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UNISONIC - Interview mit Bassist Dennis Ward


VOR KURZEM ERSCHIEN DIE UNISONIC LIVE-CD/-DVD "LIVE IN WACKEN", DIE BEIM FESTIVAL 2016 AUFGENOMMEN WURDE. BASSIST DENNIS WARD ÜBERNAHM DABEI WIE AUCH SCHON BEI DEN STUDIO-ALBEN DEN MIX UND DAS MASTERING. DIE INTERNATIONALE ALL-STAR-BAND UM DIE ZWEI EX-HELLOWEEN-MITGLIEDER MICHAEL KISKE (GESANG) UND GITARRIST KAI KANSEN (HELLOWEEN, GAMMA RAY), UNSEREN SCHWEIZER GITARRISTEN MANDY MEYER (EX-ASIA, EX-GOTTHARD, KROKUS), SCHLAGZEUGER KOSTA ZAFIRIOU, DER MITTLERWEILE AUSGESTIEGEN IST UM SICH MEHR UM SEINEN MANAGEMENT-JOB ZU KÜMMERN, UND BASSIST DENNIS WARD ÜBERZEUGTEN DIE WACKEN-MEUTE MIT EINER GLORREICHEN METAL-SHOW. GRUND GENUG, MIT BASSIST DENNIS WARD EIN PAAR WORTE ÜBER DIE MUSIK-SZENE UND DAS MOMENTANE, HEKTISCHE WELTGESCHEHEN ZU PLAUDERN.

Von Andy Trepp

 

Hallo Dennis, lange lange ist es her, seit ich mit deiner Zweitband PINK CREAM 69 in den 90ern ein Interview in Zürich machte für unser damaliges Print-Magazin. Seither hat sich sowohl auf der Welt viel verändert als auch im Musik-Geschäft. Als euer Frauenschwarm Andi Deris die Chance bekam, bei HELLOWEEN einzusteigen, taten mir die restlichen „PINK CREAM 69“-Mitglieder echt leid. Nun waren mit dir und Kosta Zafiriou gleich zwei bei UNISONIC, was ja die halbe HELLOWEEN-Band war mit Ex-Sänger Michael Kiske und Gitarrist Kai Hansen. Erzähl mal, wie hast du dich damals gefühlt, als Andi zu HELLOWEEN wechselte?


DW: Ich fühlte, was jeder junge Musiker fühlen würde: Verrat. Es geschah ohne Vorwarnung, während wir uns auf das neue Album vorbereiteten. Aber das ist Schnee von gestern. Ich glaube sowieso, dass es die Band in ein paar Jahren nicht mehr gegeben hätte, wenn Andi in der Band geblieben wäre. Ausserdem kann jeder tun und lassen, was er will.
 
Mit Mandy Meyer habt ihr einer unserer Schweizer Top-Gitarristen der letzten 30 Jahre in der Band, mit 17 das Wunderkind bei KROKUS, später bei GOTTHARD und Mitte der 80er bei ASIA. Momentan wieder bei KROKUS und natürlich bei UNISONIC. Kanntest du Mandy schon vor UNISONIC persönlich?


DW: Ja, ich kannte ihn aus den Gotthard-Tagen, und ich habe ein Krokus-Album vor der Krokus-Wiedervereinigung (Hellraiser) aufgenommen und produziert. Ich wollte immer schon mit ihm arbeiten und er war meine erste Wahl, als Kosta und ich die Band gegründet haben.

Kommen wir zu UNISONIC, ihr habt soeben die CD/DVD "Live In Wacken" veröffentlicht, wie war es für dich, auf dem fast weltgrössten Metal-Festival zu spielen (das russische Naschestwie-Festival hat über 200'000 Besucher, Wacken ca. 90'000)?
Warst du zum ersten Mal da?


DW: Nein, ich war ein paar Mal mit Pink Cream 69 da. Wie immer hat es viel Spass gemacht und war eine tolle Erfahrung. Ich liebe das Publikum, den Vibe und das ganze „Backstage-Leben“. Ich bin immer wieder gerne dort und ergreife wann immer die Gelegenheit sich bietet, dorthin zurückzukehren.

Ich habe mir mal eure Homepage angeschaut und eure Social-Media-Plattformen, auf Twitter habt ihr 2015 das letzte Mal was gepostet. Ist es nicht von Vorteil, auf möglichst vielen Plattformen präsent zu sein oder genügt es, seine Sachen auf Facebook und auf der Homepage zu posten?


DW: Twitter kümmert mich nicht wirklich. Ich habe meistens nichts zu sagen ausser ab und zu einen blöden Witz. Ich finde, genügend Leute posten ihre Meinungen/Überzeugungen oder was auch immer und tun fast alles, um genug Liebe und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich weiss, es kann wichtig sein für Bands, die im Rampenlicht bleiben wollen, diese Plattformen zu benützen, aber ich persönlich bin nicht so.
 
Kosta, dein langjähriger Weggenosse, ist letztes Jahr bei UNISONIC ausgestiegen, um sich mehr um seine anderen Geschäfte zu kümmern, als Ersatz spielte Michael Ehré von GAMMA RAY in Bulgarien letztes Jahr mit euch, auf der Homepage ist jedoch immer noch Kosta als Mitglied zu sehen. Habt ihr noch keinen offiziellen Ersatz?


DW:  Nein, noch nicht. Es hat keinen Zweck, einen neuen Schlagzeuger zu suchen, solange wir noch nicht wissen, wie und wann es mit Unisonic weitergeht. Es wird mindestensnoch 1.5 Jahre dauern, bis wir wieder zusammenkommen. Wenn es dann aber weitergeht, dann wird dies natürlich oberste Priorität haben.

 

Euer Sänger Michael Kiske und Gitarrist Kai Hansen gehen bald mit HELLOWEEN auf die „Pumpkins United World Tour“. Du hast ja noch ein Musik-Studio, verdienst du damit hauptsächlich dein Brot oder kommt trotz abnehmender CD-Verkäufe weltweit trotzdem noch genügend Geld mit deinen Bands rein?


DW: Ich lebe seit 20 Jahren vom Produzieren. Dies ist und wird wahrscheinlich immer meine Haupteinnahmequelle sein. Niemand kann mehr mit CD-Verkäufen Geld machen :). Ich habe genügend Nebenprojekte, die mich unterhalten, aber das Studioleben ist mein Leben.

Heute gibt es fast so viele Bands wie Fans, mal übertrieben gesagt, für dein Studio natürlich gut, für die Fans eher unüberschaubar. Trotzdem kommen wenige Hammer-Alben raus! In den Anfängen des Metals konnte man vielleicht eine Handvoll Metal-Alben grosser Bands pro Jahr kaufen, dafür waren sie fast alle absolute Highlights der Musikgeschichte. Hat die Musikszene heute weniger Seele und zu viel Technik?


DW: Es hilft den Studios nicht, dass es so viele Bands gibt. Fakt ist, dass die meisten dieser „Bands“ die ganze Produktion in die eigenen Hände nehmen und sich nicht die Mühe machen, in ein richtiges Studio zu gehen. Sie programmieren ihre Drums, sie nehmen nicht einmal ein richtiges Schlagzeug auf. Sie benützen virtuelle Verstärker, um ihren Gitarrensound direkt in ihre Computer/Laptops zu spielen und mischen/mastern das Album, indem sie Tipps befolgen, die sie von einem sogenannten „Profi“ haben, den sie auf Youtube gesehen haben. Ich nenne diese Leute „Schlafzimmer-Produzenten“, weil es das ist, was sie tun. Sie kaufen einen Laptop, ein billiges Mikrophon und sitzen in ihrem Schlafzimmer, wo sie ihre Sachen „produzieren“. Aufnehmen ist und wird immer eine Kunstform sein, die Fertigkeiten verlangt, welche man nur mit jahrelanger Erfahrung erlangen kann. Seit so viele Bands/Musiker es in eigene Hände nehmen, ihre Musik zu produzieren, machen sie’s nach der Versuchs- und Irrtumsmethode, und sie machen viele Fehler. Ich habe in den letzten vier, fünf Jahren viele Mix-Jobs abgelehnt, weil die Aufnahmen zu unprofessionell oder armselig waren. Ein Beispiel: Wenn ich versuchen würde, mit meinem bescheidenen Wissen und ein paar Youtube-Videos ein Auto zu bauen, dann kannst du sicher sein, dass die erste Serie Autos komplette Scheisse wären. Ist ja nicht anders zu erwarten. Nach vielleicht 10 Jahren könnte ich was halbwegs Brauchbares liefern, es wäre aber absolut minderwertig im Vergleich zu allem anderen auf dem Markt. Genau das passiert in der Musikindustrie: abertausende völliger Schrottalben kommen fast monatlich heraus und niemand kann Schritt halten. Eine gute Produktion wird nicht mehr geschätzt. Die Leute hören Musik mit $10-Ohrstöpseln, die in ihren iPhones stecken. Sie hören 128kbps-MP3s auf ihren gewöhnlichen Auto-HiFi-Anlagen oder über seltsam klingende Bluetooth-Lautsprecher. Natürlich gibt’s viele Scheiss-Produktionen unter all den hochwertigen Produktionen. Es ist heutzutage einfach zu simpel, Musik zu machen. Jeder ist plötzlich Musiker. Man muss ja nicht mal mehr ein Instrument spielen können. Man kann schlechtes Spielen bearbeiten, beschissenen Gesang korrigieren und das Keyboard mit der Maus oder dem iPad programmieren. Also ja, die technischen Möglichkeiten haben einiges ruiniert. Wiederum hast du aber mit diesen neuen, modernen „Werkzeugen“ aussergewöhnliche Möglichkeiten, sofern sie fähige, qualifizierte Musikproduzenten benützen. Andererseits bleibt ein schlechter Song ein schlechter Song...


Nochmals zu den CD-Verkäufen, wäre es nicht an der Zeit, dass die Plattenfirmen ein neues Produkt lancieren, das wieder physisch was Wertvolleres darstellt als die billig gefertigten CDs mit ihren Mini-Booklets, wo man sehr selten überhaupt die Texte lesen kann? Eine CD im Grössenformat einer LP und entsprechendem Cover, dazu fürs Auto etc. eine normale CD beigefügt. Oder gleich eine Langspielplatte wie früher, die ja wieder viel mehr gekauft werden, ink. einer CD. Wäre doch sinnvoller, oder?


DW: Ich träume vom „digitalen Long Play Vinyl“. Es muss nur noch erfunden werden :). Ein Album könnte dann nicht einfach in einen Laptop gegeben und kopiert werden. I weiss, es ist nur ein Traum. Ziemlich viele Plattenfirmen geben Vinyl-Alben mit einer CD dazu heraus, aber da wird sich nicht viel ändern. Ich sehe da keine Änderung in absehbarer Zukunft.
 
Wenn wir schon beim Thema sind, die Plattenfirmen, und dies besonders im Metal-Bereich, haben ihre Back-Kataloge in den letzten 10 Jahren zu Schleuderpreisen ins Volk geschmissen, früher verdienten sie immer gut an diesen. War das nicht extrem blöd, nur weil die CD-Verkäufe zurückgingen?


DW: Keine Ahnung. Ich habe keinen Durchblick, wie es in diesem Business funktioniert und wer daran verdient. 

 

Unsere Schweizer Szene ist ziemlich überschaubar im Gegensatz zur viel grösseren Deutschland GmbH, trotzdem scheint es bei uns viel mehr Neid zu geben, auch unter den Metal-Webzines. Die Leute machen immer auf freundlich, hintenrum rammen sie dir ein Messer in den Rücken. Macht man eine Band darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, die Konzerte in den ca. 5 wichtigsten Gratis-Metal-Agenden einzutragen, sind viele gleich beleidigt statt dankbar zu sein! Dankbarkeit ist hier eh Mangelware. Hält die deutsche Szene mehr zusammen oder liegt das daran, dass wir so ein kleines Land sind?


DW: Das kann ich nicht beantworten. Ich persönlich bin glücklich über jede Art von Aufmerksamkeit, die ich mit meiner Band bekommen kann, sei es in den Social Media, Webzines, auf Facebook oder wo auch immer. 
 
Gehen wir mal zu einem anderen Thema: Politik. Ihr Deutschen seid da ja arg gebeutelt, seit 100 Jahren versuchen gewisse Kräfte euer kulturreiches Land immer wieder zu zerstören, beim G20-Gipfel sah man deutlich, dass die Polizei heute mehr Armee ist als Polizei und dass die Linken dem Staat öfters mehr schaden als helfen. Diese ganze Linksextremen gehen ja völlig am Thema vorbei: zerstören wild Sachen von tausenden Bewohnern, die zum grössten Teil links gerichtet sind, statt z.B. die Villen der Elite zu verwüsten, was mal ein deutliches Zeichen wäre! Beschäftigst du dich mit solchen Sachen oder lässt dich das kalt?


DW: Zuerst mal bin ich kein Deutscher :), aber ich lebe seit Ende 80er in Deutschland. Ich persönlich könnte nicht sagen, dass jemand versucht, diese Kultur zu zerstören. Die Kultur zerstört sich selber. Menschen kommen nicht mehr als Menschen zusammen, nur noch als „Gruppen“ oder „Organisationen“. Alle haben ihre Meinungen und, wie Arschlöcher auch, stinken die meisten. Ich versuche, solche Themen zu vermeiden, ausser wenn ich in einer Bar oder auf einer Party Small-Talk mache. Die Welt ist ein seltsamer Ort geworden. Ich versuche, meine Freunde sorgfältig zu wählen und meine Kinder auf den richtigen Weg zu bringen. Ich hoffe, dass diese Welt eines Tages, ziemlich wahrscheinlich lange nach meinem Tod, eine utopische Gesellschaft werden wird.

Gehörst du zu den "normalen" Leuten, also zur Schafherde, wenn ich das mal so sagen darf, oder interessiert du dich für sogenannte Verschwörungs-Theorien, die öfters die Wahrheit hervorbringen? Wenn man die Attentate der letzten Monate/Jahre genauer untersucht, findet man immer wieder Beweise von False-Flagg-Attacken etc. Die Taktik, Menschen in einem Angstzustand zu lassen oder in einen zu bringen funktioniert ja sehr gut, da die meisten sich mit dem "Wissen" aus den Fake-Medien zufriedengeben.
 
DW: Ich denke, ich gehöre zu den normalen Leuten. Zuerst einmal sind die grössten Fake-Medien auf diesem Planeten die „fake“ Social Media, z.B. Facebook... Sie können ganz einfach und schnell Lügen verbreiten. Was die Verschwörungstheorien betrifft habe ich eine klare Meinung: Erstens bin ich ziemlich sicher, dass mit dem gemeinen Volk nicht aufrichtig umgegangen wird. Und alles im Namen von Geld, Macht und Kontrolle. Ich habe sogar meine Zweifel an Gruppen wie Greenpeace. Es gibt so viele Leute, die besessen sind von all diesen Youtube-/Facebook-Ver-schwörungstheorien, die machen sich selber lächerlich. Sie argumentieren basierend auf sonderbaren Fakten oder Nicht-Fakten, recherchieren wenig bis gar nicht und verstehen wenig bis gar nichts über das vorliegende Thema. So wie die Verleumder der globalen Erwärmung: so viele Nicht-Wissenschaftler haben eine klare wissenschaftliche Meinung zu einem Thema, mit dem sie sich gar nie gründlich auseinandergesetzt haben. Aber sie sagen wiederum, dass die Wiss-enschaftler nicht wissen, worüber sie reden, sie aber schon?? Waren diese Leute denn in Harvard oder Stanford und haben einen Abschluss in Physik? Ich bezweifle das stark. Sie haben wahrscheinlich zu viel Freizeit und schauen den ganzen Tag Youtube. Es ist so leicht, ein Video zu machen und „Fakten“ zu präsentieren, die nur Bullshit sind und deren Wahrheitsgehalt niemand kontrolliert. Sie behaupten, die Wahrheit gefunden zu haben, obwohl da nur eine Theorie ist, und dazu erst noch eine sehr vage. Die Leute reden immer noch über die 9/11-Verschwörung, als hätten sie Informationen aus erster Hand oder als seien sie in einem der Flugzeuge gewesen, als diese abgestürzt sind. Es ist also so, als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen, oder eher Desinformation mit Desinformation, oder Lügen mit noch mehr Lügen... Es ist wirklich traurig... Und erst die „Die Erde ist flach“-Typen... Aufgeschlossen zu sein ist wichtig. Dadurch, dass sie so leicht abgelenkt ist durch diese falschen Fakten ist diese „Schafherde“ auch nur eine weitere Gruppe zusammengepferchtes Vieh. Man kann noch so viele Informationen zu einem Thema aufnehmen, es liegt an dir und deinem normalen Menschenverstand, darüber eine Meinung zu bilden. Aber zwing andere nicht dazu, dir zu glauben, weil du meinst, du hättest die Wahrheit gefunden... Es bleibt eine Theorie.

Nun ja, es ist natürlich einfach die Wahrheitssuchenden, die teils Jahrelang recherchieren als Dumm zu bezeichnen und Wissenschaftler welche gezwungen werden zu lügen als die totale Wahrheit. Es gibt genügend Wissenschaftler die in stundenlangen Vorträgen andere Wahrheiten darlegen, mit eindeutigen Fakten. Egal lassen wir dich weiter in der Schafherde weiden, da lässt es sich ja bequem Leben. Ganz nach dem Motto, ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts. Wissenschaft ist im übrigen zum größten Teil nur Theorie, ganz gleich wo man studiert hat!!