· 

NIGHT VIPER - Wenn ein Geheimtipp noch viel mehr hält, als er verspricht


Als vielgereister und vielbeschäftigter Gentleman von Welt hat der Australier Tom Sutton so einige interessante Anekdoten aus seinem Leben zu erzählen. Nach seinem Gastspiel in Japan bei CHURCH OF MISERY ist er jetzt in Diensten von NIGHT VIPER und THE ORDER OF ISRAFEL und hat seine Zelte nun in Schweden aufgeschlagen. So einen interessanten und supersympathischen Metaller hat man nicht alle Tage vor dem Mikrofon, deshalb ab zu den kniffligen Fragen und den spannenden Antworten von Tom.

 

Von Rolf Fischbacher

 

AnkerNach intensiver Recherche in sämtlichen Tierbüchern bin ich auf keine Schlange namens NIGHT VIPER gestossen, oder kennt man diese eventuell nur in Australien? Tierexperte Tom fachkundig: «Es gibt tatsächlich keine Schlange, die auf den Namen NIGHT VIPER hört, auch nicht in Australien! Dieser Name ist unserer Fantasie entsprungen und es tönt einfach genial, wenn die Headbanger ihn im Chor vereint laut herausbrüllen! NIGHT VIPER, NIGHT VIPER, NIGHT VIPER!! Das klingt einfach nur geil! Diesen Namen kann man sich auch gut merken und ist viel einfacher auszusprechen als der Name meiner anderen Band THE ORDER OF ISRAFEL!»

 

Woher kommt die Faszination für Schlangen, denen ein sehr schlechter Ruf vorauseilt? Tom überlegt kurz und äussert sich dann: «Eigentlich habe ich weder eine spezielle Vorliebe für Schlangen noch ein Tattoo einer solchen auf meinem Körper! Aber es stimmt schon, die Schlangen sind omnipräsent auf unseren Shirts, in unserem Namen und auch auf Patches von uns! Aber so gefährlich sind sie nun auch wieder nicht und ich als Australier muss es ja wissen. Ich habe schon von Leuten gehört, dass sie gerne mal Australien besuchen würden, aber aufgrund der gefährlichen Schlangen zu Hause bleiben! Dabei sind die Australier viel gefährlicher als alle giftigen Tiere zusammen!»

 

Mit nur einem Album im Gepäck auf Headliner-Tour zu gehen ist betreffend der Songauswahl sicher nicht gerade einfach, oder? Tom zustimmend: «Ja, das gestaltet sich wirklich nicht einfach. Es ist interessant, dass du diese Frage stellst, denn bis vor kurzem haben wir vor allem Support-Shows gespielt. Diese Shows sind dann sehr schnell und eher von kurzer Dauer, was uns als Band sehr entgegenkommt! In Deutschland haben wir schon von Fans die Reaktion bekommen: geile Show, aber leider auch sehr kurz! In Schweden spielt die Show-Dauer keine Rolle, denn die Leute lieben kurze und intensive Shows! Wir können es kaum erwarten, wenn wir auch die Songs vom zweiten Album zur Verfügung haben! So spielen wir schon jetzt auf dieser Tour vier Songs vom neuen Album!»

 

Das erste Album NIGHT VIPER war schon eine Sensation! Ist der Druck für NIGHT VIPER nicht gewaltig für das zweite Album? Ein sichtlich entspannter Tom dazu: «Ich bin auch nach wie vor sehr zufrieden mit unserem ersten Album, auch wenn beim Sound, der mir jetzt zu sehr retro ist, noch Luft nach oben ist! Beim zweiten Album soll es thrashiger klingen und die Gitarren sollen auch aggressiver rüberkommen! Beim zweiten Album wird man dann natürlich auch die Fortschritte hören, die wir als ganze Band gemacht haben und wie wir noch mehr zusammengewachsen sind! Die Vorarbeiten für ein geniales zweites Album sind bereits abgeschlossen, und wir sind vom Ergebnis sehr überzeugt!»

 

Wie das erhabene Gefühl sei, mit zwei bezaubernden Damen in einer Band zu spielen, wollte ich von Tom aus erster Hand wissen? Tom sichtlich entzückt: «Ich liebe es, mit diesen beiden Damen in einer Band zu spielen! Und eigentlich sind wir eine Frauenband mit Männerbegleitung! In Australien war das früher ganz anders und es hatte praktisch keine Frauen in Bands und an Shows! Deshalb geniesse ich es umso mehr, mit Frauen in ein und derselben Band zusammen zu spielen! Und Jonna und Sofie-Lee beweisen jeden Tag, wie sehr sie Heavy Metal leben und diesen auch ausgezeichnet spielen können!»

 

Aber in dem von Männer dominierten Umfeld des Heavy Metals ist es sicher kein Nachteil, eine attraktive Sängerin in seinen Reihen zu haben? «Natürlich ist es gut, wenn man sich auf der Bühne von seiner besten Seite zeigen kann, aber das gilt für die ganze Band! Und Sofie-Lee wie auch Jonna sind in erster Linie geniale Musikerinnen, da spielt das Geschlecht überhaupt keine Rolle!» so Tom zur ultimativen Geschlechterfrage. Genau für diese Art von Metal, wie NIGHT VIPER ihn spielt, scheint momentan Schweden das Paradies auf Erden zu sein.

 

Was aber macht Schweden zum Epi-Zentrum des Classic-Heavy-Metals? Da kann Tom mit seiner speziellen Theorie aufwarten: «Ich stütze mich auf der wissenschaftlich unbewiesenen Schlecht-Wetter-Theorie ab! In Australien, wo das Wetter zum Baden an den Beach einlädt, gibt es weit weniger Musiker und Bands, die sich in Bandräume zum Proben zurückziehen! In Schweden und ganz Skandinavien aber ist das Wetter grösstenteils eher von der schlechten und miesen Sorte! Das treibt die Leute in die Bandräume und lässt Tausende von Bands aus dem Boden spriessen! Als ich aber mit CHURCH OF MISERY in Florida spielte, kam meine Schlecht-Wetter-Theorie gewaltig in Schieflage, bei dem Wetter, das in Florida herrscht! Also ist meine Theorie doch an den Haaren herbeigezogen? Nein, wie mich ein Typ aufklärte: In Florida ist das Wetter ganz einfach viel zu heiss, deshalb verkriechen sich die Leute in die klimagekühlten Bandräume und proben, was das Zeug hält! Meine Theorie funktioniert also doch, und vielleicht sollte ich mal ein Buch darüber schreiben! Viele Leute denken, dass der Hauptgrund für die vielen Bands die staatliche Unterstützung sei. Das würde aber nur die Anzahl der Bands, nicht aber die Qualität dieser Bands erklären!»

 

NIGHT VIPER kommen aus Göteborg und mich interessiert, ob es Unterschiede zwischen den Szenen in Göteborg und Stockholm gibt? Tom dazu: «In Göteborg ist es einfacher, mit einer Band unterwegs zu sein, weil es viel mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt. In Stockholm gibt es kleine Auftrittsorte für 100 Leute und dann folgen schon Hallen für 700 Leute. Dazwischen gibt es leider nichts. In Göteborg gibt es aber auch Auftrittsorte dazwischen, was für unsere Band super ist! Wir sind auch von vielen genialen Bands umgeben, was uns immer wieder zu Bestleistungen antreibt!»

 

Ob der Trend mit dem Classic-Heavy-Metal nur von kurzer Dauer sei, wollte ich von Tom wissen? Tom überzeugt: «Ich glaube definitiv ja! Es sind ja schon so viele Trends in den letzten 40 Jahren gekommen und auch wieder gegangen! Der Vorteil an dieser Situation ist, dass man als Band aus den vielen Stilen der letzten 40 Jahre Metal-Geschichte auswählen kann, und es wird sich immer jemand finden, dem die Musik dann auch gefällt!»

 

Was aber unterscheidet NIGHT VIPER von der Vielzahl von anderen Bands und macht so NIGHT VIPER ganz speziell? Tom ganz ehrlich dazu: «Als wir mit NIGHT VIPER starteten, wussten wir nicht genau, wohin die Reise gehen sollte, und wir hatten auch keine Bands im Auge, in deren Richtung wir gehen wollten. Und so ist unser Sound natürlich zu etwas ganz Eigenem gewachsen und tönt so einzigartig!»

 

Bei Tom handelt es sich, wie eingangs schon erwähnt, um einen vielbeschäftigten Mann, der auf verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Wie schwierig ist es für Tom, die verschiedenen Bands unter einen Hut zu bringen? Tom meint nachdenklich dazu: «Das ist mit Abstand der schwierigste Teil meines Musikerdaseins der letzten Jahre! Schweren Herzens musste ich aus diesem Grund auch bei HORISONT, bei denen ich sehr gerne gespielt habe, aussteigen! Aber auch mit nur zwei Bands gestaltet sich die Terminkoordination nicht immer einfach, aber es ist gerade noch im Bereich des Machbaren!»

 

Was und wer sind die Haupteinflüsse von NIGHT VIPER? Der gestandene Thrasher Tom kommt direkt zum Punkt: «Meine Haupteinflüsse, die man auch auf unserem Debüt-Album heraushören kann, sind KILL`EM ALL von METALLICA und SHOW NO MERCY von SLAYER! Diese Art von THRASH inspiriert mich sehr! Sofie-Lee liebt Jinx Dawson von COVEN und ist von ihr auch sehr inspiriert! Ich bin wirklich von METALLICA besessen, was auf Sofie-Lee gar nicht zu trifft, die aber mit ABBA sehr vertraut ist, wie so ziemlich alle Schweden! Mir gefallen da ENTOMBED besser, die ja auch aus Schweden kommen!»

 

Wie wichtig die Texte im Gesamtkonzept für NIGHT VIPER sind und wer diese schreibt, beantwortet Tom wie folgt: «Sofie-Lee schreibt die Texte, die für uns sehr wichtig sind! Die Texte auf dem ersten Album waren von sehr persönlicher Natur und mehr eine Geschichte als eine spezielle Message! Wir sind aber auch eine politische Band, die sich für Frauenrechte und gegen das Establishment einsetzt! Über die Texte zum zweiten Album kann ich leider noch nichts sagen, weil Sofie-Lee mir die Texte noch verheimlicht!»

 

NIGHT VIPER haben, anschliessend an dieses Interview, eine begeisternde Clubshow im Coq d'Or in Olten gespielt (Fr. 10.03.2017) und jeder Metaller, der nicht anwesend war, hat definitiv etwas verpasst! Ich bin mir sicher, dass NIGHT VIPER mit ihrem zweiten Album wie eine Rakete abgehen werden! Viel Erfolg wünsche ich dem sympathischen Tom und NIGHT VIPER und hoffentlich bis bald wieder live on stage!!!