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IN FLAMES - IN FLAMES - Wie professionell wirklich geht und wenn man merkt, dass man es mit einem richtigen Profi zu tun hat


 

Von Rolf Fischbacher


Ein wirklich angenehmes und interessantes Gespräch durfte ich mit Anders Friden, Frontmann von IN FLAMES, führen. Man merkt ihm an, dass er nicht erst seit gestern in diesem Business tätig ist und sich den Umgang mit der Presse mehr als gewohnt ist. So stillte er mir also in 25 Minuten meinen ganzen Wissensdurst!

Zuerst wollte ich wissen, ob so ein Interview-Marathon ein notwendiges Übel für ihn sei? «Es ist ein Geben und ein Nehmen zwischen IN FLAMES und der Presse, denn wir brauchen euch und ihr braucht uns! Aber natürlich macht es schon mehr Spass, Musik zu machen und neue Songs zu kreieren, das ist ja auch unser Hauptjob!» so ein ganz ehrlicher Anders.

 

Der Titel des neuen Machwerkes lautet «Battle». Welche Schlachten sind da genau gemeint? Anders dazu: «Der Titel hat nichts mit Kriegen an sich zu tun, sondern mit den täglichen Schlachten auf persönlicher Ebene! Wir haben solche Schlachten täglich zu bestehen, beginnend mit dem Tag unserer Geburt und das zieht sich bis zu dem Tag, an dem unser letztes Stündchen schlägt, wie ein roter Faden durch unser Leben. Von diesen Geschichten kann man aber auch immer wieder etwas lernen und für die Zukunft davon profitieren! Wenn unser Leben nur wie eine Autobahn wäre, dann könnten wir all diese Erfahrungen gar nicht sammeln! Aus diesen Schlachten können wir dann gestärkt hervorgehen!»

 

Liebliche Stimmen von jungfräulichen Elfen sind als Stilmittel auf «Battle» allgegenwärtig. Ist der Einsatz dieser lieblichen Stimmen als Kontrastmittel zwischen den Heavy-Riffs und den eher softeren Passagen gedacht? «In dem Song «The Truth» haben wir diese lieblichen Stimmen eingesetzt, weil Kinder als das Reinste und das Ehrlichste gelten. Wir sollten uns mehr an unsere Kindheit zurück erinnern, dann wäre diese Welt sicher ein lebenswerterer Platz als er jetzt ist! In anderen Songs sind die lieblichen Stimmen kein tragendes Element, sondern nur als Effekt gedacht. Eine gewisse Ähnlichkeit zu PINK FLOYDs «^The Wall» ist absolut gewollt, nur waren dort die Schüler gegen die Lehrer unterwegs, bei uns gegen die gesamte Gesellschaft!»

 

IN FAMES gehören zu den Bands, die sich immer und immer wieder neu erfinden. Ist das wie ein Muss, immer wieder etwas Neues zu kreieren? Dazu nimmt Anders wie folgt Stellung: «Ich weiss nicht, aber wir sind einfach so wie wir sind! Wir haben auch nicht den Anspruch, immer etwas Spezielles zu erfinden! Wir wollen ganz einfach nicht immer und immer wieder das gleiche Album aufnehmen! Unsere Alben sind wie ein Foto, nämlich immer eine Bestandsaufnahme von uns, die uns genauso zeigen, wie wir uns zu diesem Zeitpunkt fühlten!»

 

Die Version 2017 von IN FLAMES hat genauso viele Befürworter wie auch Leute, die nichts mehr mit IN FLAMES 2017 anfangen können. Anders analysiert diese Problematik: «Wir haben uns mit unserer Musik fortlaufend weiterentwickelt und da kann es natürlich schon Leute geben, denen unsere letzten Alben nicht mehr gefallen haben. Aber wir können niemanden zwingen, dass er unsere Musik mögen soll! Wenn wir aber positives Feedback zu unseren Alben bekommen, dann freut uns das natürlich sehr!»

 

Anders ist schon seit ein paar Tagen mit IN FLAMES in aller Welt unterwegs. Was sind für ihn die besten Dinge im Leben eines Musikers? «Ganz einfach: Dass wir genau tun können, was wir wollen! Meine Kinder sind mit einem Vater aufgewachsen, der als Sänger von IN FLAMES um die ganze Welt tourt, und sie sehen, wie glücklich mich dieser Job macht. Ich geniesse das Gefühl, auf den Bühnen dieser Welt zu stehen, nach wie vor sehr. Aber wenn dieses Gefühl nicht mehr da wäre, dann wäre es höchste Zeit, mit IN FLAMES aufzuhören!»

 

Ihrem eigenen Weg sind IN FLAMES schon immer gefolgt. Würden sie aus geschäftlichen Gründen auch Kompromisse eingehen? Anders ganz leidenschaftlich: «Wenn wir Songs komponieren, dann kommt das direkt vom Herzen aus und wir machen die Musik in erster Linie für uns und nach unserem Geschmack. Wenn sie sich dann gut verkauft, umso besser! Bei uns kommen geschäftliche Aspekte erst ins Spiel, wenn es zum Beispiel um die Finanzierung eines Videos oder einer Tour geht!»

 

Gibt es eine bestimmte Formel, dass IN FLAMES immer noch so erfolgreich sind? «Wir haben von Anfang an an uns geglaubt und sämtliche Entscheidungen immer selber getroffen.» Im letzten Jahr haben IN FLAMES mit «SOUNDS FROM THE HEART OF GOTHENBURG» bereits ihr drittes Live-Album veröffentlicht. Über den Sinn von Live-Alben klärt uns Anders wie folgt auf: «Wir wollten nach 2005 wieder einmal ein Live-Album herausbringen und da bot sich Göteborg mit der genialen Scandinavium-Halle bestens an! Es war zudem unser letzter Gig einer langen Tour, den wir so in gebührender Form für die Nachwelt konservieren konnten. Für alle Fans, die keine Gelegenheit gehabt haben, unsere Shows zu besuchen, haben sie so wenigstens die Möglichkeit, im heimischen Wohnzimmer das Spektakel auf Konserve zu geniessen!»  

 

Anders hat auf den Frühwerken von IN FLAMES noch kräftig gegrowlt, wie es sich auch für ein Death-Metal-Goldkehlchen gehört. Auf den neueren Alben hat er mit seinen Clean-Vocals immer wieder überrascht und gleichwohl geglänzt, sodass sogar ein Beitritt zu den Wiener Sängerknaben nur aus Altersgründen gescheitert ist. Mit gefasster Stimme meint Anders klar: «In den Anfangstagen wäre es für mich gar nicht möglich gewesen, mit solchen Clean-Vocals aufzufahren. Wie meine Bandkollegen an ihren Instrumenten immer besser geworden sind, so ist auch meine Stimme mit Disziplin und Training soweit gekommen, dass meine Clean-Vocals heute so klingen!»

 

Als Produzent hat sich Anders in der Szene einen guten Namen gemacht. Stehen irgendwelche Produktionen nach der Tour mit IN FLAMES an? «Nein, im Moment nicht, auch wenn einige Bands gerne von mir produziert werden würden. IN FLAMES besitzt meine ganze Aufmerksamkeit und dieser Job erfüllt mich zu 100%!» so der Produzent in Anders.

 

Und schon meldet sich die sympathische Anne von NUCLEAR BLAST zu Wort und verkündet, dass Anders noch anderweitige Interviewanfragen zu bewältigen habe und meine Zeit im wahrsten Sinne des Wortes abgelaufen sei. Dann freuen wir uns auf den 31.März 2017, wenn IN FLLAMES nach Zürich kommen, um mit «Battle» die Stadt zu besetzen und sie mit dem geilen Soud und livehaftig zu beschallen.