ihren Medien-Verbindungen weltweit die Grunge-Welle, welche die riesige Schatztruhe aus talentierten Bands aus allen Rock-Metal-Richtungen zusammenbrechen liess. Natürlich braucht es immer auch die Gegenseite, wie Bands und Fans, die das Ganze mitmachen, und so versuchten viele, auf dieser Welle mitzureiten, so auch METALLICA und andere Künstler. Im nachhinein war es nicht alleine die Grunge-Welle, welche die Szene für ein Jahrzehnt in Depro-Musik versetze, nein, es war vor allem der Anteil von "Fans", die ihre Bands nicht mehr unterstützten! Jahre später sind die vielen Bands von damals zurück und geniessen wieder den Stellenwert, den sie verdienen. So auch POLTERGEIST, die mit dem neuen Album "Back To Haunt" auch Jahre später noch überzeugen. Grund genug, mit Sänger André Grieder Tacheles zu reden.

 

Von Andy Trepp

 

Ganze 22 Jahre ist es nun schon her, seit ihr euch aufgelöst habt. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr wieder zusammengefunden habt?

 
Das war irgendwie immer wieder mal ein Thema, aber die Bedingungen haben leider nie gepasst. Vor allem hatten wir nie einen potenziellen Drummer auf dem Zettel, vielleicht war einfach die Zeit noch nicht reif dafür. Als dann meine Aktivität in den sozialen Netzwerken zunahm, schrieben mir immer wieder Leute, wie geil sie Poltergeist früher fanden und sie es ausserordentlich geil fänden, wenn wir wieder etwas machen würden. Der Kontakt zwischen mir und V.O. brach über die Jahre nie ab, also diskutierten wir das doch öfters mal. Aber es brauchte doch einige Jahre, bis wir unsere Skepsis ablegen konnten. Als wir dann an Silvester mit Marek zusammen ein Foto mit den alten Scheiben machten und V.O.s Frau Inga dieses postete, gingen die Spekulationen im Netz erst richtig los. Auch Sven bekam das mit, und da er wieder Bock auf Thrashmetal hatte, fragte er uns, ob wir uns nicht mal in den Proberaum begeben sollten, um die alten Schinken zu prügeln. Und die Chemie war sofort da! Und mit Chasper fanden wir ein paar Wochen später erst noch einen perfekten zweiten Gitarristen, der den Live-Sound noch fetter machte und erst noch eine Songwritingmaschine ist.
 
POLTERGEIST gehörten damals zur Speerspitze der deutschsprachigen Thrash-Metal-Szene, warum habt ihr euch damals nach 3 Top-Alben und guter Resonanz aufgelöst?
 
Du sagst es. Die Resonanzen von der Presse waren sehr gut. Leider kam damals die Grungewelle dazwischen und die Leute wollten keinen Thrashmetal mehr hören. Das spürten wir dann erst recht auf unserer letzten Tour mit Coroner. Leere Hallen, einbrechende Verkaufszahlen waren die Folge. Ausserdem spielten Marek und unser damaliger Drummer Luki mit dem Gedanken, die Band zu verlassen, um mehr grooveorientierte Mucke zu machen. Als sie das dann V.O. offenbarten, war Poltergeist vorerst Geschichte und GURD geboren.
 
Einige eurer damaligen Mitglieder gründeten nach der Auflösung GURD, was hast du, André, danach gemacht und warum hat man solange nicht von dir gehört ausser unserer Kommunikation auf Fuckface?
 
Anfangs wollte ich erst mal nichts mit dem ganzen Business zu tun haben und zog mich erstmal ins "normale" Leben zurück. Aber die Liebe zur Musik war immer stark, so versuchte ich mich in einigen lokalen Bands, was mich nie so richtig packte, weil mir entweder der Stil nicht zusagte, oder die Chemie in der Band nicht passte. Und für halbe Sachen fehlt mir einfach die Motivation. Dazu kam der Tod meiner Eltern und diverse private und gesundheitliche Probleme, die mich immer wieder zurückwarfen. Es waren nicht immer schöne Zeiten, aber das liegt zum Glück hinter mir.
 
Wovon habt ihr euch bei den Texten beinflussen lassen und wer hat sie geschrieben?
 
V.O. schreibt die Texte. Ich glaube, dass er über Dinge schreibt, die ihn beschäftigen, egal ob politisch oder gesellschaftskritisch oder auch fiktive Geschichten. Unsere Texte waren immer schon recht unterschiedlich und nicht auf eine Sparte limitiert. Der Leser/Hörer kann sich öfters auch selbst eine eigene Interpretation zurechtschustern.

 


Die 90er waren eine wilde und fruchtbare Zeit, neben dem ersten Metal-Print-Magazin SWISS ATTACK war unsere Schweizer Szene mit DRIFTER / MESSIAH / CELTIC FROST und einigen anderen reich an talentierten und erfolgreichen Bands. Was war damals so schwierig, dass sie alle diese Bands nach ein par Alben auflösten?

 
Ist natürlich für mich nicht leicht zu beantworten, da ich die Internas der genannten Bands nicht kenne. Allgemein gesagt denke ich, dass es zu der Zeit einfach schwierig war, da wie schon früher gesagt die grosse Zeit für härtere Sounds nicht gegeben war. Ausserdem: wenn du in der Schweiz jemandem sagst, dass du Musiker bist, kommt schnell die Frage: Und was machst du beruflich?
 
Heute gibt es massenhaft Bands bei uns, die meisten machen jedes Jahr ihre Schweizer Karussel-Runde, so nenn ich die Bands, die immer an den gleichen Orten spielen, jedoch nie vorwärtskommen. Habt ihr eine Stategie, dies zu durchbrechen oder helfen euch da die Beziehungen eurer Bandmitglieder?
 
Wir haben zum Glück noch einen Namen aus den 90ern und durch V.O. und Sven noch viele Kontakte, sodass es uns auch möglich war, gleich mit der 70’000 Tons of Metal Cruise unser Comeback zu starten. Ausserdem spielten wir früher gar nicht so oft in der Schweiz, was uns jetzt die Möglichkeit gibt, viele Orte in unserem Ländle zu beglücken, die wir früher vernachlässigten.
 
Eure neue CD ist wie viele andere bereits auf einigen Piraten-Portalen, meiner Meinung nach kauft ein richtiger Fan die CD, genauso wie die neuen, die dazu kommen. Die Download-Portale bieten den Bands an, weltweit beachtet zu werden, also können sie auch von Nutzen sein. Natürlich geben die Plattenfirmen immer diesen die Schuld, wenn was weniger läuft. Die Wahrheit ist doch, dass die Plattenfirmen so viele Bands auf den Markt werfen und soviel Schrott dabei ist, dass es logisch ist, wenn ihre Verkaufszahlen nicht immer optimal sind.
 
Das mit den Piratenportalen ist natürlich nicht schön, aber halt leider schwer zu verhindern. Ich kauf mir auch immer noch gerne eine CD, hab aber auch einen Account auf dem schwedischen Streamingportal, da ich einfach süchtig nach guter Musik bin und auch nicht die Kohle habe, mir jede Scheibe zu leisten. Dass die Politik gewisser Labels nicht optimal ist steht auf einem anderen Blatt. Es gibt leider immer schwarze Schafe, die mit vielen schlechten Bands schnelle Kohle machen wollen.
 
Wir als Medien sollen überall unsere CDs für Reviews in Downloasd-Links (Pools) runterladen und sie dann besprechen. Wir bekommen also von den meisten NICHTS Handfestes, können uns also nicht mal eine physische CD zu Hause ins Regal stellen für unsere Arbeit. Wir von SWISS ATTACK machen dieses Game nicht mit und reviewen nur CDs, die wir physisch bekommen. Leider ist auch da öfters kein Cover-Booklet etc. dabei.
Ist das der neue GEIZ der Industrie, sich immer selber über Einnahmeverluste auszukotzen, selber jedoch die Medien gratis für sich und ihren Gewinn arbeiten lassen? Man darf ja nicht vergessen, dass es schon viel Arbeit mit den News/Interviews/Agenda etc. gibt, was auch alles gratis gemacht wird.
 
Das ist natürlich eine Entwicklung, die ich auch nicht begrüssen kann. Da sind gewisse Labels auch schlecht beraten, da sie sich schliesslich ins eigene Fleisch schneiden. Keine Reviews, keine Werbung. Also das kanns ja wirklich nicht sein. Ich habe noch massenhaft Promo-CDs aus den 90ern rumfahren, die mindestens eine Kartonhülle in Hochglanzdruck zu bieten hatten. Wusste gar nicht, dass das heute so läuft und kann das auch nicht gutheissen.
 
Kommen wir wieder zurück zum neuen Album: wird es weltweit erscheinen und ist eine entsprechende Tour geplant? Was sind die nächsten Ziele?
 
Das Album wird weltweit erscheinen, sogar in China. Das ist sicher erfreulich, dennoch ist es heutzutage fast unmöglich, von Plattenverkäufen zu leben. Da bleibt dir fast nur, dir den Arsch abzuspielen mit Gigs. Da wirst du dann ständig bei den Gagen gedrückt. Zum Glück hatte ich schon früher nicht die Illusion, mit der Musik reich zu werden, sonst hätte ich ja was "Anständiges" gelernt, haha. Was Tourpläne anbelangt ist vorerst noch nichts sicher. Wir werden aber einige Clubshows spielen, u.a auch das “Swiss Metal Attack Festival” im Z7 am 8. April 2017, aber zuerst steht mal unsere Plattentaufe am 4. Nov 2016 in der Metbar in Lenzburg an.
 
Basel ist nicht gerade die Stadt mit Metal-Lokalen, klar es gibt das Z7 in Pratteln, ich meine jedoch kleinere Lokale. Warum macht bei euch fast niemand was für die Szene? Momentan ist Zürich zwar auch ziemlich Szene-tot, ausser das EBRIETAS und das Dynamo und auf ein paar Bier in der Cactus-Bar gibt es nicht mehr viel kleine Weekend-Absteigen.
 
Metal wird doch in der Schweiz allgemein stiefmütterlich behandelt. Das schlägt sich dementsprechend auch bei Lokalen nieder. In Basel gibt's noch das Hirscheneck, wo auch viele Metal- und Punkbands spielen, und noch kleiner “Die schwarze Erle”, ein ehemaliges besetztes Gebäude, das eine ehemalige Kneipe beinhaltet, wo regelmässig kleinere Konzerte stattfinden. Aber sonst ist das sehr schwierig in Basel. Wir hätten ja noch das BScene Festival, das in der ganzen Stadt stattfindet, aber die Veranstalter haben, glaub ich, eine gröbere Metalallergie.