INTERVIEWS


04.08.2017

VOR KURZEM ERSCHIEN DIE UNISONIC LIVE-CD/-DVD "LIVE IN WACKEN", DIE BEIM FESTIVAL 2016 AUFGENOMMEN WURDE. BASSIST DENNIS WARD ÜBERNAHM DABEI WIE AUCH SCHON BEI DEN STUDIO-ALBEN DEN MIX UND DAS MASTERING. DIE INTERNATIONALE ALL-STAR-BAND UM DIE ZWEI EX-HELLOWEEN-MITGLIEDER MICHAEL KISKE (GESANG) UND GITARRIST KAI KANSEN (HELLOWEEN, GAMMA RAY), UNSEREN SCHWEIZER GITARRISTEN MANDY MEYER (EX-ASIA, EX-GOTTHARD, KROKUS), SCHLAGZEUGER KOSTA ZAFIRIOU, DER MITTLERWEILE AUSGESTIEGEN IST UM SICH MEHR UM SEINEN MANAGEMENT-JOB ZU KÜMMERN, UND BASSIST DENNIS WARD ÜBERZEUGTEN DIE WACKEN-MEUTE MIT EINER GLORREICHEN METAL-SHOW. GRUND GENUG, MIT BASSIST DENNIS WARD EIN PAAR WORTE ÜBER DIE MUSIK-SZENE UND DAS MOMENTANE, HEKTISCHE WELTGESCHEHEN ZU PLAUDERN.

Von Andy Trepp

 

Hallo Dennis, lange lange ist es her, seit ich mit deiner Zweitband PINK CREAM 69 in den 90ern ein Interview in Zürich machte für unser damaliges Print-Magazin. Seither hat sich sowohl auf der Welt viel verändert als auch im Musik-Geschäft. Als euer Frauenschwarm Andi Deris die Chance bekam, bei HELLOWEEN einzusteigen, taten mir die restlichen „PINK CREAM 69“-Mitglieder echt leid. Nun waren mit dir und Kosta Zafiriou gleich zwei bei UNISONIC, was ja die halbe HELLOWEEN-Band war mit Ex-Sänger Michael Kiske und Gitarrist Kai Hansen. Erzähl mal, wie hast du dich damals gefühlt, als Andi zu HELLOWEEN wechselte?


DW: Ich fühlte, was jeder junge Musiker fühlen würde: Verrat. Es geschah ohne Vorwarnung, während wir uns auf das neue Album vorbereiteten. Aber das ist Schnee von gestern. Ich glaube sowieso, dass es die Band in ein paar Jahren nicht mehr gegeben hätte, wenn Andi in der Band geblieben wäre. Ausserdem kann jeder tun und lassen, was er will.
 
Mit Mandy Meyer habt ihr einer unserer Schweizer Top-Gitarristen der letzten 30 Jahre in der Band, mit 17 das Wunderkind bei KROKUS, später bei GOTTHARD und Mitte der 80er bei ASIA. Momentan wieder bei KROKUS und natürlich bei UNISONIC. Kanntest du Mandy schon vor UNISONIC persönlich?


DW: Ja, ich kannte ihn aus den Gotthard-Tagen, und ich habe ein Krokus-Album vor der Krokus-Wiedervereinigung (Hellraiser) aufgenommen und produziert. Ich wollte immer schon mit ihm arbeiten und er war meine erste Wahl, als Kosta und ich die Band gegründet haben.

Kommen wir zu UNISONIC, ihr habt soeben die CD/DVD "Live In Wacken" veröffentlicht, wie war es für dich, auf dem fast weltgrössten Metal-Festival zu spielen (das russische Naschestwie-Festival hat über 200'000 Besucher, Wacken ca. 90'000)?
Warst du zum ersten Mal da?


DW: Nein, ich war ein paar Mal mit Pink Cream 69 da. Wie immer hat es viel Spass gemacht und war eine tolle Erfahrung. Ich liebe das Publikum, den Vibe und das ganze „Backstage-Leben“. Ich bin immer wieder gerne dort und ergreife wann immer die Gelegenheit sich bietet, dorthin zurückzukehren.

Ich habe mir mal eure Homepage angeschaut und eure Social-Media-Plattformen, auf Twitter habt ihr 2015 das letzte Mal was gepostet. Ist es nicht von Vorteil, auf möglichst vielen Plattformen präsent zu sein oder genügt es, seine Sachen auf Facebook und auf der Homepage zu posten?


DW: Twitter kümmert mich nicht wirklich. Ich habe meistens nichts zu sagen ausser ab und zu einen blöden Witz. Ich finde, genügend Leute posten ihre Meinungen/Überzeugungen oder was auch immer und tun fast alles, um genug Liebe und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Ich weiss, es kann wichtig sein für Bands, die im Rampenlicht bleiben wollen, diese Plattformen zu benützen, aber ich persönlich bin nicht so.
 
Kosta, dein langjähriger Weggenosse, ist letztes Jahr bei UNISONIC ausgestiegen, um sich mehr um seine anderen Geschäfte zu kümmern, als Ersatz spielte Michael Ehré von GAMMA RAY in Bulgarien letztes Jahr mit euch, auf der Homepage ist jedoch immer noch Kosta als Mitglied zu sehen. Habt ihr noch keinen offiziellen Ersatz?


DW:  Nein, noch nicht. Es hat keinen Zweck, einen neuen Schlagzeuger zu suchen, solange wir noch nicht wissen, wie und wann es mit Unisonic weitergeht. Es wird mindestensnoch 1.5 Jahre dauern, bis wir wieder zusammenkommen. Wenn es dann aber weitergeht, dann wird dies natürlich oberste Priorität haben.

 

Euer Sänger Michael Kiske und Gitarrist Kai Hansen gehen bald mit HELLOWEEN auf die „Pumpkins United World Tour“. Du hast ja noch ein Musik-Studio, verdienst du damit hauptsächlich dein Brot oder kommt trotz abnehmender CD-Verkäufe weltweit trotzdem noch genügend Geld mit deinen Bands rein?


DW: Ich lebe seit 20 Jahren vom Produzieren. Dies ist und wird wahrscheinlich immer meine Haupteinnahmequelle sein. Niemand kann mehr mit CD-Verkäufen Geld machen :). Ich habe genügend Nebenprojekte, die mich unterhalten, aber das Studioleben ist mein Leben.

Heute gibt es fast so viele Bands wie Fans, mal übertrieben gesagt, für dein Studio natürlich gut, für die Fans eher unüberschaubar. Trotzdem kommen wenige Hammer-Alben raus! In den Anfängen des Metals konnte man vielleicht eine Handvoll Metal-Alben grosser Bands pro Jahr kaufen, dafür waren sie fast alle absolute Highlights der Musikgeschichte. Hat die Musikszene heute weniger Seele und zu viel Technik?


DW: Es hilft den Studios nicht, dass es so viele Bands gibt. Fakt ist, dass die meisten dieser „Bands“ die ganze Produktion in die eigenen Hände nehmen und sich nicht die Mühe machen, in ein richtiges Studio zu gehen. Sie programmieren ihre Drums, sie nehmen nicht einmal ein richtiges Schlagzeug auf. Sie benützen virtuelle Verstärker, um ihren Gitarrensound direkt in ihre Computer/Laptops zu spielen und mischen/mastern das Album, indem sie Tipps befolgen, die sie von einem sogenannten „Profi“ haben, den sie auf Youtube gesehen haben. Ich nenne diese Leute „Schlafzimmer-Produzenten“, weil es das ist, was sie tun. Sie kaufen einen Laptop, ein billiges Mikrophon und sitzen in ihrem Schlafzimmer, wo sie ihre Sachen „produzieren“. Aufnehmen ist und wird immer eine Kunstform sein, die Fertigkeiten verlangt, welche man nur mit jahrelanger Erfahrung erlangen kann. Seit so viele Bands/Musiker es in eigene Hände nehmen, ihre Musik zu produzieren, machen sie’s nach der Versuchs- und Irrtumsmethode, und sie machen viele Fehler. Ich habe in den letzten vier, fünf Jahren viele Mix-Jobs abgelehnt, weil die Aufnahmen zu unprofessionell oder armselig waren. Ein Beispiel: Wenn ich versuchen würde, mit meinem bescheidenen Wissen und ein paar Youtube-Videos ein Auto zu bauen, dann kannst du sicher sein, dass die erste Serie Autos komplette Scheisse wären. Ist ja nicht anders zu erwarten. Nach vielleicht 10 Jahren könnte ich was halbwegs Brauchbares liefern, es wäre aber absolut minderwertig im Vergleich zu allem anderen auf dem Markt. Genau das passiert in der Musikindustrie: abertausende völliger Schrottalben kommen fast monatlich heraus und niemand kann Schritt halten. Eine gute Produktion wird nicht mehr geschätzt. Die Leute hören Musik mit $10-Ohrstöpseln, die in ihren iPhones stecken. Sie hören 128kbps-MP3s auf ihren gewöhnlichen Auto-HiFi-Anlagen oder über seltsam klingende Bluetooth-Lautsprecher. Natürlich gibt’s viele Scheiss-Produktionen unter all den hochwertigen Produktionen. Es ist heutzutage einfach zu simpel, Musik zu machen. Jeder ist plötzlich Musiker. Man muss ja nicht mal mehr ein Instrument spielen können. Man kann schlechtes Spielen bearbeiten, beschissenen Gesang korrigieren und das Keyboard mit der Maus oder dem iPad programmieren. Also ja, die technischen Möglichkeiten haben einiges ruiniert. Wiederum hast du aber mit diesen neuen, modernen „Werkzeugen“ aussergewöhnliche Möglichkeiten, sofern sie fähige, qualifizierte Musikproduzenten benützen. Andererseits bleibt ein schlechter Song ein schlechter Song...


Nochmals zu den CD-Verkäufen, wäre es nicht an der Zeit, dass die Plattenfirmen ein neues Produkt lancieren, das wieder physisch was Wertvolleres darstellt als die billig gefertigten CDs mit ihren Mini-Booklets, wo man sehr selten überhaupt die Texte lesen kann? Eine CD im Grössenformat einer LP und entsprechendem Cover, dazu fürs Auto etc. eine normale CD beigefügt. Oder gleich eine Langspielplatte wie früher, die ja wieder viel mehr gekauft werden, ink. einer CD. Wäre doch sinnvoller, oder?


DW: Ich träume vom „digitalen Long Play Vinyl“. Es muss nur noch erfunden werden :). Ein Album könnte dann nicht einfach in einen Laptop gegeben und kopiert werden. I weiss, es ist nur ein Traum. Ziemlich viele Plattenfirmen geben Vinyl-Alben mit einer CD dazu heraus, aber da wird sich nicht viel ändern. Ich sehe da keine Änderung in absehbarer Zukunft.
 
Wenn wir schon beim Thema sind, die Plattenfirmen, und dies besonders im Metal-Bereich, haben ihre Back-Kataloge in den letzten 10 Jahren zu Schleuderpreisen ins Volk geschmissen, früher verdienten sie immer gut an diesen. War das nicht extrem blöd, nur weil die CD-Verkäufe zurückgingen?


DW: Keine Ahnung. Ich habe keinen Durchblick, wie es in diesem Business funktioniert und wer daran verdient. 

 

Unsere Schweizer Szene ist ziemlich überschaubar im Gegensatz zur viel grösseren Deutschland GmbH, trotzdem scheint es bei uns viel mehr Neid zu geben, auch unter den Metal-Webzines. Die Leute machen immer auf freundlich, hintenrum rammen sie dir ein Messer in den Rücken. Macht man eine Band darauf aufmerksam, dass es wichtig ist, die Konzerte in den ca. 5 wichtigsten Gratis-Metal-Agenden einzutragen, sind viele gleich beleidigt statt dankbar zu sein! Dankbarkeit ist hier eh Mangelware. Hält die deutsche Szene mehr zusammen oder liegt das daran, dass wir so ein kleines Land sind?


DW: Das kann ich nicht beantworten. Ich persönlich bin glücklich über jede Art von Aufmerksamkeit, die ich mit meiner Band bekommen kann, sei es in den Social Media, Webzines, auf Facebook oder wo auch immer. 
 
Gehen wir mal zu einem anderen Thema: Politik. Ihr Deutschen seid da ja arg gebeutelt, seit 100 Jahren versuchen gewisse Kräfte euer kulturreiches Land immer wieder zu zerstören, beim G20-Gipfel sah man deutlich, dass die Polizei heute mehr Armee ist als Polizei und dass die Linken dem Staat öfters mehr schaden als helfen. Diese ganze Linksextremen gehen ja völlig am Thema vorbei: zerstören wild Sachen von tausenden Bewohnern, die zum grössten Teil links gerichtet sind, statt z.B. die Villen der Elite zu verwüsten, was mal ein deutliches Zeichen wäre! Beschäftigst du dich mit solchen Sachen oder lässt dich das kalt?


DW: Zuerst mal bin ich kein Deutscher :), aber ich lebe seit Ende 80er in Deutschland. Ich persönlich könnte nicht sagen, dass jemand versucht, diese Kultur zu zerstören. Die Kultur zerstört sich selber. Menschen kommen nicht mehr als Menschen zusammen, nur noch als „Gruppen“ oder „Organisationen“. Alle haben ihre Meinungen und, wie Arschlöcher auch, stinken die meisten. Ich versuche, solche Themen zu vermeiden, ausser wenn ich in einer Bar oder auf einer Party Small-Talk mache. Die Welt ist ein seltsamer Ort geworden. Ich versuche, meine Freunde sorgfältig zu wählen und meine Kinder auf den richtigen Weg zu bringen. Ich hoffe, dass diese Welt eines Tages, ziemlich wahrscheinlich lange nach meinem Tod, eine utopische Gesellschaft werden wird.

Gehörst du zu den "normalen" Leuten, also zur Schafherde, wenn ich das mal so sagen darf, oder interessiert du dich für sogenannte Verschwörungs-Theorien, die öfters die Wahrheit hervorbringen? Wenn man die Attentate der letzten Monate/Jahre genauer untersucht, findet man immer wieder Beweise von False-Flagg-Attacken etc. Die Taktik, Menschen in einem Angstzustand zu lassen oder in einen zu bringen funktioniert ja sehr gut, da die meisten sich mit dem "Wissen" aus den Fake-Medien zufriedengeben.
 
DW: Ich denke, ich gehöre zu den normalen Leuten. Zuerst einmal sind die grössten Fake-Medien auf diesem Planeten die „fake“ Social Media, z.B. Facebook... Sie können ganz einfach und schnell Lügen verbreiten. Was die Verschwörungstheorien betrifft habe ich eine klare Meinung: Erstens bin ich ziemlich sicher, dass mit dem gemeinen Volk nicht aufrichtig umgegangen wird. Und alles im Namen von Geld, Macht und Kontrolle. Ich habe sogar meine Zweifel an Gruppen wie Greenpeace. Es gibt so viele Leute, die besessen sind von all diesen Youtube-/Facebook-Ver-schwörungstheorien, die machen sich selber lächerlich. Sie argumentieren basierend auf sonderbaren Fakten oder Nicht-Fakten, recherchieren wenig bis gar nicht und verstehen wenig bis gar nichts über das vorliegende Thema. So wie die Verleumder der globalen Erwärmung: so viele Nicht-Wissenschaftler haben eine klare wissenschaftliche Meinung zu einem Thema, mit dem sie sich gar nie gründlich auseinandergesetzt haben. Aber sie sagen wiederum, dass die Wiss-enschaftler nicht wissen, worüber sie reden, sie aber schon?? Waren diese Leute denn in Harvard oder Stanford und haben einen Abschluss in Physik? Ich bezweifle das stark. Sie haben wahrscheinlich zu viel Freizeit und schauen den ganzen Tag Youtube. Es ist so leicht, ein Video zu machen und „Fakten“ zu präsentieren, die nur Bullshit sind und deren Wahrheitsgehalt niemand kontrolliert. Sie behaupten, die Wahrheit gefunden zu haben, obwohl da nur eine Theorie ist, und dazu erst noch eine sehr vage. Die Leute reden immer noch über die 9/11-Verschwörung, als hätten sie Informationen aus erster Hand oder als seien sie in einem der Flugzeuge gewesen, als diese abgestürzt sind. Es ist also so, als würde man Feuer mit Feuer bekämpfen, oder eher Desinformation mit Desinformation, oder Lügen mit noch mehr Lügen... Es ist wirklich traurig... Und erst die „Die Erde ist flach“-Typen... Aufgeschlossen zu sein ist wichtig. Dadurch, dass sie so leicht abgelenkt ist durch diese falschen Fakten ist diese „Schafherde“ auch nur eine weitere Gruppe zusammengepferchtes Vieh. Man kann noch so viele Informationen zu einem Thema aufnehmen, es liegt an dir und deinem normalen Menschenverstand, darüber eine Meinung zu bilden. Aber zwing andere nicht dazu, dir zu glauben, weil du meinst, du hättest die Wahrheit gefunden... Es bleibt eine Theorie.

Nun ja, es ist natürlich einfach die Wahrheitssuchenden, die teils Jahrelang recherchieren als Dumm zu bezeichnen und Wissenschaftler welche gezwungen werden zu lügen als die totale Wahrheit. Es gibt genügend Wissenschaftler die in stundenlangen Vorträgen andere Wahrheiten darlegen, mit eindeutigen Fakten. Egal lassen wir dich weiter in der Schafherde weiden, da lässt es sich ja bequem Leben. Ganz nach dem Motto, ich sehe nichts, ich höre nichts, ich sage nichts. Wissenschaft ist im übrigen zum größten Teil nur Theorie, ganz gleich wo man studiert hat!!

 


WIR SPIELEN ÜBERALL GERNE, WO DIE LEUTE UNS HÖREN WOLLEN!

 

DAS WETTER AM ROCK THE RING WAR SUPER, SONNENSCHEIN, ABER NICHT ZU HEISS, UND SO DURFTE ICH DIE DREI GUTGELAUNTEN UND CHARMANTEN HERREN SCOTT LEACH, STEVEN MAGENEY UND TONY CASTELL VON CRYSTAL BALL NACH IHREM KONZERT ZUM INTERVIEW TREFFEN.

 

Von Denise Gutzwiller

 

Wie geht es euch nach dem Auftritt vorhin? Die Stimmung war ja super.

 

Steven: Sehr, sehr gut, voller Adrenalin, sehr, sehr geil!

 

Das Wetter war ja heute zum Glück auch nicht so heiss wie gestern. Wie ist das so für euch, wenn man bei dieser Hitze alles geben muss auf der Bühne? Fühlt man sich da am Tag danach wie nach einem Marathon?

 

Steven: Das ist eigentlich egal, weisst du, das puscht einen so nach vorne, da ist es egal, wie es morgen ist. Heute ist der Tag.

 

Wie erholt ihr euch am Tag danach?

 

Steven: Saufen, saufen! Nein, ganz normal.

Tony: Ausruhen, Füsse hoch.

Scott: Fernsehen.

 

Also ganz ruhig, die Zeiten von Sex, Drugs and Rock’n’Roll sind ja auch nicht mehr so wie früher…

 

Steven: Wer weiss, wer weiss…

 

Ihr seid ja recht engagiert und immer auf Tour, findet ihr da noch Zeit, um neue Songs zu schreiben?

 

Scott: Man nimmt sich die Zeit einfach.

Tony: Da gibt es halt auch immer so Phasen. Man kann ja nicht sagen, so, heute schreibe ich einen neuen Song, zack, zack und dann schüttelt man sich einfach etwas aus dem Ärmel. Das kann dann halt am Morgen oder in der Nacht sein. Wir haben aber schon etwas geplant, dass wir uns die Zeit dazu nehmen. Seit letzter Woche! (lacht)

 

Wenn ich gefragt werde, wer ist Crystal Ball, dann antworte ich: das ist die Nummer vier der Schweizer Hardrockszene (nach Gotthard, Krokus und Shakra). Kann man das so stehen lassen? Stimmt ihr mir da zu?

 

Scott: Kann man wahrscheinlich so sagen, ja...

Steven: Das sollen andere beurteilen. Wir machen einfach das, was wir können, die Leute lieben es, wertschätzen das und welche Nummer wir nun dabei kriegen… Ok, natürlich ist Krokus und Gotthard da in einer anderen Liga. Da brauchen wir nicht drüber reden. Aber wir machen das, was wir können, wir machen das ehrlich total gerne, der Rest ist egal.

 

Aber ich darf das in Zukunft so weitersagen? Gebt ihr mir euer OK dazu?

 

Scott: Klar!

Steven: Klar!

Tony: Sicher!

 

Tony arbeitet ja nebenbei als Musiklehrer, wie sieht es bei euch aus? Habt ihr auch einen Job neben Crystal Ball?

 

Steven: Jep.

Scott: Nickt mir zu.

 

Ist das nicht etwas frustrierend? Als Nummer vier noch arbeiten zu müssen, weil man Musiker in der Schweiz ist? Da sieht man die Bands aus dem Ausland, die in etwa den gleichen Status haben und nicht arbeiten müssen...

 

Scott: Glaub mir, die verdienen auch nicht mehr und haben alle genauso Jobs wie wir.

Steven: Ja, müssen sie auch.

 

Sagen die mir das einfach nicht?

 

Scott: Also wenn sie den gleichen Status haben wie wir, dann werden die alle genauso arbeiten müssen nebenher. Die müssten sonst alle immens viel mehr verkaufen können. Du weisst ja, heutzutage kauft keiner mehr CDs, also… hartes Brot. Wir machen das alles ja der Leidenschaft und nicht des Geldes wegen.

 

Wie ist das, wenn ihr mit Shakra auf der Bühne steht? Fühlt ihr euch da wie die kleineren oder zeigt ihr denen, dass ihr genauso gut seid?

 

Tony: Wir hatten eine absolut gute Zeit, die Tour lief auch sehr, sehr gut für beide Bands. Da gab es keine Konkurrenz. Es war so schön zu sehen, dass es Shakra-Fans mit Crystal-Ball-Shirts und Crystal-Ball-Fans mit Shakra-Shirts im Publikum gab. Wir hatten auch im Tourbus eine ganz geile Zeit!

Steven: Absolut! Für mich ist das auch so, dass ich keine „Nummer zwei oder Nummer vier, wer mit wem oder wer ist da klein und wer ist gross“-Ansicht habe. Wir machen unser Ding, die machen ihr Ding und man ergänzt sich. Und das läuft auch gut. Wir hatten eine wirklich gute Tour, sehr viel Spass zusammen und das ist entscheidend. Das kommt bei den Leuten auch rüber! Dann ist die Welt in Ordnung und ich muss niemandem irgendetwas beweisen. Wir machen das, was wir können, wenn es den Leuten gefällt, dann ist’s super und die Welt ist in Ordnung.

 

Und wie ist das denn so, wenn man mit Axel Rudi Pell unterwegs ist?

 

Tony: Absolut geil!

 

Könnt ihr alten Hasen da noch etwas lernen?

 

Steven: Absolut, sorry, aber Axel Rudi Pell… das ist schon ne richtig gute Nummer! Ich als Sänger kann schon von Johnny Gioeli noch richtig viel lernen. Das ist die erste Liga im Singing und ich bin zwar ganz gut, aber er ist einfach noch mal eine ganz andere Liga. Ja, da kann ich noch etwas lernen und ich lerne ja auch gerne. Wenn ich aufhören würde zu lernen, ja was? Bin ich Gott oder was?

Tony: Da gab es eine schöne Überraschung, als wir beim Soundcheck waren und Déjà Voodoo gespielt haben, kam Johnny runter, kam auf die Bühne und hat von sich aus mit uns zusammen gesungen. Das war unglaublich.

Steven: Das ist eben diese Wertschätzung und das macht Spass.

Tony: Auch mit Shakra. Steven hat auch einen Song mit ihnen gesungen und Mark Fox einen mit uns. So etwas ist doch auch fürs Publikum schön. So muss es sein.

Steven: Das ist nicht so mit dieser Rivalität, wie man immer denkt. Das gibt es so nicht.

 

Ich wollte anschliessend Tony zu seiner früheren Band Fox befragen, aber er hat mir meine Frage schon vom Gesicht abgelesen und mir gleich geantwortet:

 

Tony: Bei zwei, drei Gigs waren Mark und ich immer die letzten, die gingen. Wir haben da zusammen bis in die Nacht philosophiert und hatten eine gute Zeit, auch da ist alles in Butter und man muss nichts mehr dazu sagen. Reto, unser Schlagzeuger von früher, habe ich auch ein paar Mal gesehen und einen sehr guten Kontakt zu ihm.

 

Ihr seid am neuen Album dran, gibt es für mich irgendeinen Hinweis dazu?

 

Scott: Nein.

 

Komm schon, ich muss doch etwas zum Schreiben haben!

 

Scott: Nein, es gibt keinen Hinweis. Wir wissen es selber noch nicht genau. Es wird irgendwann im Frühjahr nächsten Jahres herauskommen. Aber zu den Songs oder Titeln ist noch nichts bekannt.

Steve: Ich persönlich freue mich total darauf, endlich wieder neue Songs zu machen. Die letzten fünf Jahre waren ja von Konzerten geprägt. Songs und eine neue CD zu machen hat aber auch seinen Reiz. Ich weiss noch nicht, was kommt, ich warte noch darauf, aber ich freue mich total.

 

Meiner Meinung nach seid ihr mit jedem Album eine Stufe besser geworden. Seht ihr das auch so?

 

Scott: Ja und es freut mich sehr, dass du das so siehst. Ich empfinde das auch so.

Steven: Ja. Es ist ja auch so, je länger man zusammen spielt und je intensiver das ist, umso besser wird die Sache auch.

 

Ich finde euch variabler und druckvoller.

 

Steven: Ja, das liegt ja auch an den Kleinigkeiten, die man gar nicht immer so hört, aber genau die machen die Geschichte besser.

Scott: Die Band hat ja mittlerweile auch ihren Stil gefunden. Also nicht erst jetzt, aber durch die Wechsel wächst die Sache dann schon zusammen. Mit den Songs, die Steven und ich geschrieben haben, haben wir unser Ziel gefunden. Wir müssen uns gar nicht mehr lange erklären, man merkt sofort, wo der andere hin will. Das geht einfach immer besser.

Wo spielt ihr lieber? In der Schweiz wo ihr schon eine grosse Fanbase habt oder im Ausland, wo euch zwar weniger Leute kennen, ihr aber die Möglichkeit habt, neue Fans zu gewinnen?

 

Scott: Wir spielen überall gerne, wo die Leute uns hören wollen!

Steven: Sorry, aber da mache ich keinen Unterschied. Natürlich, das heute hier war natürlich toll. Heimspiel ist schon was Tolles, man sieht auch viele Crystal-Ball-Fans. Das ist natürlich toll, aber mir persönlich ist das eigentlich egal. Es macht Spass zu spielen und das merken die Leute, egal ob in Deutschland, Österreich, England, wo auch immer oder in der Schweiz.

Tony: Wenn es Spass macht, ist es egal, wo es ist. Der Fokus ist im Moment etwas in Deutschland, weil wir sehr oft dort spielen. Ich denke aber, wie Steven schon gesagt hat, heute am Rock The Ring spielen zu können war schon sehr wichtig für uns, um Aufmerksamkeit erregen zu können. Wir merken, es gibt schon noch Leute in der Schweiz, die dann aufhorchen und fragen: Wer sind denn diese da auf der Bühne?

 

Gibt es ein Ziel, dass ihr erreichen wollt?

 

Steven: Es gibt immer Ziele, sonst wäre das nicht gut. Wir wollen natürlich noch mehr Leute mit Crystal Ball erreichen und noch mehr CDs verkaufen. Mehr und grössere Festivals spielen. Natürlich, man hat immer Ziele. Wir freuen uns aber primär darauf, zusammen Musik zu machen und da geht nicht mehr viel drüber.

 

Wenn die von Krokus irgendwann zu alt sind, könnt ihr aufsteigen.

 

Steven: Mir ist das egal, Krokus ist Krokus und wir sind wir. Wenn Krokus nicht mehr da sind… Das ist eine geniale Band, dann ist das erst mal schade.

 

Ja aber dann spielt ihr einen Slot später…

 

Steven: Ja ok, dann spielen wir später und das wäre auch ok, aber sorry, das ist nichts, worauf ich warte.

Tony: Musik ist Musik und darum geht es. Es hat Platz für alle. Scheiss auf Konkurrenz, was soll das?

Scott: Selbst wenn eine Band aufhört, deswegen sind ja nachher nicht automatisch wir diejenigen, die nachkommen. Da kommen ja nicht zehntausend Leute plötzlich von einem Tag auf den anderen dazu, nein. Wir müssen uns das erspielen und hoffen natürlich, dass wir mit solch Auftritten wie heute eine grössere Zielgruppe erreichen können, und die dann das nächste Mal auch wieder kommen. Dass sich das dann so schneeballartig ausbreitet...

Tony: Du siehst es ja auch heute hier, und du kennst das ja mittlerweile auch, wir sind alle eine grosse Familie, deshalb habe ich dir gesagt, es gibt Platz für alle.

 

Möchtet ihr mir noch etwas sagen, was ich vergessen habe zu fragen?

 

Steven: Erstmal vielen Dank, dass wir dir Rede und Antwort stehen durften, wir freuen uns! Wir freuen uns über diesen Tag, über dieses Festival und dass die Leute uns mögen.


CHRIS VON ROHR - DER SCHWEIZER ROCKPAPST

 

Etwas nervös war ich ja schon, bevor ich zum Interview antreten durfte, schliesslich hört und liest man ja so allerhand über Chris von Rohr. Ich wurde also backstage gebracht und da stand er, der Patriarch der Schweizer (Rock-) Musikszene. Da ich allerdings zur Begrüssung gleich mal ein Busserl aufgedrückt bekam, war meine Nervosität auch gleich ratzfatz verflogen. Egal, was der eine oder die andere von ihm denkt, ich bin dankbar dafür, dass ich ihn selbst einmal treffen durfte, denn ich mag ihn und hatte ein tolles Interview. Doch lest selbst:

 

Von Denise Gutzwiller

 

Danke dir, dass du dir die Zeit nimmst, ich weiss du bist etwas im Stress…

 

Gern geschehen, für ein Nachwuchsmagazin mache ich das sehr gerne. Läuft es gut bei euch?

 

Ähm, ja, läuft sehr gut bei uns, aber heee, wir sind kein Nachwuchsmagazin!

 

(Grinst) weiss ich doch, ich kenne euch schon lange, habe ja schon viel mit euch gemacht…

 

Also was mich als erstes interessieren würde ist: Ihr spielt sowohl heute wie auch sonst immer vor Gotthard, warum? Euch gibt es doch schon viel länger?

 

Weisst du, wir spielen lieber dann, wenn das Publikum noch frisch ist. Wir haben ja mit Gotthard auch eine Doppel-Headliner-Tour gemacht, und wir hatten das damals schon so abgemacht, dass wir als erstes drankommen. Wir haben ja die gleich lange Spielzeit. Dass wir zuerst spielen können, war unser Wunsch und wurde uns nicht zwangsverordnet. Das ist alles gut, wir spielen ja sogar noch einen Song zusammen. Wir wollten das so, das macht uns Freude.

 

Da wir ja nicht soviel Zeit haben, möchte ich dir gerne ein paar Fragen stellen, die mich persönlich an Chris von Rohr interessieren. Ich hoffe, das ist ok für dich?

 

Bitteschön…

 

Du hast ja schon einiges gemacht, unter anderem damals diese Late Night Show mit Roman Kilchsperger, bei der du eines Abends deinen nackten Knackarsch vor laufender Kamera präsentiert hast. Oder Musicstar. Hast du das damals gemacht, weil du Chris von Rohr bist und du dir eh alles erlauben kannst oder hat man dich dafür so gut bezahlt?

 

Ich muss dir ganz ehrlich sagen, das war eine Zeit, in der ich in keiner Rockband gespielt habe. Ich hatte damals zehn Jahre lang Gotthard produziert, dann gab es eine Pause zwischen Gotthard und Krokus und ich musste ja schauen, dass das Geld trotzdem reinkam. Ich musste ja in dieser Zeit auch meinen Pool beheizen und meinen Gärtner bezahlen können. Das war eine reine Money-Sache. Da stehe ich auch voll dazu. Roman und ich hatten dabei aber riesig Spass und ich finde jetzt noch, dass war die einzig wahre Late Night Show hier, quasi das Analoge zu Stefan Raab.

 

Wie siehst du dich selbst in der Schweizer Musikszene?

 

(Überlegt) das weiss ich nicht, da fragst du besser Gotthard, die nennen mich Rockpapst…

 

Ich kenne Mark Fox, der hält ja auch sehr viel von dir…

 

Ja, was soll ich sagen, ich bin halt der Urrocker, der schon sehr, sehr lange, seit den Sechzigern, dabei ist und das studiert. Ich glaube, meine Stärke besteht darin, dass ich aus andern Musikern das Maximum herausholen kann. Dazu kommt, dass ich ein ganz passabler Songwriter bin, sonst hätte ich wohl kaum 50 Gold- und Platinscheiben zu Hause. Mich wirklich zu beurteilen liegt mir aber nicht, das finde ich nicht so cool, das sollen andere machen.

 

Ich bin auf diese Frage gekommen, weil: entweder man liebt dich oder man hasst dich.

 

Das ist doch schön!

 

Was hast du lieber?

 

Ähh… gut, sind wir ganz ehrlich: geliebt werden wir alle gerne, aber ich rege gerne Leute auf, die sich gerne aufregen. Und ich will ja gar nicht von allen geliebt werden, um Himmels Willen, ich bin ja nicht Roger Federer!

 

Du bist ja schon sehr einflussreich. Wenn Chris von Rohr sagt: Shakra, Mark Fox, ihr kommt nun mal zu mir nach Hause und dann wird geredet, dann gibt’s Shakra nach dem Treffen wieder so, wie es vorher war und sein sollte…

 

…jaaa… man bringt ja auch eine gewisse Altersweisheit mit, die man den Jungen weitergeben kann und auch weitergeben soll. Das gehört bei mir dazu und ist auch im Preis inbegriffen. Ich finde junge Musiker immer spannend und kann ja auch immer noch etwas von ihnen lernen.

 

Wie hast du dich gefühlt, als du gesehen hast, dass Rihanna mit einem Krokus-Shirt auf der Bühne stand?

 

Das war das grösste Highlight der letzten paar Jahre! Erstens finde ich Rihanna so eine geile Katze. Das ist schlicht eine Hammerfrau. Die hat keine Hemmungen und ist so scharf! Ich hoffe, die hält sich noch lange so und verfällt nicht irgendwann der Fettsucht, aber die ist schlicht sensationell. Für uns und unseren Merchandisehandel war dies das Bingo! Sehr, sehr gut! Bravo Rihanna! Das hätte Millionen gekostet, wenn man das hätte arrangieren wollen, und sie hat das einfach so gemacht.

 

Wenn man mit dir in einer Band ist, hat man da überhaupt Mitspracherecht, muss man sich da die ganze Zeit behaupten, bist du der Patriarch?

 

Weisst du, Demokratie ist gut, wenn am Schluss einer sag,t wo es lang geht. Dann ist es eine gute Demokratie. Bei uns ist es aber so, dass immer die beste Idee gewinnt. Es ist nicht so, dass wir es so machen, nur weil es einer gesagt hat. Wenn ich Krokus Scheisse verordnen würde… man hat ja gesehen, was passierte, als ich nicht mehr dabei war… da ist das Schiff ins Schwanken geraten… Es braucht einfach einen, den „Tätschmeister“. Einer, der eine klare Vision hat… Meine Ideen kommen auch auf den Prüfstand! Da wird nichts einfach nur abgenickt und abgebetet. Unsere Demokratie funktioniert. Wenn jemand eine bessere Idee hat als ich, bin ich noch so froh. Zwischen mir, Marc und Fernando läuft es auch sehr gut. Mittlerweile kennt jeder den andern, wir kennen unsere Stärken und Schwächen und es ist eine gewisse Demut vorhanden und das ist schön so. Wertschätzung, ja Wertschätzung ist sehr wichtig.

 

Ihr habt ja kürzlich ein Benefizkonzert gegeben, bei dem ihr Geld für eine Schule in Afrika gesammelt habt. Macht man so etwas, weil man muss, da man berühmt ist oder macht man das, weil man will und kann, da man berühmt ist?

 

Man will das, glaubt mir, das will man machen. Wir kennen die Frau persönlich und wir wissen vor allem, dass das Geld auch wirklich bei denen ankommt. Bei den meisten dieser Wohltätigkeitsveranstaltungen geht 80% des Geldes an die Administration. Das wissen viele gar nicht. Bei ihr wissen wir, dass das auch wirklich ein Schulzimmer gibt. Das können wir anschauen gehen! Nein, so was macht man gerne! Das ist eine Ehre!

 

Bild: Von Ralf Wyssenbach


Die Herren von THE DEAD DAISIES gaben sich im Dynamo in Zürich die Ehre, und da konnte ich es mir nicht nehmen lassen, Doug Aldrich ein paar Fragen zu stellen. Ich wurde also backstage gebracht, wo mich ein sehr gut gelaunter Doug mit einer herzlichen Umarmung empfing.

 

Von Denise Gutzwiller

 

Hallo Doug, danke dir, dass du dir Zeit für mich nimmst. Ihr habt ja letzte Woche eure Europa-Tournee gestartet, wie lief es bis jetzt?

 

Sehr gut, wir haben eine Woche in New York geprobt. Der Start war in Deutschland am „Rock Hard Festival“, danach ging’s nach Österreich ans „Vienna Festival“, dann waren wir in Italien und unsere vierte Show ist nun hier bei euch. Wir haben jetzt schon das Gefühl, dass es auch dieses Mal wieder so stark wird wie bei der letzten Tour. Ja, ich kann sagen, wir haben sehr gut gestartet.

 

Du weisst ja sicher, dass wir hier im Moment ein Terrorproblem haben. Wie ist das für euch, habt ihr euch wohl gefühlt, nach Europa zu kommen oder geht da auch etwas die Angst mit?

 

Also ich fühle mich total wohl. Es ist definitiv eine katastrophale Situation, speziell im Westen Europas, aber weisst du, wir müssen weiterleben und stark sein. Wir halten natürlich unsere Augen offen hier. Man will ja auch sich selbst und seine Familie beschützen so gut es geht. Wenn man da die Bilder sieht und hört, was bei euch alles abgeht, erschreckt einen das schon, aber wir lassen uns davon trotzdem nicht abschrecken.

 

Es haben ja einige Bands ihre Tournee wegen den Anschlägen hier abgesagt. War das bei euch kein Thema?

 

Nein, nein…Nein, nein… Das würde ja bedeuten, dass die Terroristen, die bösen Jungs, gewinnen würden oder so, verstehst du? Wir wissen, es ist auch gefährlich, aber man kann ja nicht zu Hause hinter verschlossenen Türen bleiben und sich verschanzen. Wir müssen leben! Wir müssen diesen Kampf gewinnen. Diese Leute sind doch alle irgendwie fehlgeleitet, die wissen es nicht besser, aber wir bleiben stark und schieben das zur Seite. Wir müssen denen zeigen, dass diese radikale Einstellung falsch ist, dass das nicht funktionieren wird.

 

Ihr wurdet vorletzte Woche zu eurem „Live And Louder“-Album befragt und ihr habt gesagt, es brauchte eine Menge Nerven aus Stahl und literweise Kaffee, bis dieses Live-Album fertig war. War es so anstrengend?

 

(lacht) Nein, nein… Man wird ja auch mit jeder Show, die man spielt, besser und sicherer. Wir haben da nur einen Witz gemacht mit dieser Antwort. Ich denke, das hat sicher Marco (Mendoza) gesagt.

 

Wie hast du deinen speziellen Doug-Aldrich-Sound kreiert?

 

Meine Art zu spielen kommt von ganz alleine, ich denke, mein Sound ist sehr natürlich. Ich mache etwas und ich mache es gut. Und ich mache es für mich. Die Leute fragen mich manchmal, ob ich wie Eddie Van Halen oder Tony Iommy spielen kann. Ich antworte dann immer: nein, kann ich nicht. Ich kann zwar die gleichen Noten spielen, aber das wird dann trotzdem immer wie Doug Aldrich klingen. Jeder hat seine eigene Persönlichkeit, wenn er spielt.

 

Welche Tonlage, bzw. Tonleiter spielst du am liebsten und warum?

 

Ich liebe die Pentatonic-Tonleiter. Die ist sehr simpel und sehr bluesig. Es ist die erste Tonleiter, die ich gelernt habe und ich mag die immer noch am liebsten.

 

Wenn du nicht auf Tour bist, geniesst du deine Zeit mit deinem Sohn. Erhoffst du dir für ihn, dass er auch einmal ein berühmter Musiker wird oder wünschst du dir für ihn einen normalen Job?

 

Ich will, dass er einmal das macht, was ihn glücklich macht. Da werde ich ihn in allem unterstützen. Im Moment sagt er, er will Arzt werden, damit er mich später heilen, pflegen und wieder zusammenflicken kann. Ich habe ihm gesagt, das klingt sehr gut. Er meinte dann, wenn ich einmal alt bin, kann ich das gut brauchen. Ich habe dann erwähnt, dass ich ja schon alt bin und er antwortete: ja, aber noch nicht kaputt. Ja, da hatte er recht. Ich würde es lieben, einen Arzt als Sohn zu haben. Er hat jetzt aber auch mit Gitarrenunterricht angefangen, so zum Spass… Er liebt Fussball… Wir werden sehen, wohin es ihn bringt.

 

So als Vater… ist es immer noch aufregend, auf Tournee zu gehen, oder hast du dir auch schon überlegt, das Musiker-Leben an den Nagel zu hängen und nur noch ein einfacher Familienmensch zu sein?

 

Also ich liebe es ja zu spielen! Wenn ich spielen kann, dann vergesse ich alles. Da gibt es nur noch mich, meine Gitarre und meinen Sound. Was das Ganze schwierig macht, ist dieses Reisen. Wenn man dann wochenlang unterwegs ist, fängt man schon sehr an, seine Familie zu vermissen. Vor allen die Kinder, ich habe ja auch noch eine 17 Monate alte Tochter, so einen kleinen Krabbler, das macht es einem schon schwierig, weg zu sein. Aber!: Facetime hilft einem dabei sehr! Was soll ich sagen, das ist halt ein Teil meines Lebens, ich war schon immer auf Tournee... Wer weiss, was die Zukunft bringt, aber für den Moment ist es ok.

 

Ok, dann frage ich das Ganze noch anders rum: Wie lange hältst du es zu Hause aus, bis du die Bühne vermisst?

 

Also so ein paar Wochen kann ich schon mal zu Hause bleiben. Aber Gitarre spielen muss ich auch dann, ich kann nicht anders.

 

Wie übst du? Übst du überhaupt noch?

 

Ja, klar. Ich beginne meistens damit, dass ich etwas im Kopf habe, was ich verbessern will. Das kann etwas ganz Einfaches, wie Fingerübungen sein, so technisches Zeugs oder auch während ich einen neuen Song schreibe. Das braucht dann jeweils ein paar Stunden Zeit. Ich will dann verschiedene Wege ausprobieren, wie und was ich zu dem neuen Song spielen will. Ich muss ja herausfinden, welcher Weg der Beste ist.

 

Ich habe gelesen, dass du gerne Harfe spielen würdest. Weshalb gerade Harfe?

 

Ich mag den Sound, die so eine Harfe hergibt. Ich bin der Meinung, dass Harfe ein extrem cooles Instrument ist.

 

Hast du jemals versucht es zu lernen oder ist das nur so ein Gedanke in deinem Kopf?

 

Ich habe ein paar Harfen zu Hause. Ich habe darauf schon öfters herumgeklimpert, aber ich würde nun nicht behaupten, dass ich wirklich spielen kann. Ich habe herausgefunden, dass es verschiedene Harfen für jeden Schlüssel braucht. Das habe ich jahrelang nicht gewusst. Man hat eine Harfe in C-Dur und E-Moll zum Beispiel. Also wenn man E-Moll spielen will, nimmt man die C-Dur-Harfe.

 

The Dead Daisies haben ihr Fans letzte Woche gefragt, welchen Song sie am liebsten hören, während sie Motorrad fahren. Fährst du auch Motorrad?

 

Ja, ich habe ein Motorrad, aber ich fahre nicht mehr oft, seit ich bei den Daisies bin. Ich will mich nicht verletzen und dann ausfallen oder von meiner Familie getrennt sein müssen, weil ich irgendwo in Spital liege.

 

Wenn du in Rente gehst, komm mal hier in die Schweizer Berge, da gibt es sehr schöne Strecken…

 

Ja weiss ich, ich liebe die Schweizer Berge.

 

Und was hörst du während dem Fahren am liebsten?

 

Da mag ich das Klassische, wie AC/DC oder THE ALLMAN BROTHERS… LED ZEPPELIN, LYNYRD SKYNYRD, oder vielleicht auch… nee, LED ZEPPELIN geht immer!

 

Nächste Woche geht’s ja ans „Sweden Rock“-Festival, was gefällt dir besser, Hallenkonzerte oder „Open Air“-Feeling?

 

Da ist jedes auf seine eigene Art und Weise speziell. Wenn das Wetter stimmt, speziell gerade beim „Sweden Rock“-Festival… wenn da das Wetter mitmacht und es toll ist, dann ist es immer sehr, sehr toll dort. Aber so eine volle verschwitzte Indoor-Show geben zu können ist eben auch ganz toll! Wie letzten Abend in Italien, 500-600 Leute in dieser Halle… es war einfach unglaublich. In einer gewissen Art sind diese Konzerte sogar besser. Es ist so deine eigene Show, alle kommen extra wegen dir. An einem Festival hat’s auch immer irgendwelche, die einfach dort stehen, ohne Bezug zu einem zu haben.

 

Worin siehst du den Unterschied zum Schweizer Publikum im Gegensatz zu den andern? Wir Schweizer zeigen an den Konzerten ja meist nicht gerade südländisches Temperament…

 

Ja da hast du recht (lacht), aber es kommt auch immer darauf an. Ich denke, das Schweizer Publikum interessiert sich sehr für die Musik und die Band. Wenn der Schweizer an ein Konzert geht, hat er sich mit der Band und der Musik schon sehr auseinandergesetzt. Die wollen es dann knistern spüren.

 

Findest du uns zu reserviert?

 

Nein, ich finde euch cool! Und die Deutschen sind ja in etwa gleich, meine Frau ist Deutsche und ich bin mit eurer Mentalität schon etwas vertraut.

 

Willst du mir noch etwas sagen, was ich zu fragen vergessen habe?

 

Ich will dir herzlich danken, dass du dir die Zeit genommen hast für dieses Interview, und den Fans danke ich für ihre Unterstützung. Wir wissen das auch nach all den Jahren immer noch sehr zu schätzen!

 

Hallo, du bist Doug Aldrich, natürlich nehme ich mir da Zeit für dich… Ich kenne dich schon seit WHITESNAKE-Zeiten. Wie ist es für dich eigentlich, nach WHITESNAKE nun mit THE DEAD DAISIES in einer kleineren Band zu spielen?

 

In erster Linie bedeutet es, sehr viel Spass zu haben.

 

Hast du weniger Druck als bei WHITESNAKE?

 

Ja… es ist anders…Ich war ja eine lange Zeit bei WHITESNAKE, ich bin sehr stolz darauf, was David und ich da zusammen erreicht haben. Ich war glücklich dort. Ich wollte mich aber auch etwas mehr auf meine Familie konzentrieren. Und dann kam die Möglichkeit, beides zu verbinden, als die Anfrage von THE DEAD DAISIES kam. Ich habe davor eine Zeit lang in keiner Band gespielt und darf jetzt wieder in einer sein. Da bin ich sehr dankbar dafür.


Die deutschen Thrash-Metal Urgesteine haben soeben ihr 17. Studio-Album unter dem Titel "One Foot in the Grave" veröffentlicht, nach 35 Jahren im Musikgeschäft ist es sicher nicht selbstverständlich, dass man immer noch Top-Alben raushaut, TANKARD beweisen jedoch, dass sie auch mit einem Bein im Grab noch immer voller Thrash-Metal-DNA sind. Grund genug, um mit Sänger Gerre ein paar Worte zu wechseln.

 

Von Andy Trepp

 

35 Jahre TANKARD, gratuliere erstmal für das Durchhaltevermögen. Lag das am Bier, oder weil ihr einfach die ganzen Jahre euer Ding durchgezogen habt?


Erstmal besten Dank für die Gratulation! Wir müssen uns auch erst dreimal schütteln, dass wir so lange durchgehalten haben. Am Bier lag es sicherlich nicht, hahahaha, wir haben einfach immer noch Spass an der Musik, haben uns durch nichts beirren lassen und allen Widerständen erfolgreich getrotzt.

 

Mit dem neuen Album "One Food In The Grave" veröffentlicht ihr nun schon das 17. Studio-Album, praktisch alle 2 Jahre eins, was für Fans natürlich sehr erfreulich ist, schliesslich gibt es Bands, die 8 Jahre brauchen, trotz eigener Studios. Habt ihr so viele Ideen, zu viel Zeit oder an was liegt das?


Es gibt da keinen festen Zeitplan bei uns, diesmal haben wir auch 3 Jahre gebraucht. Es ist schon immer ein ziemlicher Kraftaufwand, Songs zu komponieren und alles fürs Studio vorzubereiten, aber wir haben immer noch ein paar Ideen im Köcher.

 

Wie ich in einem australischen Interview gelesen habe, habt ihr sehr früh beschlossen, es nicht 100% als professionelle Musiker zu versuchen und weiter einer Arbeit nachzugehen, um nicht vom Musik-Business abhängig zu sein. Inzwischen haben ja einige von euch Familien, und die müssen ja auch versorgt werden. War die Entscheidung im Nachhinein richtig oder würdet ihr es anders machen, wenn ihr nochmals starten müsstet?


Im Nachhinein ist das immer schwierig zu beurteilen, aber so wie es ist, fahren wir ganz gut damit. Die Medaille hat immer 2 Seiten: Auf der einen Seite sind wir total unabhängig und frei mit dem, was wir machen, auf der anderen Seite können wir nur eine begrenzte Anzahl an Shows im Jahr spielen und leider nicht alle Angebote annehmen. Aber wir opfern fast unsere gesamte Freizeit für die Band und versuchen, so oft wie möglich präsent zu sein.

 

Wo wir gerade bei Australien waren: habt ihr konkrete Pläne, nochmals da aufzutreten und gibt es Länder, wo ihr noch nie wart und auf eurem Speise-Tour-Plan stehen?


Konkrete Pläne für Australien gibt es momentan nicht, dieses Jahr wird es uns aber zum ersten Mal nach Malaysia und Georgien verschlagen, worauf wir uns natürlich tierisch freuen. Auf der Landkarte gibt es aber noch so viel schwarze Flecken, da haben wir noch viel zu tun in den nächsten 35 Jahren...

 

In den letzten 10 Jahren haben sich immer mehr Bands besonders auf Facebook konzentriert, um ihre Produkte, Touren etc. zu promoten und Fans zu gewinnen. Kürzlich hörte ich einen deutschen Song im Radio mit dem Text " Wir haben viele Likes, aber keine Fans", das hat es ziemlich auf den Punkt gebracht, da heute viele kleine Bands meinen, Likes seien dasselbe wie Fans. Veröffentlichen sie dann eine CD, kaufen vielleicht 10% ihr Produkt. Hat Facebook euch genützt oder waren die alten Plattformen wie die ursprüngliche ‘My Space’-Version etc. besser?


Ich persönlich habe kein Facebook, da habe ich einfach die Zeit nicht dazu, aber das ist momentan schon das wichtigste Medium für Bands, gerade auch, um mit den Fans zu kommunizieren. Trotzdem gucke ich mir eigentlich lieber eine Webseite einer Band an, um an Infos zu gelangen.

 

Nach 3 Alben mit Produzent Michael Mainx habt ihr beim neuen Album "One Foot In The Grave" mit Martin Buchwalter auf einen neuen Produzenten gesetzt. Hat das euch einen Arschtritt gegeben, um wieder ein Top-Album rauszuhauen, also neue Energie, wenn wir es mal so sagen wollen?


Wir waren sehr zufrieden mit der Arbeit von Michael Mainx. Die letzten drei Alben waren aus unserer Sicht auch super produziert. Aber wie das im Musikgeschäft halt so ist: der Produzent, der am meisten Geld bietet, um mit so einer geilen Band wie uns zu arbeiten, der bekommt den Zuschlag haha... Spass bei Seite, wir wollten einfach mal wieder was Neues ausprobieren. Wir kennen Martin Buchwalter schon sehr lange und es freut uns sehr, dass es dieses Mal geklappt hat. Er hat einen genialen Job abgeliefert, die Produktion ist super geworden und wir haben echt konzentriert zusammengearbeitet!

 

Ihr spielt dieses Jahr nach 16 Jahren wieder einmal am Wacken-Festival auf dem W.E.T.-Stage, eure Vorband ist quasi Steve Harris, Bassist von IRON MAIDEN mit seinem Nebenprojekt ‘British Lion’. Es hat sich Vieles getan dort und es wurde extra für euch eine Bier-Pipeline verlegt..grins.... Ist das euer musikalischer Höhepunkt dieses Jahr und was können die Fans dort von euch erwarten?

 

Also musikalischen Höhepunkt würde ich das nicht bezeichnen, aber wir freuen uns natürlich total, dass es nach so langer Zeit endlich mal wieder mit Wacken geklappt hat. Die Fans können ehrlichen Thrash-Metal ohne grossen Schnickschnack erwarten, wir hoffen, dass wir zusammen mit den Fans ne geile Party feiern können!

 

Momentan tummeln sich wöchentlich NUCLEAR-RECORDS-BANDS weltweit in den vorderen Hitparadenplätzen, natürlich liegt das auch daran, dass die Kult-Pop-Clowns praktisch in der Versenkung verschwunden sind und keine grossen Pop-Götter mehr erschaffen werden. Verkauft ihr heutzutage mehr durch diese Umstände oder sind die Chartplatzierungen nur durch die oben genannten Gründe entstanden?


Die Chartplatzierungen haben damit etwas zu tun, dass Metalfans sehr konservative und treue Fans sind, die sich noch physikalische Tonträger kaufen. Heutzutage verkauft man einen Bruchteil von dem, was man in den Achtzigern oder Anfang der Neunziger verkauft hat, eigentlich lohnt es sich finanziell echt nicht mehr, neue Platten rauszubringen, deswegen werden auch die Eintrittspreise für Konzerte immer teurer!

 

Ihr seid jetzt alle um die 50, also alte Säcke, wie die Jungen sagen würden. Ich bin auch gerade erst 55 geworden, trotzdem fühle ich mich immer noch so wie mit 30. Werden Metaller weniger schnell alt, da sich viele nie richtig erwachsen fühlen oder werden wollen?  


Metal und Bier konservieren ...hahahaha... Ich würde mal behaupten, dass wir schon viel zu alt sind, um uns aus unserer Jugend zu verabschieden, von daher werden wir auch nicht wirklich älter!

 

Auf eurer Homepage habt ihr eure Song-Lyrics sauber nach Alphabet aufgelistet, zwar nur von Songs bis 2008 und viele Texte sind so klein geschrieben in den Booklets, dass man sie auch weglassen könnte! Zudem wird der Text noch undeutlicher durch die Hintergründe. Ich persönlich finde es schade, dass Bands ihre Lyrics nicht automatisch auf ihre Homepages setzen, schliesslich wollen viele sich ja thematisch mitteilen. Warum habt ihr aufgehört, sie zu veröffentlichen?


Unsere Homepage wird gerade komplett überarbeitet, da muss ich dann auch endlich mal diverse Texte nachliefern, besten Dank für den Hinweis!

 

Ihr habt auch eine Bilder-Galerie von Fans, die sich TANKARD-Sachen tättowieren liessen, habt ihr auch welche von einer Lieblingsband oder sogar von TANKARD? 


Ich habe das Alien-Cover auf meinem rechten Arm tättowiert, Andi und Frank sind diesbezüglich jungfräulich und Olaf hat sich, glaube ich, seit 20 Jahren nicht mehr tättowieren lassen.

 

Unter dem Banner TANKWART habt ihr bisher 2 Cover-Alben veröffentlicht mit bekannten Hitparaden-Hits aus den 80er und 90er. Ist sowas wieder mal in Planung? Songs gäbe es ja zur Genüge, oder wie wärs mal mit einem Album voller Songs von toten Künstlern, wie Lemmy, Bon Scott etc.?


Diesbezüglich gibt es unsererseits überhaupt keine Pläne, aber vielleicht wache ich eines Morgens auf und habe die Idee meines Lebens, man sollte niemals nie sagen....

 

Kommen wir zum Schluss: ihr seid ja bekannt dafür, dass ihr oft sehr humorvolle Texte schreibt. Die meisten Bands haben ja eher negative Texte. Braucht es nicht endlich mehr Bands, die Spass verbreiten statt nur Negatives, womit wir täglich ja schon übermässig konfrontiert werden?


Wir haben bisher auf allen Alben eine gute Mischung aus ernsten und spassigen Songs – und so ist es auch auf dem neuen Album. Bisher lag der Fokus der Presse und der Fans meist eher auf den spassigen Nummern, dieses Mal fallen die ernsten Themen einfach mehr auf. Das liegt vor allem an der krassen Zeit, in der wir im Moment leben. Wenn man sich die Nachrichten ansieht, muss man sich schon fragen, was los ist mit der Welt, ausserdem kann einem echt Angst und Bange werden. Und da es vielen Leuten so geht, fallen auch unsere ernsten Texte einfach mehr auf als sonst. Wir hatten allerdings schon immer aktuelle und ernste Texte auf unseren Alben. Nichtsdestotrotz bleibt es dabei: Bei Tankard steht eher der Spass im Vordergrund und das wird auch so bleiben!

Zum Schluss gab uns Gerre noch seine aktuellen ‘Top 5’-Alben!

Momentane ‘Top 5’-Alben:
- Sacred Steel: Heavy Metal Sacrifize

- Havok: Conformicide

- Harlott: Extinction

- Face Down Hero: False Evidence Appearing Real

- Overkill: The grinding wheel

 


 

 WENN EIN GEHEIMTIPP NOCH VIEL MEHR HÄLT, ALS ER VERSPRICHT!!

 

Als vielgereister und vielbeschäftigter Gentleman von Welt hat der Australier Tom Sutton so einige interessante Anekdoten aus seinem Leben zu erzählen. Nach seinem Gastspiel in Japan bei CHURCH OF MISERY ist er jetzt in Diensten von NIGHT VIPER und THE ORDER OF ISRAFEL und hat seine Zelte nun in Schweden aufgeschlagen. So einen interessanten und supersympathischen Metaller hat man nicht alle Tage vor dem Mikrofon, deshalb ab zu den kniffligen Fragen und den spannenden Antworten von Tom.

 

Von Rolf Fischbacher

 

Nach intensiver Recherche in sämtlichen Tierbüchern bin ich auf keine Schlange namens NIGHT VIPER gestossen, oder kennt man diese eventuell nur in Australien? Tierexperte Tom fachkundig: «Es gibt tatsächlich keine Schlange, die auf den Namen NIGHT VIPER hört, auch nicht in Australien! Dieser Name ist unserer Fantasie entsprungen und es tönt einfach genial, wenn die Headbanger ihn im Chor vereint laut herausbrüllen! NIGHT VIPER, NIGHT VIPER, NIGHT VIPER!! Das klingt einfach nur geil! Diesen Namen kann man sich auch gut merken und ist viel einfacher auszusprechen als der Name meiner anderen Band THE ORDER OF ISRAFEL!»

 

Woher kommt die Faszination für Schlangen, denen ein sehr schlechter Ruf vorauseilt? Tom überlegt kurz und äussert sich dann: «Eigentlich habe ich weder eine spezielle Vorliebe für Schlangen noch ein Tattoo einer solchen auf meinem Körper! Aber es stimmt schon, die Schlangen sind omnipräsent auf unseren Shirts, in unserem Namen und auch auf Patches von uns! Aber so gefährlich sind sie nun auch wieder nicht und ich als Australier muss es ja wissen. Ich habe schon von Leuten gehört, dass sie gerne mal Australien besuchen würden, aber aufgrund der gefährlichen Schlangen zu Hause bleiben! Dabei sind die Australier viel gefährlicher als alle giftigen Tiere zusammen!»

 

Mit nur einem Album im Gepäck auf Headliner-Tour zu gehen ist betreffend der Songauswahl sicher nicht gerade einfach, oder? Tom zustimmend: «Ja, das gestaltet sich wirklich nicht einfach. Es ist interessant, dass du diese Frage stellst, denn bis vor kurzem haben wir vor allem Support-Shows gespielt. Diese Shows sind dann sehr schnell und eher von kurzer Dauer, was uns als Band sehr entgegenkommt! In Deutschland haben wir schon von Fans die Reaktion bekommen: geile Show, aber leider auch sehr kurz! In Schweden spielt die Show-Dauer keine Rolle, denn die Leute lieben kurze und intensive Shows! Wir können es kaum erwarten, wenn wir auch die Songs vom zweiten Album zur Verfügung haben! So spielen wir schon jetzt auf dieser Tour vier Songs vom neuen Album!»

 

Das erste Album NIGHT VIPER war schon eine Sensation! Ist der Druck für NIGHT VIPER nicht gewaltig für das zweite Album? Ein sichtlich entspannter Tom dazu: «Ich bin auch nach wie vor sehr zufrieden mit unserem ersten Album, auch wenn beim Sound, der mir jetzt zu sehr retro ist, noch Luft nach oben ist! Beim zweiten Album soll es thrashiger klingen und die Gitarren sollen auch aggressiver rüberkommen! Beim zweiten Album wird man dann natürlich auch die Fortschritte hören, die wir als ganze Band gemacht haben und wie wir noch mehr zusammengewachsen sind! Die Vorarbeiten für ein geniales zweites Album sind bereits abgeschlossen, und wir sind vom Ergebnis sehr überzeugt!»

 

Wie das erhabene Gefühl sei, mit zwei bezaubernden Damen in einer Band zu spielen, wollte ich von Tom aus erster Hand wissen? Tom sichtlich entzückt: «Ich liebe es, mit diesen beiden Damen in einer Band zu spielen! Und eigentlich sind wir eine Frauenband mit Männerbegleitung! In Australien war das früher ganz anders und es hatte praktisch keine Frauen in Bands und an Shows! Deshalb geniesse ich es umso mehr, mit Frauen in ein und derselben Band zusammen zu spielen! Und Jonna und Sofie-Lee beweisen jeden Tag, wie sehr sie Heavy Metal leben und diesen auch ausgezeichnet spielen können!»

 

Aber in dem von Männer dominierten Umfeld des Heavy Metals ist es sicher kein Nachteil, eine attraktive Sängerin in seinen Reihen zu haben? «Natürlich ist es gut, wenn man sich auf der Bühne von seiner besten Seite zeigen kann, aber das gilt für die ganze Band! Und Sofie-Lee wie auch Jonna sind in erster Linie geniale Musikerinnen, da spielt das Geschlecht überhaupt keine Rolle!» so Tom zur ultimativen Geschlechterfrage. Genau für diese Art von Metal, wie NIGHT VIPER ihn spielt, scheint momentan Schweden das Paradies auf Erden zu sein.

 

Was aber macht Schweden zum Epi-Zentrum des Classic-Heavy-Metals? Da kann Tom mit seiner speziellen Theorie aufwarten: «Ich stütze mich auf der wissenschaftlich unbewiesenen Schlecht-Wetter-Theorie ab! In Australien, wo das Wetter zum Baden an den Beach einlädt, gibt es weit weniger Musiker und Bands, die sich in Bandräume zum Proben zurückziehen! In Schweden und ganz Skandinavien aber ist das Wetter grösstenteils eher von der schlechten und miesen Sorte! Das treibt die Leute in die Bandräume und lässt Tausende von Bands aus dem Boden spriessen! Als ich aber mit CHURCH OF MISERY in Florida spielte, kam meine Schlecht-Wetter-Theorie gewaltig in Schieflage, bei dem Wetter, das in Florida herrscht! Also ist meine Theorie doch an den Haaren herbeigezogen? Nein, wie mich ein Typ aufklärte: In Florida ist das Wetter ganz einfach viel zu heiss, deshalb verkriechen sich die Leute in die klimagekühlten Bandräume und proben, was das Zeug hält! Meine Theorie funktioniert also doch, und vielleicht sollte ich mal ein Buch darüber schreiben! Viele Leute denken, dass der Hauptgrund für die vielen Bands die staatliche Unterstützung sei. Das würde aber nur die Anzahl der Bands, nicht aber die Qualität dieser Bands erklären!»

 

NIGHT VIPER kommen aus Göteborg und mich interessiert, ob es Unterschiede zwischen den Szenen in Göteborg und Stockholm gibt? Tom dazu: «In Göteborg ist es einfacher, mit einer Band unterwegs zu sein, weil es viel mehr Auftrittsmöglichkeiten gibt. In Stockholm gibt es kleine Auftrittsorte für 100 Leute und dann folgen schon Hallen für 700 Leute. Dazwischen gibt es leider nichts. In Göteborg gibt es aber auch Auftrittsorte dazwischen, was für unsere Band super ist! Wir sind auch von vielen genialen Bands umgeben, was uns immer wieder zu Bestleistungen antreibt!»

 

Ob der Trend mit dem Classic-Heavy-Metal nur von kurzer Dauer sei, wollte ich von Tom wissen? Tom überzeugt: «Ich glaube definitiv ja! Es sind ja schon so viele Trends in den letzten 40 Jahren gekommen und auch wieder gegangen! Der Vorteil an dieser Situation ist, dass man als Band aus den vielen Stilen der letzten 40 Jahre Metal-Geschichte auswählen kann, und es wird sich immer jemand finden, dem die Musik dann auch gefällt!»

 

Was aber unterscheidet NIGHT VIPER von der Vielzahl von anderen Bands und macht so NIGHT VIPER ganz speziell? Tom ganz ehrlich dazu: «Als wir mit NIGHT VIPER starteten, wussten wir nicht genau, wohin die Reise gehen sollte, und wir hatten auch keine Bands im Auge, in deren Richtung wir gehen wollten. Und so ist unser Sound natürlich zu etwas ganz Eigenem gewachsen und tönt so einzigartig!»

 

Bei Tom handelt es sich, wie eingangs schon erwähnt, um einen vielbeschäftigten Mann, der auf verschiedenen Hochzeiten gleichzeitig tanzt. Wie schwierig ist es für Tom, die verschiedenen Bands unter einen Hut zu bringen? Tom meint nachdenklich dazu: «Das ist mit Abstand der schwierigste Teil meines Musikerdaseins der letzten Jahre! Schweren Herzens musste ich aus diesem Grund auch bei HORISONT, bei denen ich sehr gerne gespielt habe, aussteigen! Aber auch mit nur zwei Bands gestaltet sich die Terminkoordination nicht immer einfach, aber es ist gerade noch im Bereich des Machbaren!»

 

Was und wer sind die Haupteinflüsse von NIGHT VIPER? Der gestandene Thrasher Tom kommt direkt zum Punkt: «Meine Haupteinflüsse, die man auch auf unserem Debüt-Album heraushören kann, sind KILL`EM ALL von METALLICA und SHOW NO MERCY von SLAYER! Diese Art von THRASH inspiriert mich sehr! Sofie-Lee liebt Jinx Dawson von COVEN und ist von ihr auch sehr inspiriert! Ich bin wirklich von METALLICA besessen, was auf Sofie-Lee gar nicht zu trifft, die aber mit ABBA sehr vertraut ist, wie so ziemlich alle Schweden! Mir gefallen da ENTOMBED besser, die ja auch aus Schweden kommen!»

 

Wie wichtig die Texte im Gesamtkonzept für NIGHT VIPER sind und wer diese schreibt, beantwortet Tom wie folgt: «Sofie-Lee schreibt die Texte, die für uns sehr wichtig sind! Die Texte auf dem ersten Album waren von sehr persönlicher Natur und mehr eine Geschichte als eine spezielle Message! Wir sind aber auch eine politische Band, die sich für Frauenrechte und gegen das Establishment einsetzt! Über die Texte zum zweiten Album kann ich leider noch nichts sagen, weil Sofie-Lee mir die Texte noch verheimlicht!»

 

NIGHT VIPER haben, anschliessend an dieses Interview, eine begeisternde Clubshow im Coq d'Or in Olten gespielt (Fr. 10.03.2017) und jeder Metaller, der nicht anwesend war, hat definitiv etwas verpasst! Ich bin mir sicher, dass NIGHT VIPER mit ihrem zweiten Album wie eine Rakete abgehen werden! Viel Erfolg wünsche ich dem sympathischen Tom und NIGHT VIPER und hoffentlich bis bald wieder live on stage!!!


WIE PROFESSIONELL WIRKLICH GEHT UND WENN MAN MERKT, DASS MAN ES MIT EINEM RICHTIGEN PROFI ZU TUN HAT...

 

Von Rolf Fischbacher


Ein wirklich angenehmes und interessantes Gespräch durfte ich mit Anders Friden, Frontmann von IN FLAMES, führen. Man merkt ihm an, dass er nicht erst seit gestern in diesem Business tätig ist und sich den Umgang mit der Presse mehr als gewohnt ist. So stillte er mir also in 25 Minuten meinen ganzen Wissensdurst!

Zuerst wollte ich wissen, ob so ein Interview-Marathon ein notwendiges Übel für ihn sei? «Es ist ein Geben und ein Nehmen zwischen IN FLAMES und der Presse, denn wir brauchen euch und ihr braucht uns! Aber natürlich macht es schon mehr Spass, Musik zu machen und neue Songs zu kreieren, das ist ja auch unser Hauptjob!» so ein ganz ehrlicher Anders.

 

Der Titel des neuen Machwerkes lautet «Battle». Welche Schlachten sind da genau gemeint? Anders dazu: «Der Titel hat nichts mit Kriegen an sich zu tun, sondern mit den täglichen Schlachten auf persönlicher Ebene! Wir haben solche Schlachten täglich zu bestehen, beginnend mit dem Tag unserer Geburt und das zieht sich bis zu dem Tag, an dem unser letztes Stündchen schlägt, wie ein roter Faden durch unser Leben. Von diesen Geschichten kann man aber auch immer wieder etwas lernen und für die Zukunft davon profitieren! Wenn unser Leben nur wie eine Autobahn wäre, dann könnten wir all diese Erfahrungen gar nicht sammeln! Aus diesen Schlachten können wir dann gestärkt hervorgehen!»

 

Liebliche Stimmen von jungfräulichen Elfen sind als Stilmittel auf «Battle» allgegenwärtig. Ist der Einsatz dieser lieblichen Stimmen als Kontrastmittel zwischen den Heavy-Riffs und den eher softeren Passagen gedacht? «In dem Song «The Truth» haben wir diese lieblichen Stimmen eingesetzt, weil Kinder als das Reinste und das Ehrlichste gelten. Wir sollten uns mehr an unsere Kindheit zurück erinnern, dann wäre diese Welt sicher ein lebenswerterer Platz als er jetzt ist! In anderen Songs sind die lieblichen Stimmen kein tragendes Element, sondern nur als Effekt gedacht. Eine gewisse Ähnlichkeit zu PINK FLOYDs «^The Wall» ist absolut gewollt, nur waren dort die Schüler gegen die Lehrer unterwegs, bei uns gegen die gesamte Gesellschaft!»

 

IN FAMES gehören zu den Bands, die sich immer und immer wieder neu erfinden. Ist das wie ein Muss, immer wieder etwas Neues zu kreieren? Dazu nimmt Anders wie folgt Stellung: «Ich weiss nicht, aber wir sind einfach so wie wir sind! Wir haben auch nicht den Anspruch, immer etwas Spezielles zu erfinden! Wir wollen ganz einfach nicht immer und immer wieder das gleiche Album aufnehmen! Unsere Alben sind wie ein Foto, nämlich immer eine Bestandsaufnahme von uns, die uns genauso zeigen, wie wir uns zu diesem Zeitpunkt fühlten!»

 

Die Version 2017 von IN FLAMES hat genauso viele Befürworter wie auch Leute, die nichts mehr mit IN FLAMES 2017 anfangen können. Anders analysiert diese Problematik: «Wir haben uns mit unserer Musik fortlaufend weiterentwickelt und da kann es natürlich schon Leute geben, denen unsere letzten Alben nicht mehr gefallen haben. Aber wir können niemanden zwingen, dass er unsere Musik mögen soll! Wenn wir aber positives Feedback zu unseren Alben bekommen, dann freut uns das natürlich sehr!»

 

Anders ist schon seit ein paar Tagen mit IN FLAMES in aller Welt unterwegs. Was sind für ihn die besten Dinge im Leben eines Musikers? «Ganz einfach: Dass wir genau tun können, was wir wollen! Meine Kinder sind mit einem Vater aufgewachsen, der als Sänger von IN FLAMES um die ganze Welt tourt, und sie sehen, wie glücklich mich dieser Job macht. Ich geniesse das Gefühl, auf den Bühnen dieser Welt zu stehen, nach wie vor sehr. Aber wenn dieses Gefühl nicht mehr da wäre, dann wäre es höchste Zeit, mit IN FLAMES aufzuhören!»

 

Ihrem eigenen Weg sind IN FLAMES schon immer gefolgt. Würden sie aus geschäftlichen Gründen auch Kompromisse eingehen? Anders ganz leidenschaftlich: «Wenn wir Songs komponieren, dann kommt das direkt vom Herzen aus und wir machen die Musik in erster Linie für uns und nach unserem Geschmack. Wenn sie sich dann gut verkauft, umso besser! Bei uns kommen geschäftliche Aspekte erst ins Spiel, wenn es zum Beispiel um die Finanzierung eines Videos oder einer Tour geht!»

 

Gibt es eine bestimmte Formel, dass IN FLAMES immer noch so erfolgreich sind? «Wir haben von Anfang an an uns geglaubt und sämtliche Entscheidungen immer selber getroffen.» Im letzten Jahr haben IN FLAMES mit «SOUNDS FROM THE HEART OF GOTHENBURG» bereits ihr drittes Live-Album veröffentlicht. Über den Sinn von Live-Alben klärt uns Anders wie folgt auf: «Wir wollten nach 2005 wieder einmal ein Live-Album herausbringen und da bot sich Göteborg mit der genialen Scandinavium-Halle bestens an! Es war zudem unser letzter Gig einer langen Tour, den wir so in gebührender Form für die Nachwelt konservieren konnten. Für alle Fans, die keine Gelegenheit gehabt haben, unsere Shows zu besuchen, haben sie so wenigstens die Möglichkeit, im heimischen Wohnzimmer das Spektakel auf Konserve zu geniessen!»  

 

Anders hat auf den Frühwerken von IN FLAMES noch kräftig gegrowlt, wie es sich auch für ein Death-Metal-Goldkehlchen gehört. Auf den neueren Alben hat er mit seinen Clean-Vocals immer wieder überrascht und gleichwohl geglänzt, sodass sogar ein Beitritt zu den Wiener Sängerknaben nur aus Altersgründen gescheitert ist. Mit gefasster Stimme meint Anders klar: «In den Anfangstagen wäre es für mich gar nicht möglich gewesen, mit solchen Clean-Vocals aufzufahren. Wie meine Bandkollegen an ihren Instrumenten immer besser geworden sind, so ist auch meine Stimme mit Disziplin und Training soweit gekommen, dass meine Clean-Vocals heute so klingen!»

 

Als Produzent hat sich Anders in der Szene einen guten Namen gemacht. Stehen irgendwelche Produktionen nach der Tour mit IN FLAMES an? «Nein, im Moment nicht, auch wenn einige Bands gerne von mir produziert werden würden. IN FLAMES besitzt meine ganze Aufmerksamkeit und dieser Job erfüllt mich zu 100%!» so der Produzent in Anders.

 

Und schon meldet sich die sympathische Anne von NUCLEAR BLAST zu Wort und verkündet, dass Anders noch anderweitige Interviewanfragen zu bewältigen habe und meine Zeit im wahrsten Sinne des Wortes abgelaufen sei. Dann freuen wir uns auf den 31.März 2017, wenn IN FLLAMES nach Zürich kommen, um mit «Battle» die Stadt zu besetzen und sie mit dem geilen Sound livehaftig zu beschallen.


ZWIESCHEN HIMMEL UND HÖLLE

Von Andy Trepp

 

RAINFORCE wurde von Andy La Morte als Projekt ins Leben gerufen. Nach einiger Zeit war die Band dann mit Bassist Matt Brand, auch bekannt von seiner Doom Metal Band Pÿlon, Benjamin Mann (Schlagzeug) und Jordan Cutaja komplett. Als ich das Album in meinen CD-Player steckte und horchte, was da auf mich zukam, nervte mich gleich beim ersten Song "Lion's Den" der sich ständig wiederholende Refrain extrem. Doch nachdem ich das Album mehrere Tage immer wieder anhörte, fing es an, mir zu gefallen. Auf dem Album sind einige Gastmusiker vertreten, darunter auch Rex Carroll von WHITECROSS, eine White-Metal-Band, die sicher viele kennen, da sie jeweils am White-Metal-Festival in Uster sind. Genug Gründe also, Mister Andy La Morte in die Zange zu nehmen.

Euer Cover ziert ein Löwenkopf, was warscheinlich zum ersten Song "Lion's Den" gehört. Was hat es denn auf sich mit der Löwengrube?
"Das Albumcover bezieht sich auf diese Bibelstelle im ersten Petrusbrief, wo es heisst, dass wir wachsam sein sollen, weil der Teufel umhergeht wie ein brüllender Löwe und nur darauf wartet, dass er jemanden verschlingen kann. Darum geht es auch im Song “Lion’s Den“. Der Teufel wird als “Lord of this world“ charakterisiert. Das ist nicht etwa die Erfindung von Black Sabbath, sondern stammt ebenfalls aus der Bibel. Unsere Wirklichkeit ist sozusagen sein “Spielfeld“, die Löwengrube. Und selbst wenn wir jetzt mal Jesus oder den Teufel aussen vor lassen, so fällt doch im Alltag auf, dass zum Beispiel der Umgangston zwischen uns Menschen immer mehr verroht, Werte zerfallen, Achtung und Respekt voreinander schwinden. Toleranz wird zwar gepredigt, aber nicht gelebt, und so weiter und so fort. Nenne es Haifischbecken, Schlangennest, Löwengrube, etc. Da scheint es mir wichtig, dass wir Menschen uns wieder Gedanken über persönliche Werte machen. Ich kann nur für mich sprechen, wenn ich sage, dass ich den Glauben an Jesus als solides Fundament und als Orientierung für meinen Alltag ansehe."


Ihr seit eine christliche Band. Ist es dann zwingend, dass man dan über Jesus und den Teufel etc. singt?
"Nein, das muss nicht zwingend sein. Allerdings singen ja ganz viele andere Bands auch über diese Themen, z.B. Powerwolf, Ghost & Co., halt einfach aus einer anderen Perspektive."


Auf der CD hat es einige Gastmusiker. Hattet ihr zu wenig Ideen, dass ihr zum Beispiel gleich 3 Solostücke von Gastmusiken drauf habt, oder ist das mehr Strategie, um euch bekannter zu machen?
"Nein, es gehörte von Anfang an zu meinem Konzept, verschiedenste Musiker auf dem Album zu vereinen. Ich habe Rainforce als Bandkonzept ins Leben gerufen mit dem Ziel, ein hart rockendes Album mit tiefgründigen Lyrics zu veröffentlichen. Dazu suchte ich mir eine Basisband und plante ein paar Specialguests ein, wobei ich mich primär auf Musiker fokussierte, mit denen ich in der Vergangenheit bereits gemeinsame Berührungspunkte hatte. Dass grad 3 Gitarristen Soli beigesteuert und 5 weitere Gastmusiker mitgemacht haben, damit hätte ich zu Beginn nun wirklich nicht gerechnet!
Natürlich bin ich nicht auf den Kopf gefallen und bin mir bewusst, dass der eine oder andere Gastbeitrag vielleicht auch nützlich sein kann. Ich denke, das ist eine Weisheit, die es so lange gibt, wie es das Musikbusiness gibt. Nur, das war nie meine Absicht. Ich bin vielmehr ein grosser Musikfan und für mich ist es das Grösste, unterschiedliche Musiker, deren Fähigkeiten mich teilweise seit vielen Jahren beeindrucken, auf einem Album vereinen zu können. Und dass dann das Endprodukt trotzdem so homogen klingt, finde ich auch nicht selbstverständlich.
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Ich habe noch nie von euch gehört, obwohl ich durch meine Arbeit ziemlich sehe, was so abgeht in der kleinen Schweiz. Mit 98 Likes sieht es nicht gerade aus, als hättet ihr eine Fanbase, wer soll die CD denn kaufen, oder ist sie mehr Promotion, um mehr Gigs zu bekommen?
"Ja, von Rainforce hat bis vor kurzem noch niemand was gehört. Obwohl wir Rainforcianer alle bereits längere Zeit in der Szene aktiv sind, so ist Rainforce doch ein taufrisches Projekt. Hätte ich unbedingt bekannt werden wollen, so hätte ich mich einer etablierten Band anschliessen müssen. Aber ich wollte viel lieber mein eigenes Projekt starten. Matt Brand (Bass, Producer) ist der Kopf der Schweizer Doom-Institution Pÿlon. Die sind dir oder den Lesern hier eventuell ein Begriff? Jordan Cutajar, unser Malteser, ist u.a. der Sänger von “Nomad Son“, welche europaweit schon etwas Aufmerksamkeit erlangt haben.
Als Rainforce müssen wir uns zuerst eine Fanbase erarbeiten. Viele heutige Bands spielen sich zuerst den Arsch ab und geben irgendwann ihr erstes Demo raus und können dafür auf eine starke Fanbase zählen. Wir gingen das halt andersrum an und lassen erstmal ein Album auf die Menschheit los. Zurzeit sind erst zwei Songs offiziell veröffentlicht: Unsere Videosingle “Feed Me“ (mit über 1‘500 Clicks auf YouTube auch nicht sooo schlecht), und die Ballade “Shine A Light“, welche auf einem Tribute-Sampler unseres amerikanischen Labels “Roxx Records“ veröffentlicht wurde.
"


Sind alle in der Band Christen? Und wenn ja: die katholische Kirche und das Rom-Imperium gehören zum grössten Verbrecher-Syndikat der Welt, seit Jahrhunderten. Bei der eigenen Papst-Bank war sogar vor Jahren ein CIA-Agent der Geschäftsführer. Religionen hatten immer schon den Nutzen, die Leute zu ihren Glaubens-Sklaven zu machen. Wie seht ihr das?
"Wir haben alle einen christlichen Background und leben unseren Glauben im Alltag. Zu deiner zweiten Frage: ich finde es wichtig, dass man “Christ sein“ und “Religion“ differenziert betrachtet. Die Aufgabe der “Kirche“, oder besser gesagt, einer christlichen Gemeinde, wird in der Bibel von Petrus, Paulus, und nicht zuletzt von Jesus selbst definiert und vorgelebt. Ich denke nicht, dass es Gott gefällt, was seine Schäfchen heute und in der Vergangenheit in seinem Namen so alles treiben.
Nur oft werde ich das Gefühl nicht los, dass “Kirche“, “Religion“ oder auch erlebte Enttäuschungen uns Menschen dazu verleiten, den christlichen Glauben pauschal zu verurteilen. Dabei wird das Wichtigste übersehen, nämlich dass man sich ganz individuell und persönlich mit Jesus und seinen Lehren auseinander setzen sollte. Nur (und jetzt schlage ich wieder einen Bogen zu Deiner Eingangsfrage), der Teufel sieht es nicht gerne, wenn sich ein Mensch plötzlich ernsthaft für Jesus interessiert.
"


Was ich nie verstanden habe sind Menschen, die an White-Metal Konzerte gehen und da die berühmte Teufelsgabel machen, Wie kann man gläubig sein und dann sowas?
"Vielleicht ist da was dran mit einer tieferen Bedeutung, vielleicht auch nicht. Das wissen andere Leute wohl besser als ich. Sicherlich ist es ein Szene- und Identifikations-Symbol, wie auch Surfer, Rapper, Gangs, etc. welche kennen. Im Rock-/Metal-Bereich heisst es halt “Teufelsgabel“ (oder Pommesgabel, oder wie auch immer). Wer sie wann, wo und wie oft verwendet, soll jeder für sich selber entscheiden. Dieses Symbol nicht zu verwenden macht niemanden automatisch zu einem besseren Menschen. Auf jemanden zu zeigen, der das Symbol verwendet, macht einen auch nicht zu einem Heiligen.
Spinnen wir die Story mit den Teufelshörnchen etwas weiter, dann könnte man sagen, dass es ein perfekt passendes Symbol für irdische Vergänglichkeit ist. Die Herrschaft des “Lord of this world“ ist nämlich nur beschränkt und – wie alles irdische – absolut vergänglich. Übrigens: genau dies versuchen wir auf der Rückseite der CD mit dem von Blitzen getroffenen Löwenschädel zu symbolisieren.
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Eure Texte im Booklet sind extrem klein geschrieben, dies ist leider bei vielen Bands der Fall. Kann man sie nicht gleich weglassen oder wenigstens die Texte auf euer Facebook-Profil stellen,?
"Hey, danke für den Hinweis, bzw. die gute Idee. Manchmal könnte man auch selber auf sowas kommen, haha! Das werde ich mir gerne merken, ich denke, das wär ’ne Idee zu unserem Album-Release-Tag. Quasi “powered by Swissattack“, hehe!!"

In der Schweiz tummeln sich die Bands zu hunderten im kleinen Schwimmbecken der Schweizer Musik-Szene, viele klagen über wenig Leute bei Konzerten. Als ich 2015/2016 jedes Weekend 2 Bands auftreten liess in Zürich, sagte ich vielen, wie wichtig die Gratis-Metal-Agendas sind, trotzdem bekommen wir keine 10% Daten von den Bands, die damals auftratten. Die Schweiz hat ein extremes Ego-Problem, jeder, der eine Band hat, denkt gleich, er sei ein Rockstar. Das klappt villeicht bei ein par Mösen, doch langfristig sieht man, wie die Bands jahrelang stagnieren. Wie wollt ihr in diesem Haifischbecken auffallen?
"Naja, um mich als Rockstar zu fühlen, brauch ich nicht mal eine Band, haha. Nein, Spass bei Seite: Was Du ansprichst, davon könnte sicher auch unser Basser Matt ein Liedchen singen. Als er mit seinem Label Quam Libet Records noch aktiver war, hat er ebenfalls sehr viel in junge Schweizer Bands investiert und ihnen u.a. mit der Heavy-Metal-Nation-Samplerreihe eine Plattform geboten. Und irgendwie habe ich das Gefühl, deine Worte in ähnlicher Form von ihm auch schon gehört zu haben!
Ich konnte in der Vergangenheit gewisse Erfahrungen in diesem Haifischbecken (Löwengrube, haha?) sammeln und ich muss gestehen, dass ich nicht mehr unbedingt und in allen Belangen ein Mitschwimmer sein muss. Weil ich Rainforce als Projekt konzipiert habe, kann ich mal zuwarten, wie sich die Dinge entwickeln, wie gross das Interesse an unserem Album, an unseren Songs wirklich ist, ob uns jemand live sehen möchte, etc. und dann mit meinen Rainforce-Kumpels die nächsten Schritte planen.
Ich selber bemühe mich, mit meinem Gegenüber fair und offen zu kommunizieren, egal wer das ist oder welches Thema betroffen ist. Das hat für mich etwas mit Respekt, Anstand und Charakter zu tun. Vielleicht ist das auch ein Grund, wieso so viele verschiedene Musiker einem Szene-Nobody wie mir vertrauen und für Rainforce einen Gastbeitrag geleistet haben. Auffallen tun wir vielleicht auch aufgrund unserer christlich geprägten Texte. Das unterscheidet uns doch von einem Grossteil anderer Bands. Viele empfinden eine christliche Haltung auch als Provokation... et voilà: schon sind wir bei einem der Grundpfeiler der Rockmusik gelandet!"


Wir haben aufgehört, CD-Reviews zu machen, da die grossen Plattenfirmen nur noch Downloadlinks verschicken, und die CH-Bands das Review eh nur auf ihren Seiten veröffentlichen, wenn es top ist. Ist es schlecht, boykottieren sich dich und reden schlecht über dich. Es gibt sogar Bands, die wollten ihre CD nur dann zusenden, wenn eine Top-Bewertung garantiert ist oder wollten 20..- Solche Bands haben null Respekt vor Leuten, die mehr gemacht haben als alle kleinen Bands zusammen für die CH-Szene! Mit welchen Augen seht ihr unsere Szene?
"Also ich finde, wenn du als Band etwas veröffentlichst und breit streust, solltest du damit rechnen, dass dein Produkt vielleicht nicht allen gefällt. Wenn du nicht damit umgehen kannst, dann verteil deine CD an deine Kollegen, die sowieso mit dir im Proberaum rumhängen oder schenk sie deiner Oma, aber schick sie nicht an Swissattack und Konsorten, haha! Ich denke, du weisst was ich meine!
Was ich persönlich sehr schätze ist, wenn sich jemand mit unserer Mucke oder auch unseren Texten wirklich auseinandersetzt, kritisch hinterfragt, etc. Das muss nicht heissen, dass dann alles positiv wahrgenommen wird, da kann ich auch mit Kritik umgehen. Aber als Künstler schätze ich es, wenn jemand sich mindestens die Zeit nimmt und sich mit meinem Werk befasst.
Ansonsten muss ich sagen, dass es der CH-Szene wohl so gut geht wie nie zuvor! Die Dichte an Auftrittsmöglichkeiten (Festivals und Clubs), an Studios, an Kleinstlabels und auch an technisch begabten Musikern in der Szene ist beträchtlich. Auch kann man die sozialen Medien zu seinen Zwecken klug nutzen. Ich denke, jede Band, welche sich auf das Wesentliche konzentriert und auch viel Durchhaltewillen aufbringt, hat in der Schweiz die Chance, durchaus etwas erreichen zu können. Für mich ein Paradebeispiel dafür sind meine Freunde von FreaKings (Thrashmetal aus dem Baselbiet). Ich mag mich noch an einen Auftritt von ihnen erinnern, an dem sie sich vor 0 – 2 Bangern den Arsch abspielten. Das ist jetzt ein paar Jährchen her. Sie blieben dran, zogen ihr Ding kompromisslos durch und vor allem: sie wurden immer besser! Und plötzlich schaute eine Nomination zur “Eigenproduktion des Monats“ im Rock Hard für ihr zweites Album “Gladiator“ heraus, und ihr aktuelles Album “Toxic End“ wird zu Recht von der Thrash-Szene abgefeiert. Also ich habe keine FreaKings-Aktien, aber finde sie in dem Zusammenhang positiv erwähnenswert. Wenn man sich jedoch zum Ziel nimmt, Rockstar zu werden oder in der Schweiz von der Musik leben zu wollen, so ist das definitiv der falsche Ansatz."

Zum Schluss, was wolltest du der Welt schon immer mal sagen: (Bitte nichts Christliches)
"D’Oh! (Zitat Homer Simpson)"


ALLE GUTE DINGE SIND DREI, AUCH WENN DER BANDNAMEN WECHSELT...?!

 

Von Rolf Fischbacher

 

Wenn es darum geht, den einheimischen Bands eine Plattform zu bieten, scheuen wir keine Kosten und Mühen und reisen sogar zum BigBen für dieses Interview! Nicht alleine, sondern im Doppelpack sind die Herren Voicedoctor (Vocals) und James Mean (Guitar) von FUELED BY FEAR zu diesem Interview erschienen. Ob sie wirklich gegenseitigen Beistand, aufgrund meiner kniffligen Fragen, gebraucht haben, das könnt ihr im nachfolgenden Text selber herausfinden!

 

Eine Band, die seit ihrer Gründung 2011 schon drei Mal den Namen von BLOODBOUND zu BLOOD WILL BOUND auf FUELED BY FEAR gewechselt hat, hat es sicher nicht gerade einfach, sich in den Köpfen der Fans festzusetzen, oder? «Beim zweiten Namen BLOOD WILL BOUND handelte es sich nur um eine kurzfristige Übergangslösung, die wir unserer Fanbase direkt über Facebook mitteilen konnten. So war der Übergang zu FUELED BY FEAR reibungslos und easy für uns und die Fans!» meldet sich Voicedoctor als Erster zu Wort und reicht galant das Wort unausgesprochen an James Mean weiter: «BLOODBOUND war eigentlich unser Lieblingsbandname, aber leider gibt es da so eine schwedische Powermetal-Band mit gleichem Namen. Wir hätten bei rechtlichen Streitereien sicherlich den Kürzeren gezogen! Ärgerlich war eigentlich nur, trotz intensiver Recherche, dass uns keine Band namens BLOODBOUND im Netz ausgespuckt worden ist! Der zweite Name BLOOD WILL BOUND hört sich wohl gut an, hat aber leider keine wirkliche Bedeutung! Für unser neues Album TWO BY EIGHT haben wir also einen endgültigen Schnitt gemacht und mit FUELED BY FEAR einen Neustart gewagt! Unser neuer Name hat auch kein Ablaufdatum, sondern wird uns bis zum bitteren Ende begleiten!!»

 

Das bereits mehrfach erwähnte Album TWO BY EIGHT enthält verschiedene Stilelemente, darunter auch Elemente aus der Metalcore-Ecke. Sprecht ihr so bewusst mehr Fans an, für die mit dieser Stilvielfalt sicher etwas dabei ist? James Mean antwortet: «Wir spielen ausschliesslich die Musik, die uns gefällt und es ist natürlich umso besser, wenn es vielen Leuten gefällt und ihnen auch soviel Spass wie uns macht!» und Voicedoctor ergänzt: «Wir haben durchwegs positives Feedback aus der Schweiz, Österreich und Deutschland bekommen und was auffällt ist, dass man uns nicht in eine beliebige Schublade stecken kann, was für uns zugleich das grösste Kompliment ist! So werden wir nicht als x-beliebige Kopie einer bekannten Band abgestempelt! In unserer Band hat jeder Einzelne verschiedene Einflüsse, was sich dann sehr positiv im Gesamtergebnis auswirkt! So wachsen wir als Band noch mehr und mit uns natürlich auch unsere Musik!»

 

Weil man FUELED BY FEAR nicht klar einem musikalischen Lager zuordnen kann, fallen sie ein wenig zwischen Stuhl und Bank. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil für FUELED BY FEAR? Voicedoctor meldet sich: «Es ist richtig, dass wir mit unserem Sound nicht 100% dieser oder jener Szene zugehörig sind! Mit unserer Stilvielfalt sprechen wir sogar Leute an, die nichts mit Metal oder Hardcore am Hut haben!» Auch James Mean möchte noch was sagen: «Das kann für uns auch eine Chance sein, denn so können wir uns stetig entwickeln, ohne auf irgendwelche Szenepolizisten achten zu müssen! Die Fans bekommen so immer wieder etwas Frisches und Neues von uns geboten! Wir sind auch ohne bestimmte Ziele ins Studio gegangen und so konnte sich unsere Musik richtig entwickeln und entfalten!»

 

Was es mit den Texten bei FUELED BY FEAR auf sich hat und ob sie eine spezielle Message rüberbringen wollen, wollte ich von den Jungs als nächstes wissen. «Nein, wir sind weder politisch noch religiös motiviert und das spiegelt sich so auch in unseren Texten wieder. Wir haben sehr wohl sozialkritische Texte und wir haben auch eine Message zu erzählen. Diese Message wird aber von uns an den Konzerten nicht zelebriert und wir wollen unsere Fans auch nicht bevormunden und ihnen sagen, was sie tun sollen und was nicht!» erklärt Voicedoctor sachlich. Heutzutage ist es wichtig für bestimmte Kreise, dass man sich als Band politisch korrekt verhält, um nicht im Fegefeuer zu enden!

 

Wieviel Politik verträgt es in der Musik von FUELED BY FEAR? Nochmals kommt Voicedoctor zu Wort: «Ich finde, dass Politik generell nichts in der Musik verloren hat! Musik soll ein Ort sein, an dem man den Kopf lüften kann und in Träumen schwelgen soll. Die alltäglichen Probleme sollten, während des Genusses geiler Musik, für diese Zeit mal auf der Strecke bleiben!»

 

Bei vielen Bands läuft heute alles in Eigenregie unter dem Motto DO IT YOURSELF. Ist das der einzige noch mögliche Weg, ein Album rauszubringen? «Wir hatten Angebote von Labels, die aber für uns Abzocke bedeutet hätten. Mit der Möglichkeit, im Studio unseres Bassisten aufzunehmen, haben wir natürlich keinen Kosten- und Zeitdruck. Viele Labels bezahlen nicht mal mehr einen Vorschuss für die Produktion, da stellt sich dann die Frage: Wofür braucht man noch ein Label?» führt James Mean aus und Voicedoctor vervollständigt: «Sich bei einem Label einzukaufen, das dann doch nichts für uns macht, nur um dann das Label zu subventionieren, kommt für uns nicht in Frage! Da investieren wir unser Geld lieber in gute Shows und Touren!»

 

Verkaufen FUELED BY FEAR noch CDs oder wird ihre Musik nur noch gedownloadet und gestreamt? Der Verkaufsverantwortliche James Mean zu dieser Problematik: «An den Shows verkaufen wir nach wie vor CDs und wir haben immer noch einige Freunde, die oldschool-mässig drauf sind und immer noch die CD in den Händen halten wollen. Auch in unserem Online-Shop verkaufen wir noch CDs, wenn auch in geringerer Menge als auch schon!»

 

Ist FUELED BY FEAR für die beiden ein reines Hobby oder würden die beiden für eine gute Tour alles Mögliche in die Wege leiten? «Wir hatten schon die Gelegenheit, für SEPULTURA und IN FLAMES zu eröffnen. Auch jetzt haben wir bereits einige Angebote vorliegen und wenn es stimmt, dann sind wir wieder ON THE ROAD AGAIN!» so James Mean, und auch Voicedoctor leistet seinen Beitrag zu diesem Thema: «Mit der Band ist es wie im Job, solange der Kick da ist ziehen wir unser Ding durch, und wir haben es miteinander so gut, dass da sicher noch einiges kommen wird. Wir sind immer noch musikverrückt und es ist unsere Passion Nummer 1!»

 

Die Schweizer Metal-Szene ist im Jahre 2017 reich an vielen sehr guten Bands, zu denen ganz sicher auch FUELED BY FEAR gehören! Ist da alles Gold was glänzt? James Mean bestätigt: «Es hat tatsächlich sehr viele geile Bands, die momentan unterwegs sind!» Voicedoctor merkt an: «Aufgrund der vielen Konzerte, die tagtäglich stattfinden und die Leute nicht unendlich viel Geld zur Verfügung haben, bleiben leider die lokalen Bands auf der Strecke. Die schlecht besuchten Konzerte sind dann Zeugnis dieser Aussage! Irgendwann werden aber die Tage der ganz grossen Bands gezählt sein und dann klafft ein Loch, weil die Nachwuchsbands in der Zwischenzeit nicht aufgebaut worden sind.»

 

Wie sehen die Promo-Aktionen für TWO BY EIGHT aus? «Die beste Werbung für ein Album sind immer gute Liveshows, und so haben wir bereits 2 bis 3 kleine Touren im Köcher, aber es ist noch nichts Konkretes dabei!» erklärt James Mean und erhält von Voicedoctor Unterstützung: «Wir haben gute Connections und kanalisieren jetzt die Tour-Angebote. Weil wir aber alle Vollzeit arbeiten, können wir nicht mal schnell für 3 Monate on tour gehen!»

 

Viel positives Feedback haben sich FUELED BY FEAR redlich verdient. Haben sie mit diesen Reaktionen gerechnet? «Bis jetzt haben wir wirklich überraschenderweise nur positives Feedback für TWO BY EIGHT erhalten!» so ein sichtlich zufriedener James Mean. Voicedoctor zeigt sich auch erstaunt: «Wir waren uns nicht sicher, ob das Album zu wenig hart sei und zu wenig Metal! Wider Erwarten sind die Reviews durchs Band hervorragend ausgefallen!»

 

Auf die Frage, was die Jungs anders machen würden, wenn sie am Rad der Zeit drehen könnten, antwortet James Mean spontan: «Wir würden von Anfang an einen vernünftigen Bandnamen suchen und auswählen!» Zum Schlussappell holt Voicedoctor aus: «Geht doch auch an die kleinen Shows und unterstützt auch die vielen Schweizer Bands unter dem Motto: SUPPORT YOUR LOCAL BAND!» 

 

Bei FUELED BY FEAR haben sich fünf Freunde zu einer Band zusammen gefunden und das hört man auch dem Resultat auf der CD TWO BY EIGHT sehr gut! Für mich sind FUELED BY FEAR schon jetzt eine der Entdeckungen 2017 und TWO BY EIGHT wird sich sicher in meiner TopTen 2017 wiederfinden! Von dieser Band wird man noch vieles hören und wer jetzt so richtig Bock bekommen hat: FUELED BY FEAR spielen am 25.März in der Niagara Lounge Bar in Dübendorf und am 28.April im WOOZ Club in Bülach. Danke an Voicedoctor und James Mean für das angenehme Gespräch!


KEIN MANN VON GROSSEN WORTEN!

Von Rolf Fischbacher

Wieviel Schmerz bringen BATTLE BEAST uns wirklich? Für viele Headbanger ist die Schmerzgrenze schon bei weitem überschritten….Ich konnte mit Eero (Bassist/Vocals) von BATTLE BEAST dieses Interview schriftlich per Mail führen. Dass das alles andere als eine gute Konstellation ist, hat sich auch hier leider wieder einmal bewahrheitet und die alte Weisheit, dass die Antworten sehr oberflächlich und spärlich zugleich ausfallen, wurde wieder einmal 100% bestätigt. Aber lest selber, was mir Eero alles Aufschlussreiches im Geheimen anvertraut hat…!!!
 
«BRINGER OF PAIN» ist das dritte Album zusammen mit Noora Louhimo. Noch nie war das Endresultat so gut! War das, weil dieses Mal die ganze Band aufs Songwriting Einfluss genommen hat?
"Vielleicht schon! Wir hatten ein sehr gutes Gefühl beim Songwriting und das Endresultat spricht ja für sich selbst!"
 
In meinen Augen wurde Noora auf den beiden letzten Alben nur als Ersatz von Nitte Valo wahrgenommen. Aber auf «BRINGER OF PAIN» kommt sie so richtig zur Geltung und gesanglich legt sie eine Spitzenleistung ab! Was ist der Grund für die Entwicklung von Noora?
"Sag’s du mir! Für mich war Noora schon immer der Kopf von BATTLE BEAST, und das schon, seit sie bei uns eingestiegen ist! Dass man sie auf dem neuen Album besser hört, liegt vor allem am Mixing. Vorher wurde Noora von den zu lauten Gitarren übertönt, und das wollten wir verhindern. Jetzt liegt das Hauptaugenmerk auf Nooras Gesang!"
 
Auf «BRINGER OF PAIN» ist die Mischung zwischen den zuckersüssen Melodien und den aggressiven Parts sehr ausgewogen. War es für BATTLE BEAST eine grosse Chance, sich als Songwriter zu beweisen, nach dem Ausstieg von Anton Kabanen (vorheriger Hauptsongwriter!)?
"Natürlich war es eine riesige Chance! Am Anfang waren wir alle gestresst über den Ausstieg von Anton! Als wir die ersten Demos fertig hatten, wussten wir, dass wir es mehr als drauf haben!"
 
Für was steht euer Titel «BRINGER OF PAIN»?
"Eigentlich ist das nur ein schlagkräftiger Titel, der aber zum Spirit und zur Band bestens passt!"
 
Wie viele Türen haben NIGHTWISH für euch geöffnet?
"Einige! Wir waren eine total unbekannte Band, als uns NIGHTWISH mit auf Tour nahmen! So konnten wir uns den europäischen Fans vorstellen!"
 
Die nächste Tour von euch ist eine Headliner-Tour. Was können wir von BATTLE BEAST livehaftig erwarten?
"Die besten BATTLE BEAST überhaupt! Wir sind mit unserer Bühnenproduktion Schritt für Schritt gewachsen. Diese Tour wird die aufregendste, die es je von BATTLE BEAST gegeben hat!"
 
Eure Musik ist traditioneller Heavy Metal, der mit sehr viel Keyboards enthärtet wird! Seid ihr so nicht zu soft für viele Metaller?
"Das ist mir egal, denn wir machen nur die Musik, die wir machen wollen und die uns gefällt! Wenn es den Leuten zu soft ist, dann sollen sie halt wieder SLAYER hören!"
 
Die Produktion fällt durch ihre Klasse auf. Wer war der Produzent?
"Janne Björkroth, unser Keyboarder."
 
Ist «DANCING WITH THE BEAST» euer Disco-Dance-Song?
"Ja, so etwas Ähnliches!"
Ganz schön selbstbewusst und von sich überzeugt, der Bursche! Hoffen wir mal, dass BRINGER OF PAIN wirklich der grosse Wurf von BATTLE BEAST sein wird, und das sie auf ihrer Headliner-Tour nur in vollen Hallen spielen werden!

ALCHEMIE IN REINKULTUR ODER WIE MAN VERSCHIEDENE METALLE IN GOLD VERWANDELT...


Written by Rolf Fischbacher

 

Diese wissenschaftliche Erklärung geben uns COMANIAC mit ihrem neuen Album «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» ab. Um nicht nur die chemischen Abläufe dieses Prozesses zu analysieren, sondern auch die vielen anderen anfallenden Fragen, stand mir Jonas (Vokills/Guitar) Red und Antwort. Als gelernter Chemielaborant hätten wir natürlich ein ausgiebiges Fachgespräch zum Thema Alchemie und Legierungen als solches führen können, aber für das ist hier kein Platz!! Mit seiner angenehmen und sympathischen Art wurde dieses Interview zu einem Hochgenuss und zu einer sehr kurzweiligen Angelegenheit, auch wenn die Fragen ihm mächtig auf den Zahn fühlten!

 

Bereits mit der ersten Frage lockte ich Jonas aus seiner Reserve, denn ich wollte von ihm wissen, welche Bedeutung der Titel «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» hat und wie die Anleitung zum Mauern einreissen aussieht? Jonas lachend: «Schon mal eine gute Frage zum Einstieg! «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» orientiert sich an den vielen Bedienungsanleitungen auf YOUTUBE, wie zum Beispiel: Wie nehme ich 10 Kilo in einem Tag ab und solchen Blödsinn, die einem für jedes Problem eine Lösung vorgaukeln! Mich stört das blinde Folgen solcher Anleitungen, ohne selber nachzudenken und kreativ zu werden. Diese Anleitungen sollten eigentlich etwas Gutes sein, aber sie zerstören das Selbstdenken und lassen so auch keine Kreativität mehr entstehen!» Um das Gespräch geschickt in eine politische Ecke zu lenken, wurde Jonas zu einem Statement gebeten, was er von Anarchie halten würde und ob diese auch funktionieren könnte? «Bei «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» geht es um selbstständiges, freies Denken und Handeln und darum, Limitierungen auszuweiten! Spontan könnte ich mir Anarchie als System nicht vorstellen, ohne es einmal 1:1 miterlebt zu haben!» so Jonas ganz politisch.

 

Den Bandnamen COMANIAC findet man so in keiner Textübersetzung. Was steckt genau hinter diesem Wortkonstrukt? «COMANIAC setzt sich aus Company und Maniac zusammen. Für uns übersetzt, heisst das die verrückte Truppe. Mein Augenmerk beim Bandnamen lag darauf, dass er mit C beginnt und das, weil wir die Erbschaft von bedeutenden Bands aus der Schweiz wie CELTIC FROST, CORONER und CATARACT, die auch mit C beginnen, so weiterführen möchten!» meint Jonas sehr geschichtsbewusst. Auf ihrem neuen Album sprechen COMANIAC auch diverse gesellschaftliche Probleme an, die diese schnelllebige Zeit so mit sich bringt und viele Leute aus dem System fallen, weil sie einfach diese Kadenz nicht mehr mitgehen können. Jonas meint dazu: «Ich finde, dass sich fortlaufend viele Dinge verändern und das schon seit einigen Jahrzehnten! Ich will aber auch nicht klar bestimmen, ob alle Veränderungen nur gut oder schlecht sind. Man muss gezwungenermassen lernen, mit diesen Veränderungen umzugehen und sie immer im Auge zu behalten, um nicht plötzlich negativ überrascht zu werden!» Auf den Titel «SELF CONTROL» angesprochen, ob die grosse Masse nicht lieber irgendeiner Sache oder einer komischen Idee wie Schafe nachlaufen möchte anstelle die Selbstkontrolle für ihr Handeln zu übernehmen, antwortet Jonas: «Einfacher ist das Nachlaufen sicher, aber das kann sicher nicht das Ziel sein! Viele Leute verlangen zum Glück noch nach Selbstkontrolle, und für sie ist es ein unverzichtbares und kostbares Gut zugleich! Man muss auch im täglichen Leben zum Teil eine Rolle spielen und den Leuten das geben, was sie von einem erwarten. Man kann leider nicht immer so sein wie man möchte, deshalb ist die Selbstkontrolle ein Stück Freiheit, das es zu verteidigen gilt!»

 

Seit Beginn der ersten Thrash-Welle gab es, wie im Wattmeer Ebbe und Flut, die amerikanische und die europäische Interpretation des Thrashmetals. Welche Interpretation haben COMANIAC für sich ausgesucht? Jonas mit Blick über den grossen Teich: «Die amerikanische Version hat uns immer mehr angesprochen und die amerikanischen Bands waren uns generell näher, das kann hier bedingungslos bestätigt werden, denn wie messerscharfe Riffs und melodische Soli zu einer Symbiose vereint werden kennt man vor allem von Bands wie MEGADETH und Konsorte. Die Blütezeit des Thrashmetals war so vor ca. 30 Jahren. Im Moment erlebt der Thrashmetal eine richtige Wiedergeburt mit den Releases der gestandenen Bands wie MEGADETH, ANTHRAX und OVERKILL, aber auch hungrigen Newcomern wie COMANIAC. Ursachenforschung mit Jonas: «Eine spannende Frage! In den letzten paar Jahren hat es einige qualitativ hochstehende Releases gegeben und Bands wie CORONER haben ein Comeback gegeben. Vielleicht ist es ein Zurückbesinnen auf die guten alten Zeiten, und jetzt in diesen unruhigen Zeiten passt Thrash als rebellischer Soundtrack zum Leben wie die Faust aufs Auge!»

 

Wie COMANIAC auf den gelobten Weg des Thrashmetals gefunden haben, wollte ich von Jonas wissen: «Das war keine bewusste Entscheidung für den Thrashmetal, denn wir sind nur unserem Gefühl für die Musik mit sehr viel Emotionen gefolgt und da hat sich der sehr emotionale Thrashmetal sehr angeboten und wir haben ihn uns mit Haut und Haaren einverleibt! Für uns ist Thrashmetal nicht einfach nur eine Musikrichtung sondern eine Lebenseinstellung!» klärt mich Jonas auf. Als Hauptsongwriter hat Jonas momentan, aufgrund der aktuellen weltweiten Ereignisse, sicher keine Mühe, geeignetes Textmaterial zu finden und so erzählt er mir: «Die Texte sind ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Musik und vor allem von sozialkritischer Natur! Ich denke auch, dass viele Fans sich die Mühe machen werden, mal im Booklet die Texte nachzulesen. Viele Themen kommen zwar nicht aus unseren Breitengraden, sind aber trotzdem brandaktuell! Wir haben keine politischen Texte, weil wir uns nicht als politische Band verstehen! Aber auch in der Schweiz gibt es einige Missstände, die es anzuprangern gilt!» Wie an andere Stelle schon erläutert wurde ist der Thrashmetal auch schon ein wenig in die Jahre gekommen, deshalb fällt es sicher schwer, neue, noch nie dagewesene Riffs zu kreieren, oder? Jonas meint gelassen: «Ich war kürzlich an einem Konzert zweier Coverbands von DEEP PURPLE und LED ZEPPELIN und dort ist mir aufgefallen, wieviel von unserer musikalischen DNA schon vor 40 Jahren existiert hat. Man könnte pauschal sagen, dass alles schon mal in irgendeiner Form da war! Wir haben aber den Anspruch an uns gestellt, nicht einfach nur zu kopieren, sondern Neues zu kreieren!  Wir machen das unter anderem auch mit unserem Sound, der nach 2017 und nicht nach 1985 tönt. Auch bringen wir unsere eigene Note mit ein, damit man schnell merkt: Da ist COMANIAC am Werk!»

 

Die Produktion von «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» fällt durch ihre Klasse auf! Wer war für die Produktion zuständig? «Kusi Hospenthal war der Produzent und zugleich fürs Mixing zuständig. Kusi ist ein toller Typ mit genialen Visionen und auch mit den modernsten Aufnahmetechniken vertraut. Deshalb gehen sämtliche Credits für die Produktion an Kusi Hospenthal!» so ein sichtlich zufriedener Jonas. So ein geiles Meisterwerk wie «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» nun mal ist muss natürlich auch der hungrigen Meute livehaftig näher gebracht werden. Jonas zu den anstehenden Liveaktivitäten: «Am 8. April haben wir die Release-Show im Flösserplatz in Aarau und danach sind noch einige Wochenend-Gigs in der Schweiz, Lichtenstein, Deutschland und Österreich geplant! Bezüglich einer Sommertour haben wir gerade drei Eisen im Feuer, die aber noch nicht genügend heiss sind, um sie fertig zu schmieden!» Was dem geübten Hörer sofort auffällt, ist das hohe Niveau, das COMANIAC trotz ihrem jugendlichen Alter vorweisen können. Jonas führt das aber vor allem auf Fleiss und Leidenschaft der Musiker zurück. Viele Bands arbeiten heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr mit Labels zusammen. COMANIAC gehen auch hier ihren eigenen Weg, denn sie sind bei SAOL/CMM GmbH für dieses Album unter Vertrag. Was bringt COMANIAC konkret diese Zusammenarbeit? «Unser Debut-Album haben wir independent herausgebracht und so viele Erfahrungen gesammelt. Diese Zusammenarbeit mit SAOL ist jetzt der nächste Schritt. SAOL ist ein deutsches Label mit ausgezeichneten Connections und wir haben einen sehr guten Draht zu diesen Leuten. Wir haben keinen längerfristigen Vertrag abgeschlossen, sondern nur für das «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION»-Album. Wir erhoffen uns, die guten Connections unseres Label für gute Live-Gigs und Touren zu nützen!» Und so neigt sich dieses Interview auch schon dem Ende zu! Ich wünsche Jonas und COMANIAC, dass «INSTRUCTION FOR DESTRUCTION» wie eine Bombe einschlagen wird, denn das haben diese jungen Wilden sich redlich verdient!!!

Instruction For Destruction (2017)

Return To The Wasteland (2015)

Tumor Troop

(2013)

Cowshed Demo

(2012)



1000 SPEEDMETAL-RIFFS AUS DEM LAND DER 1000 SEEN!
Von Rolf Fischbacher
Im kleinen, aber feinen Coq d’Or fand das Hammerkonzert der finnischen Speedmetal-Kings von RANGER statt. Vor dem Konzertvergnügen aber war für mich noch harte Arbeit in Form dieses Interviews angesagt. Miko, Schlagzeuger von RANGER, stand mir Rede und Antwort. Mit seinen witzigen Antworten veredelte er meine Fragen zu purem Gold!

RANGER befinden sich zum ersten Mal auf Tour in der Schweiz und so fragte ich nach den prägenden und bleibenden Eindrücken der Schweiz. Mit dem Bierhumpen in der Rechten meinte Miko gelassen: «Überall Berge und Alpen wohin das Auge reicht, der Backstage-Bereich ist überall ähnlich, aber das Bier ist von Land zu Land verschieden! Das Bier aus der Schweiz ist sehr gut und wesentlich besser als das Bier in Finnland!»

 

Sicher im Geschmack und von den Kosten her ganz zu schweigen!! Was mir sofort aufgefallen ist: RANGER sind allein auf dieser Tour unterwegs und haben jeweils einen lokalen Supporting-Act. Ist das vor allem wegen der Kosten? «Es ist natürlich wesentlich günstiger, nur mit einem Van unterwegs zu sein, aber irgendwann würden wir schon gerne in einem Nightliner bequem durch die Welt reisen! Auf dieser Tour hat es nur für die Band, den Soundmann, den Merchandiser und den Busdriver Platz im Van!» so Miko, der auch noch ab und zu den Van lenkt, zur aktuellen Transportsituation. Ob es schwierig sei, im Speedmetal neue Impulse einfliessen zu lassen und sich immer wieder neu zu erfinden, wollte ich von Miko wissen: «Jeder neue Song, den ich schreibe, unterscheidet sich von den anderen Songs. Auch wenn der Sound ähnlich tönt, unterscheidet sich doch jeder Song vom anderen auf seine Art. Auch ist nicht jedes AC/DC-Album genau gleich, sondern auch bei ihnen unterscheiden sich die Songs voneinander, wenn auch nur minimal! Und lass uns mal sehen, wohin die Reise mit RANGER auf dem nächsten Album geht. Auf dem SPEED AND VIOLENCE-Album haben wir das erste Mal akustische Gitarren eingesetzt, wenn auch nur in einem Song!»

 

Wenn ein neuer Song von RANGER entsteht, was kommt zuerst: Die Texte oder die Musik? «Ich habe die meisten Songs von RANGER geschrieben und eigentlich kommt bei mir immer die Musik zuerst. Und dann kommt Dimi, unser Sänger, mit den Texten zum Zuge!» erklärt Haupt-Songwriter Miko. Sind die Message und die Texte wichtig für RANGER? «Für mich ist der Gesang wie ein zusätzliches Instrument und unsere Texte handeln von typischen Metal-Themen. Aber unsere generelle Message ist ganz einfach: SPEED AND VIOLENCE! Vielleicht rufen wir später noch alle Headbanger zur Heavy Metal Revolution auf!» propagiert Miko lauthals. Nach den Zukunftsplänen von RANGER gefragt, meint Miko mit Augenzwinkern: «Wir wollen als Band noch viel grösser und noch viel besser werden! Und ganz, ganz viel Kohle machen, das steht zuoberst auf unsere Pendenzenliste! Mit genug Kohle können wir uns dann einen Helikopter kaufen, was das Reisen noch viel bequemer machen würde!»

 

Diese Chance habe ich natürlich gerade beim Schopf gepackt und mit Miko das nächste Interview im Helikopter vereinbart!! Nach der Bedeutung des Bandnamens RANGER ausgefragt, antwortet Miko ohne Umschweife: «Ein Ranger bedeutet für uns, ein unaufhaltbarer Soldat zu sein, denn uns kann auch nichts und niemand stoppen und wir gehen unseren Weg, notfalls auch über sämtliche Hindernisse hinweg! Wie richtige finnische Heavy-Metal-Soldaten, die sich ihren Weg durchs Schlachtfeld bahnen!» Welches das grössere Highlight für ihn sei, im Studio ein Album aufzunehmen oder live die Bühne zu rocken? «Live zu spielen ist für mich der höchste Genuss und genau aus diesem Grunde bin ich Musiker geworden!» antwortet Miko wie aus der Pistole geschossen. So hake ich nach und will wissen, was das Geilste am Musikerleben sei? «Die regulären Arbeiten zu vermeiden sowie dem normalen Leben aus dem Weg zu gehen! Aber weil die Musik noch zu wenig abwirft, um nur davon leben zu können, arbeite ich noch als Motorradmechaniker. Wir alle in der Band haben aber coole Chefs, die uns jederzeit frei geben, wenn eine Tour ansteht. Für uns steht die Musik und die Band absolut im Mittelpunkt und an erster Stelle!»

 

Ob es ein Vorteil für RANGER sei, aus Finnland zu kommen, meint Miko schelmisch: «Der grösste Vorteil, aus Finnland zu sein, ist, dass wir Finnisch sprechen! Wenn wir miteinander Finnisch sprechen, dann versteht niemand etwas und wir machen uns einen riesigen Spass daraus!» Die Finnen sind als das Sauna-Volk schlechthin bekannt und so wollte ich wissen, welche Rolle die Sauna im Leben von Miko und RANGER spielt? «Wir machen jeweils unsere berühmt-berüchtigten RANGER-SAUNA-NIGHTS! Da hängen wir mit unseren Freunden in der Sauna ab, bei viel Bier, geiler Musik und erzählen Blödsinn! Auf der Tour wird jeder Auftritt zu einem Saunagang: Wir schwitzen ohne Ende und kühlen uns mit reichlich Bier wieder auf Betriebstemperatur ab!» so Miko zum Thema Sauna. Was macht SPEEDMETAL so speziell und spannend für RANGER? Miko total begeistert: «SPEEDMETAL enthält sämtliche Zutaten, die es für richtigen und echten HEAVY METAL braucht! Diese Zutaten wären: gnadenlose Geschwindigkeit, ein gesundes Mass an Aggression, nicht zu viel Melodie: zusammen ergibt das SPEEDMETAL in seiner Vollendung!»

 

Das neue und sensationelle Album «SPEED AND VIOLENCE» wurde von RANGER nicht Instrument für Instrument eingespielt,Anker sondern als ganze Band live in einem Raum! Wie viele Versuche brauchte es, bis die Band mit dem Resultat zufrieden war? «Wir haben die Songs zuerst solange ohne Aufnahme geprobt, bis sie uns richtig ins Blut übergegangen waren und wir das richtige Feeling für die Songs hatten. Nachher nahmen wir die Songs so viele Male auf, bis uns das Resultat so richtig überzeugte! Die Songs mussten auch nicht absolut perfekt sein, denn für uns zählte mehr das Feeling, das die Songs transportierten und ausstrahlten!» Zum Schluss wollte ich von Miko noch wissen, was RANGER einzigartig macht? Miko nach sekundenlangem Überlegen: «Wir spielen nur die Musik, die uns gefällt und die uns begeistert! Und anscheinend hat es auch ein paar Headbanger, denen unsere Musik sehr gut gefällt, was uns natürlich sehr freut!»

 

RANGER ist eine von diesen Bands, die eigentlich viel mehr Aufmerksamkeit verdient haben, denn was die Band auf Konserve wie auch live abliefert, ist schlicht und einfach: GENIAL! Mein Tipp: Wenn RANGER das nächste Mal in der Stadt sind, unbedingt hingehen und sich verzaubern lassen. In der Zwischenzeit kann man auch auf das Album «SPEED AND VIOLENCE» zurückgreifen, um die Zeit bis zum nächsten Gig zu überbrücken!!

     AM HOFE DER KÖNIGE!

 

Von Rolf Fischbacher

Anlässlich des gutbesuchten und von der MEH-SUFF-Crew sehr gut organisierten Winter-Festivals wurde mir eine Audienz bei König Tommaso I, Sänger und Gitarrist von FLESHGOD APOCALYPSE gewährt. Unmittelbar nach dem furiosen und zugleich imposanten Auftritt von FLESHGOD APOCALYPSE wurde ich von seiner Majestät bei Hofe empfangen. Der Titel des neuen Machwerks von FLESHGOD APOCALYPSE lautet «KING».

 

Von wem oder was sind denn nun FLESHGOD APOCALYPSE die Könige? Tommaso denkt kurz nach und antwortet: »Diesen Albumtitel zu erklären ist nicht gerade einfach. Für uns steht «KING» für das Schöne und das Gute in uns. Die Gerechtigkeit, die man von den anderen erwartet sollte aber auch für jeden selber gelten. In diesem Moment der Geschichte verlieren sich so einige Leute in Hass, Gier und Frustration. Diese Leute sollten den guten König in sich wecken und mit den Mitmenschen reden und die Konflikte friedlich lösen, anstelle Angst vor der Zukunft zu haben und alles Andersartige zu hassen!» FLESHGOD APOCALYPSE kommen aus Perugia in Italien.

Hat eine Band aus Italien heute noch sowas wie einen Exotenbonus und ist es schwieriger, sich Gehör zu verschaffen? «Das Herkunftsland einer Band spielt gerade am Anfang eine wesentliche Rolle! So hatten wir es am Anfang nicht einfach, gegen diverse Vorurteile anzukämpfen und es war auch nicht leicht, an gute Tourangebote zu kommen», ist Tommaso überzeugt. Aber trotzdem konnten FLESHGOD APOCALYPSE einen Vertrag mit NUCLEAR BLAST an Land ziehen.

Haben sich so viele Türen geöffnet? «Ein so bekanntes Label hat ein riesiges Potenzial zur Verfügung, aber wie in jeder Beziehung hat es sehr viele positive Aspekte, wie auch eher schwierigere Aspekte, weil wir am Anfang nur eine kleine Band unter vielen bekannten Bands waren. So mussten wir konsequent unseren Weg gehen und so spüren wir auch wie NUCLEAR BLAST an uns glaubt! Wir fühlen uns auch nicht unter Druck gesetzt, weil wir seriös arbeiten und wir uns den Druck, immer besser zu werden, selber machen! » so ein sichtlich zufriedener Tommaso.

In der schnellen und harten Musik von FLESHGOD APOCALYPSE finden sich so einige Spuren von klassischer Musik, die dem Sound das gewisse Etwas geben. «Die klassische Musik ist ein Bestandteil der europäischen Kultur und in Italien hatte es so herausragende Komponisten wie Rossini, Verdi, Vivaldi und Paganini. Wir sind von Kindsbein an mit klassischer Musik aufgewachsen. Mein persönlicher Favorit unter den italienischen Komponisten ist Paganini. Als Gitarrist steht er mir sehr nahe, weil auch er mit Streichinstrumenten zu tun hatte.» so Tommaso zu dieser Frage.

Wenn so viel Klassik im Spiel ist, dann ist der Gedanke, mit einem richtigen Orchester aufzutreten, nicht weit. «Sicherlich ist das ein Traum von uns, der aber alles andere als einfach zu realisieren ist. Die ganzen Kosten als Band zu tragen ist für uns nicht möglich und jemanden zu finden, der in ein solches Projekt investieren würde, gestaltet sich auch als sehr schwierig!» kommt Tommaso auf den Punkt. Die italienische Szene wird hier nicht wirklich wahr genommen. «Es ist momentan eine schwierige Situation in Italien, auch wenn wir von FLESHGOD APOCALYPSE einen Weg aufgezeigt haben, wie man erfolgreich sein kann mit harter Musik. Bands wie HOUR OF PENANCE und auch NIGHTLAND, die mit uns auf dieser Tour sind, kennt man auch über die Landesgrenzen hinweg. Was fehlt in Italien ist die Infrastruktur von Clubs und Lokalen. Wir brauchen diese Infrastruktur, damit die Szene auch wachsen kann!» meint Tommaso.

Auf «KING» wurde ein richtiges Feuerwerk an Samples entfacht! Wird es in dieser Hinsicht noch mehr Samples geben oder ist jetzt das Gleichgewicht gefunden worden? «Mit «KING» sind wir unserem Ziel von Ausgewogenheit sehr nahegekommen. Was aber in Zukunft mit unseren Samples passiert, kann ich nicht beantworten und die Zeit wird es zeigen!» äussert sich Tommaso zu den Samples.

Bei FLESHGOD APOCALYPSE haben sich wirklich gute Musiker zu einer Band zusammengefunden. Ist das alles nur Talent oder waren die Herren auf einem Konservatorium? «Wir waren auf Musikschulen, aber der grösste Teil unserer musikalischen Fertigkeiten haben wir uns selber beigebracht! Musik ist wie eine Sprache. Man kann eine Sprache aus Büchern lernen, aber richtig lernt man die Sprache erst, wenn man sie spricht! Natürlich braucht es ein gewisses Talent, damit man auf diesem Niveau musizieren kann. Als einzelne Musiker sind wir nicht besser oder schlechter als andere Musiker, aber als FLESHGOD APOCALYPSE spielen wir unsere Stärke als Kollektiv wirklich aus!» so ein sichtlich stolzer Tommaso.

Beim heutigen Auftritt von FLESHGOD APOCALYPSE hat die Sängerin Veronica Bordacchini wie ein Stern gestrahlt! Wo und wie ist sie mit der Band zusammengekommen? «Veronica kennen wir schon länger, denn sie kommt ebenfalls aus Perugia. Mit ihrer Ausbildung zur Opernsängerin bringt sie sich ins Gesamtkonzept von FLESHGOD APOCALYPSE hervorragend ein und wir sind sehr stolz, dass wir eine solch gute Sängerin in unserer Band mit dabeihaben!» führt Tommaso aus.

Nicht in Alltagsklamotten sondern in edlen Kostümen und mit viel Schminke im Gesicht treten FLESHGOD APOCALYPSE Abend für Abend auf. Ist das ein wichtiger Punkt im Gesamtkonzept von FLESHGOD APOCALYPSE? "Die Kostüme wie auch die Schminke tragen mit der Musik und den Videoclips zum Gelingen des Gesamtkonzeptes bei. Für mich bedeutet es, dass ich noch mehr mich selber sein kann und auf der Bühne so noch mehr aus mir rausgehen kann!"
Nach diesem aufschlussreichen Interview mit Tommaso möchte ich euch die CD «KING» von FLESHGOD APOCALYPSE wärmstens empfehlen, denn sie ist wirklich einzigartig gut!!!

WIE EIN GUTER WEIN, MIT ZUNEHMENDER ALTER IMMER BESSER!

 

Von Rolf Fischbacher

Es geschah zwar nicht am hellichten Tage, aber nachdem die Sonne schlafen ging, war der Tatort für dieses bewusstseinerweiternde Gespräch mit CALIBAN das KIFF in Aarau. An diesem Tatort fand dann später auch noch ein sensationelles Konzert von und mit CALIBAN statt. Vorher lassen wir die Hauptakteure dieses Gespräches, Marco, den Bassisten, und Denis, den Rhytmusgitarristen und Cleansänger, zu Worte kommen. Für das Gelingen des Interviews standen die beiden mit ihrer sympathischen Art Pate.
Vor rund einem halben Jahr wurde “GRAVITY“, der nächste Meilenstein in der Diskographie von CALIBAN, veröffentlicht. Ist die Zeitspanne zwischen Veröffentlichung und Tour in dieser kurzlebigen Zeit nicht zu gross?
“Nö, das glaube ich nicht. Wir haben diesen Sommer diverse Festivals wie HELLFEST, NOVAROCK und GROEZROCK gespielt und waren dann noch für 5 Wochen in Russland unterwegs. Deshalb hat sich diese Clubtour durch Europa erst jetzt ergeben!“ so Marco, und Denis ergänzt: “Die Fans, die uns auf’m Schirm haben, konnten uns noch nicht mit dem neuen Material live sehen, deshalb sind die Fans schon noch neugierig auf uns und kommen auch zu unserer Show!“
CALIBAN sind schon seit 20 Jahren in der Metalcore-Szene unterwegs. Ist das Publikum mit der Band mitgealtert oder wer ist das Zielpublikum?
Marco: “Zuerst sind wir natürlich froh, dass wir auch noch nach 20 Jahren eine wichtige Rolle in dieser Szene spielen. Unsere Zielgruppe würde ich so von 13 bis 27 Jahren schätzen. Vereinzelt gibt es sogar Eltern von unseren Fans, die nach einem Konzertbesuch zu CALIBAN-Fans mutieren!“, und Denis fügt an: “Dass es auch für Leute diesseits dieser Altersgruppe funktionieren kann, sieht man uns ja an! Schade ist eigentlich, dass die älteren Fans, die harte Musik wie Black- und Deathmetal hören, leider vielmals sehr engstirnig sind! Diese Fans geben unserer Musik gar keine Chance!“. “Viele dieser älteren Fans hören mal einen Song, zu dem sie auch insgeheim abfeiern, wenn sie dann aber den zum Song dazugehörende Bandnamen hören, ist er einfach nur noch Scheisse!“ bemerkt Marco zu Recht.
Wenn das Publikum wesentlich jünger als die Hauptakteure on Stage ist, dann stellt sich die Frage: Bis wann ist man gegenüber den Kiddies glaubwürdig? Marco und Denis antworten unisolo:
“Wir sind in der Band alle so um 40, fühlen uns noch aber überhaupt nicht so alt! Wir kommen immer noch glaubwürdig um die Ecke, aber klar, dass mit 50 das Gehüpfe auf der Bühne schon komisch rüberkommt!“.
Auf den letzten Alben und der EP mit den Coversongs waren Songs in deutscher Sprache vertreten. Gibt es Pläne für ein Album nur in deutscher Sprache?
Dazu Marco: “Eher nicht, weil wir ja auch international unterwegs sind, obwohl auch im Ausland kommen die deutschen Songs sehr gut an und werden sogar von den Fans mitgesungen.“
Mit dem bisher Erreichten und über die Tatsache, noch immer die Hallen problemlos zu füllen, sind Marco wie Denis mehr als zufrieden! Auf der lim. Edition von “GRAVITY“ hat es als Bonustracks zwei Remixe. Wie wäre es mit einem Remix-Album von alten Songs oder dem aktuellen Album zum Beispiel?
“Remixe sind gar nicht meins!“ sagt Denis, und Marco bläst ins selbe Horn: “Ich finde veränderte Versionen des Originals nicht so toll! Diese beiden angesprochenen Tracks waren einfach mal ein Versuch, um zu sehen, wie das so funktionieren würde! Aber ein ganzes Album voll mit Remixen wäre definitiv zuviel des Guten!“.
Wieviel Einfluss habt ihr auf das Booking der Bands für diese Tour gehabt? Denis:
“Wir bekommen einige Bands vorgeschlagen und schlagen auch selber Bands vor. Es kommt auch darauf an, wie die Bands gerade unterwegs waren oder sind! Aber klar haben wir schon Einfluss auf die endgültige Auswahl!“
1997, als die Welt noch in Ordnung war und die Karriere von CALIBAN langsam in die Gänge kam, war Metalcore noch ein unbekanntes Phänomen. Wie kam es dazu, dass CALIBAN gerade diese Musikart auswählte und auf diesen anrollenden Zug aufsprang?
“Das ist schwer zu erklären und in Worte zu fassen, denn das hat sich einfach so ergeben und hat jetzt schon seit 20 Jahren Bestand!“ erklärt Marco.
Nach den Festivals im Sommer folgt jetzt die Clubtour sogleich. Was reizt die Herren Musiker mehr, Clubshows oder Festivals?
“Die Nähe zu den Fans ist bei Clubshows sehr cool! Ich möchte mich aber gar nicht festlegen, denn auch Festivals haben ihren Reiz und die ausgewogene Mischung macht es aus!“ so Denis und Marco doppelt nach:Zum Beispiel in Russland hat es keine Absperrungen vor der Bühne und die Fans stehen direkt vor dir. In St.Petersburg hatte ich Pipi in den Augen, als ich sah, wie die Meute grenzenlos abging! Solche Vibes hat man auf sehr grossen Bühnen nicht, aber die unglaubliche Menge von Leuten ist schon sehr beeindruckend!“.
Viele Bands aus der Metalcore-Szene engagieren sich in diversen Projekten für Umwelt, Politik und Tierschutz. Wie sieht das bei CALIBAN aus?
Mit politischen Aktivitäten haben wir gar nichts am Hut! Für Tierschutzprojekte haben wir uns auch schon eingesetzt, denn wir helfen gerne, wo wir können! Dies geschieht aber nicht aus Werbezwecken für die Band, sondern weil uns diese Sachen wirklich am Herzen liegen!“ erläutert Denis.
Denis ist seines Zeichen auch der Verantwortliche für die Cleangesänge, die engelsgleich daher kommen. Diese Cleangesänge haben auf den letzten drei Alben zugelegt. Ist mit dem Cleangesang auf “GRAVITY“ diesbezüglich der Gipfel erreicht? Mit Denis kann der richtige Mann darauf antworten:
“Der Cleangesang ist im Wandel. Früher war die Trennung viel klarer zwischen mir und Andreas, dem Hauptsänger. Jetzt haben wir die cleanen Parts zum Teil zweistimmig gesungen, was dann sogar noch aggressiver rüber kommt!“.
CALIBAN sind bei dieser Tour mit nochmals drei Bands zusammen unterwegs. Braucht es heute vier Bands, um die Fans aus ihren Löchern hervorzuholen?
“Es ist schon so, dass auch die anderen Bands noch zusätzliche Fans ziehen, wie gerade SUICIDE SILENCE, die ja aus einer ganz anderen Ecke kommen. Für die Fans entsteht so natürlich ein Mehrwert. Ich könnte mir sogar einen HipHop-Act als Vorband vorstellen!“ ist Denis überzeugt, was man an seinem N.W.A-Shirt auch ablesen kann. Marco dazu: “Im Ami-Land sind die Festivals viel variabler von den Stilrichtungen her, so kann man als Fan auch immer mal eine neue Band für sich entdecken!“.
Nach diesem Talk mit den sympathischen Musikern habe ich noch zwei Feststellungen: 1. Der Bassist hat sehr wohl etwas zu sagen, man muss ihn nur mal zu Wort kommen lassen!!! 2. Metalcore ist ein wahrer Jungbrunnen und das nicht nur mental, sondern auch körperlich. Wie die Jungs von CALIBAN anschliessend beim Konzert abgegangen sind, war schon beeindruckend! Diese Energie erlebe ich ausschliesslich bei Konzerten mit dem Zusatz “CORE“. Das ist aber auch dem jugendlichen Alter der Fans geschuldet! Leute, die neue CD von CALIBAN “GRAVITY“ müsst ihr unbedingt mal antesten, denn bei mir wird “GRAVITY“ ganz oben in der Jahres-Playliste erscheinen! Für alle, die CALIBAN noch nicht auf’m Schirm hatten, wird es höchste Zeit, CALIBAN eine Chance zu geben!!!

Zur dunklen und frostig kalten Jahreszeit haben UNLIGHT mit ihrer neuen CD “ANTIHELION“ den passenden Soundtrack veröffentlicht. Im Schwarzwald sind die finsteren Gesellen von UNLIGHT stark verwurzelt und so wird es höchste Zeit, den Sänger und Gitarristen Blaspherion so richtig in die Mangel zu nehmen!
Von Rolf Fischbacher
Nächstes Jahr habt ihr bereits 20-jähriges Bandjubiläum. Habt ihr da etwas Spezielles vor und/oder geplant?
"Ja, 2017 können wir auf 20 Jahre Bandgeschichte zurückblicken. Geplant ist aber nichts ausserordentliches. Wir werden einfach weitermachen wie gewohnt."
In 19 Jahren hat UNLIGHT bereits 8 Veröffentlichungen inkl. der neuen CD “ANTIHELION“ vorzuweisen. Seid ihr zufrieden, wo ihr heute steht?
"Einerseits sind wir schon weit gekommen mit unserer Musik – ohne Zweifel. Andererseits gibt man sich als ehrgeizige Truppe nicht so schnell mit dem bereits Erreichten zufrieden. Wobei aber auch kein Ausverkauf oder eine vollkommene Kommerzialisierung stattfinden darf. Dann bleiben wir lieber auf einem niedrigeren Level."
Was mir bei den letzten Reviews aufgefallen ist: ihr habt durchwegs sehr gute Kritiken bekommen. Hat sich das auch in den Verkäufen wiedergespiegelt?
"Die Reviews für das neue Album sind wirklich wieder einmal sehr gut ausgefallen. Ob sich das auch in den Verkaufszahlen abzeichnet, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Da müssen wir erst das Quartalsende abwarten, und dann bekommen wir die Zahlen von unserem Label."
Bei eurem livehaftigen Werdegang fällt auf, dass ihr noch nie eine zusammenhängende Tour gespielt habt. Wäre das aber nicht sehr wichtig, um die Tonträger auch gebührend zu promoten?
"Das ist richtig. Eine Tour wäre nicht schlecht, um gute Promotion für das neue Album machen zu können. Es gibt da nur das Problem, dass man nicht mehr so einfach an gute Touren rankommt. Und wenn Angebote reinkommen, die sich vom Band-Package her lohnen würden, dann kannst du dir aber sicher sein, dass unverschämte Preise verlangt werden. Pay to play ist immer noch das Motto. Und da machen wir einfach nicht mit! Diese Abzockerei ist ein absolutes Unding. Viele in der sogenannten Szene beschweren sich darüber, aber seltsamerweise finden sich ja anscheinend immer ausreichend Musiker/Bands, die gewillt sind, für eine doch eher zweifelhafte Dienstleistung Unmengen an Geld auszugeben."
In eurem BlackMetal finden sich auch Spuren von anderen Metalrichtungen. Ist das nicht ein Problem für engstirnige BlackMetaler?
"Da gibt es bestimmt viele Puristen, die sich niemals eines unserer Alben anhören würden, richtig. Dazu kommen ihnen zu viele Einflüsse anderer Spielarten des Heavy Metal in unserem Stil vor."
Mit “ANTIHELION“ ist euer neues Machwerk Anfang November erschienen. Werdet ihr aus diesem Anlass auf Tour gehen?
"Eine grosse Tour ist nicht geplant. Wir werden aber schauen, dass wir vielleicht eine Mini-Tour auf die Reihe bekommen. Wie bereits erwähnt, ist das mit den Touren als Undergroundband heutzutage etwas schwieriger, wenn man gewisse Prinzipien hat und nicht gerade Millionär ist."
Was verbindet euch mit dem Schwarzwald? Ist das für euch ein mystischer Kraftort?
"Es ist unsere Heimat. Dort sind wir zu Hause. Auf jeden Fall schenkt er uns Ruhe, Kraft und sicherlich auch Inspiration. Die Natur hier hat ihre ganz eigene Atmosphäre und wirkt natürlich auch auf uns. Man hat hier viele einsame und ruhige Ecken. Das brauchen wir auch. Hier wirst du geerdet."
Was haltet ihr von Religionen allgemein?
"Nichts. Das ist auch nichts anderes als eine weltliche Diktatur in einer anderen Verpackung. Natürlich wird behauptet, der Mensch im Allgemeinen braucht so etwas. Das ist höchstwahrscheinlich sogar die Wahrheit. Aber das sagt uns nur, dass die Mehrheit der Menschen schwach ist und vielleicht nicht ganz so mit Intelligenz gesegnet sein kann."
Wie schätzt du die BlackMetal-Szene 2016 ein?
"Ehrlich gesagt interessiert uns die sogenannte „Szene“ nicht wirklich. Wir sind jetzt so um die vierzig Jahre alt und haben schon viel gesehen und gehört. Mittlerweile sieht es in der BM-Szene aus wie in jeder anderen. Ein Hype jagt den nächsten und es werden immer wieder neue Trends und Fachbegriffe oder angebliche Spielarten kreiert. Interessiert uns absolut nicht."
Hat sich mit dem Labelwechsel von Massacre zu WarAnthem etwas für euch verändert?
"Für uns hat sich durch den Wechsel eigentlich nicht wirklich viel verändert."
Wie wichtig ist euch die Message eurer Texte im Gesamtkontext?
Blaspherion: Das ist uns sehr wichtig. BM lebt ja von der Philosophie, die dahinter steht. Die Texte sind essentiell. Für uns sind sie genauso wichtig wie der instrumentale Teil unserer Musik."
Bis in welches Alter werdet ihr mit Corpsepaint auf die Bühne gehen und glaubhaft erscheinen?
"Schwierig zu beantworten. Da kann man sicherlich keine allgemein gültige Grenze definieren. Das kommt auf den jeweiligen Musiker und seine Aura an."
Was hört ihr im Moment? Gibt es auch Bands aus anderen Stilrichtungen, die euch entzücken?
"Natürlich hören wir auch Bands, welche anderen Genres zugehörig sind. Meistens bleibt es aber bei den alten Platten. Viel Neues, was uns entzücken könnte, gibt es nämlich nicht. Momentan drehen sich wieder mal die Scheiben BATHORY und JUDAS PRIEST auf dem Plattenteller. Aber es wird auch viel aus den Bereichen der Klassik oder auch Jazz innerhalb von UNLIGHT konsumiert."
Vielen Danke für das Interview, Blaspherion, und ich wünsche euch viel Erfolg mit “ANTIHELION“ und die CD dreht sich schon unermüdlich in meinem CD-Player!!!
"Wir danken dir für dieses Interview und wünschen viel Spass mit unserem neusten Output!"
Dass geiler Blackmetal nicht zwingend aus dem hohen Norden kommen muss, beweisen uns UNLIGHT zum wiederholten Mal, und deshalb sollte für jeden geschmackssichern Blackmetaler nun klar sein, was zu tun ist: “ANTIHELION“ kaufen und auf Dauerrotation schicken!

Wenn Made in Switzerland wirklich für höchste Qualität steht
Von Rolf Fischbacher
Es kommt nicht so oft vor, dass ich mit heimischen Hitparadestürmern ein Interview führen kann. FIRE ROSE ist dieses Kunststück mit ihrem Debut-Album “Devil On High Heels“ mit dem Einstieg auf Platz 79 in die Hitparade gelungen! Dieses Debut ist wirklich bemerkenswert und enthält sämtliche Zutaten für ein bärenstarkes Hardrock-Album. Grund genug, FIRE ROSE nach Strich und Faden auszufragen!
"Nein, es wird keine Release-Show für unsere Debut-CD geben, weil wir bereits in einer neuen Besetzung spielen. Nach dem Verlust von unserem Bassisten Adi (R.I.P.), hat es auch hinter dem Mikro einen Wechsel gegeben. Neu ist Philip Meier anstelle von Pascal Dahinden mit dabei." Wir spielen aber immer mal wieder Einzelgigs, auch weil uns noch keine zusammenhängende Tour angeboten wurde.“
Die letzten CDs, die ich reviewen durfte, haben alle etwas gemeinsam: Sie tragen als Gütesiegel die Produktion von V.O. Pulver und dem Little Creek Studio!
“Für uns war der Fall klar: wenn unser Album den gewissen Druck und einen erstklassigen Klang haben soll, dann ist V.O. Pulver und das Little Creek Studio die erste und beste Adresse! Seine Arbeit ist grossartig und er brachte fantastische Ideen in die Produktion mit ein. Das Gesamtergebnis überzeugt uns nach wie vor, und dass das Studio praktisch vor unserer Haustüre liegt, ist einfach genial für uns!“
Auf dem Album wird typischer Schweizer Hardrock dargeboten, wie wir ihn schon vor 20 – 30 Jahren von Bands wie Krokus, Killer und Gotthard lieben gelernt haben.
“Diese Art von Musik machen wir einfach, weil sie uns so gefällt!
Mir gefällt diese Interpretation des Hardrocks sehr gut und ich fühle mich in längst vergangene Zeiten zurückversetzt. Da wollte ich wissen, wie die Musik bei der jüngeren Generation so ankommt.
“Wir haben im Publikum an unseren Konzerten von jung bis alt alle Altersgruppen mit dabei. Den Jüngeren gefällt, wie wir unsere Musik mit frischem Wind darbieten!“
Das Spektrum der Songs auf dem Debut-Album reicht von der herzerweichenden Ballade bis zum rockenden Stampfer. Wo seht ihr eure Stärken: Zart oder hart?
“Da wir nur eine wirkliche Ballade zu bieten haben, ist unsere Stärke sicher bei den schnelleren Songs. Unsere Stärken sind eine Kombination von powergeladenen Riffs mit eingängigen Melodien, die zu abwechslungsreichen Songs verschmelzen!“
FIRE ROSE gibt es nun schon seit 2005. Warum hat es solange gedauert mit dem Debut?
“Die Zeit war ganz einfach noch nicht reif, um ein gelungenes Debut abzuliefern.“
Was macht FIRE ROSE einzigartig und sollte an dieser Stelle unbedingt noch erwähnt werden?
“Hört euch doch die “Devil On High Heels“ mal an und wir sind uns sicher, dass ihr es nicht bereuen werdet!“
Wo kann man diese Perle von CD jetzt käuflich erwerben?
“Die CD bekommt man an unseren Konzerten (Daten unter www.firerose.ch) und online kann man sie www.cede.ch bestellen!“
Von meiner Seite möchte ich euch diese CD wirklich ans Herz legen, denn es handelt sich um den besten Hardrock-Release 2016, der auch problemlos mit internationalen Produktionen mithalten kann! 


AUF DEN SPUREN DER ‘NEW WAVE OF BRITISH HEAVY METAL’-ZEIT
Von Rolf Fischbacher
Anlässlich des ersten Release auf NONSTOPMUSIC von FINAL CRUSADE ist es höchste Zeit, die Jungs ins Kreuzverhör zu nehmen und zu Worte kommen lassen. FINAL CRUSADE sind erst seit 3 Jahren als Band unterwegs und haben bereits einen beachtlichen Release auf ihrem Konto!
“Ja, wir sind sehr zufrieden mit dieser Entwicklung! Wir haben uns Stück für Stück an dieses Album herangearbeitet, dahinter steckt sehr viel Herzblut!“
Was man tatsächlich Ton um Ton auf ihrem Album namens “Forged With Metal“ heraushören kann. Die Schweiz ist nicht gerade bekannt für Bands, die sich dem NWoBHM verschrieben haben. Deshalb wollte ich von der Band wissen, wie sie zu dieser Metal-Richtung gekommen sind, die ihre Blütezeit vor 35 Jahren hatte:
“Das stimmt, dass es in der Schweiz wenige Bands dieser Musik-Richtung gibt. Uns gefällt der rohe Sound und die Musik als solches, welche die Bands damals hatten! Das hat uns, als junge Band, auch dazu bewogen, uns von diesen Bands beeinflussen zu lassen. Natürlich haben wir aber auch noch Einflüsse anderer Metal-Bereiche in unserer Musik!“
Meine Frage, ob es noch eine Nachfrage bei den heutigen Metalheads gäbe, wurde so beantwortet:
“Der Markt ist klein, aber es gibt jedoch schon noch Leute, die sich für diesen Sound begeistern können! Auch aus dem Ausland haben wir schon positives Feedback erhalten!“
Wenn man sich die CD genauer anhört, dann fühlt man sich in andere Zeiten versetzt und man spürt den Geist vieler Helden von damals heraus. Wer stand also Pate für eure Inspirationen:
“Natürlich Bands wie JUDAS PRIEST, ACCEPT, SAXON, HELLOWEEN, RIOT, IRON MAIDEN. Diese Liste endet fast nicht mehr!“
Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass viele junge Bands ihre Alben von V.O.Pulver im Little Creek Studio produzieren lassen, was sicher für die grosse Klasse von V.O.Pulver spricht.
“Absolut! V.O.Pulver ist ein Supertyp und es ist sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Seine Produktionen sind immer gut und er versteht sein Handwerk wirklich!“
Von den Jungs wollte ich noch wissen, was sie neben der Band so im Leben treiben?
“Wir sind alle am Arbeiten und/oder Studieren!“
So wagen wir doch noch einen Ausblick in die nähere Zukunft:
“Wir haben einige Sachen geplant und alle Updates könnt ihr auf unserer Hompage final-crusade.com nachlesen! Live kann man uns das nächste Mal am Samstag, 26.11.2016 im Piccadilly in Brugg sehen!“
Ich hoffe, dass ich euch jetzt so richtig neugierig gemacht habe und ihr die CD unbedingt kaufen möchtet! Wo? Bei cede.ch, oder nonstopmusic.ch. An den Konzerten vertickt die Band auch noch Merchandise. Wer auf Musik mit ganz viel Herzblut steht und eine junge Band aus der Schweiz unterstützen möchte, für den gilt: CD kaufen und am 26.11.2016 auf nach Brugg ans Konzert!!!!

Die 90er waren eine extrem fruchtbare Zeit im Metal-Bereich, auch die Schweizer Szene brachte damals einige Bands hervor, die heute noch weltweit Kultstatus haben. Leider brachte die Musikindustrie damals mit ihren Medien-Verbindungen weltweit die Grunge-Welle, welche die riesige Schatztruhe aus talentierten Bands aus allen Rock-Metal-Richtungen zusammenbrechen liess. Natürlich braucht es immer auch die Gegenseite, wie Bands und Fans, die das Ganze mitmachen, und so versuchten viele, auf dieser Welle mitzureiten, so auch METALLICA und andere Künstler. Im nachhinein war es nicht alleine die Grunge-Welle, welche die Szene für ein Jahrzehnt in Depro-Musik versetze, nein, es war vor allem der Anteil von "Fans", die ihre Bands nicht mehr unterstützten! Jahre später sind die vielen Bands von damals zurück und geniessen wieder den Stellenwert, den sie verdienen. So auch POLTERGEIST, die mit dem neuen Album "Back To Haunt" auch Jahre später noch überzeugen. Grund genug, mit Sänger André Grieder Tacheles zu reden.

 

Von Andy Trepp

 

Ganze 22 Jahre ist es nun schon her, seit ihr euch aufgelöst habt. Warum hat es so lange gedauert, bis ihr wieder zusammengefunden habt?

Das war irgendwie immer wieder mal ein Thema, aber die Bedingungen haben leider nie gepasst. Vor allem hatten wir nie einen potenziellen Drummer auf dem Zettel, vielleicht war einfach die Zeit noch nicht reif dafür. Als dann meine Aktivität in den sozialen Netzwerken zunahm, schrieben mir immer wieder Leute, wie geil sie Poltergeist früher fanden und sie es ausserordentlich geil fänden, wenn wir wieder etwas machen würden. Der Kontakt zwischen mir und V.O. brach über die Jahre nie ab, also diskutierten wir das doch öfters mal. Aber es brauchte doch einige Jahre, bis wir unsere Skepsis ablegen konnten. Als wir dann an Silvester mit Marek zusammen ein Foto mit den alten Scheiben machten und V.O.s Frau Inga dieses postete, gingen die Spekulationen im Netz erst richtig los. Auch Sven bekam das mit, und da er wieder Bock auf Thrashmetal hatte, fragte er uns, ob wir uns nicht mal in den Proberaum begeben sollten, um die alten Schinken zu prügeln. Und die Chemie war sofort da! Und mit Chasper fanden wir ein paar Wochen später erst noch einen perfekten zweiten Gitarristen, der den Live-Sound noch fetter machte und erst noch eine Songwritingmaschine ist.
POLTERGEIST gehörten damals zur Speerspitze der deutschsprachigen Thrash-Metal-Szene, warum habt ihr euch damals nach 3 Top-Alben und guter Resonanz aufgelöst?
Du sagst es. Die Resonanzen von der Presse waren sehr gut. Leider kam damals die Grungewelle dazwischen und die Leute wollten keinen Thrashmetal mehr hören. Das spürten wir dann erst recht auf unserer letzten Tour mit Coroner. Leere Hallen, einbrechende Verkaufszahlen waren die Folge. Ausserdem spielten Marek und unser damaliger Drummer Luki mit dem Gedanken, die Band zu verlassen, um mehr grooveorientierte Mucke zu machen. Als sie das dann V.O. offenbarten, war Poltergeist vorerst Geschichte und GURD geboren.
Einige eurer damaligen Mitglieder gründeten nach der Auflösung GURD, was hast du, André, danach gemacht und warum hat man solange nicht von dir gehört ausser unserer Kommunikation auf Fuckface?
Anfangs wollte ich erst mal nichts mit dem ganzen Business zu tun haben und zog mich erstmal ins "normale" Leben zurück. Aber die Liebe zur Musik war immer stark, so versuchte ich mich in einigen lokalen Bands, was mich nie so richtig packte, weil mir entweder der Stil nicht zusagte, oder die Chemie in der Band nicht passte. Und für halbe Sachen fehlt mir einfach die Motivation. Dazu kam der Tod meiner Eltern und diverse private und gesundheitliche Probleme, die mich immer wieder zurückwarfen. Es waren nicht immer schöne Zeiten, aber das liegt zum Glück hinter mir.
Wovon habt ihr euch bei den Texten beinflussen lassen und wer hat sie geschrieben?
V.O. schreibt die Texte. Ich glaube, dass er über Dinge schreibt, die ihn beschäftigen, egal ob politisch oder gesellschaftskritisch oder auch fiktive Geschichten. Unsere Texte waren immer schon recht unterschiedlich und nicht auf eine Sparte limitiert. Der Leser/Hörer kann sich öfters auch selbst eine eigene Interpretation zurechtschustern.

Die 90er waren eine wilde und fruchtbare Zeit, neben dem ersten Metal-Print-Magazin SWISS ATTACK war unsere Schweizer Szene mit DRIFTER / MESSIAH / CELTIC FROST und einigen anderen reich an talentierten und erfolgreichen Bands. Was war damals so schwierig, dass sie alle diese Bands nach ein par Alben auflösten?

Ist natürlich für mich nicht leicht zu beantworten, da ich die Internas der genannten Bands nicht kenne. Allgemein gesagt denke ich, dass es zu der Zeit einfach schwierig war, da wie schon früher gesagt die grosse Zeit für härtere Sounds nicht gegeben war. Ausserdem: wenn du in der Schweiz jemandem sagst, dass du Musiker bist, kommt schnell die Frage: Und was machst du beruflich?
Heute gibt es massenhaft Bands bei uns, die meisten machen jedes Jahr ihre Schweizer Karussel-Runde, so nenn ich die Bands, die immer an den gleichen Orten spielen, jedoch nie vorwärtskommen. Habt ihr eine Stategie, dies zu durchbrechen oder helfen euch da die Beziehungen eurer Bandmitglieder?
Wir haben zum Glück noch einen Namen aus den 90ern und durch V.O. und Sven noch viele Kontakte, sodass es uns auch möglich war, gleich mit der 70’000 Tons of Metal Cruise unser Comeback zu starten. Ausserdem spielten wir früher gar nicht so oft in der Schweiz, was uns jetzt die Möglichkeit gibt, viele Orte in unserem Ländle zu beglücken, die wir früher vernachlässigten.
Eure neue CD ist wie viele andere bereits auf einigen Piraten-Portalen, meiner Meinung nach kauft ein richtiger Fan die CD, genauso wie die neuen, die dazu kommen. Die Download-Portale bieten den Bands an, weltweit beachtet zu werden, also können sie auch von Nutzen sein. Natürlich geben die Plattenfirmen immer diesen die Schuld, wenn was weniger läuft. Die Wahrheit ist doch, dass die Plattenfirmen so viele Bands auf den Markt werfen und soviel Schrott dabei ist, dass es logisch ist, wenn ihre Verkaufszahlen nicht immer optimal sind.
Das mit den Piratenportalen ist natürlich nicht schön, aber halt leider schwer zu verhindern. Ich kauf mir auch immer noch gerne eine CD, hab aber auch einen Account auf dem schwedischen Streamingportal, da ich einfach süchtig nach guter Musik bin und auch nicht die Kohle habe, mir jede Scheibe zu leisten. Dass die Politik gewisser Labels nicht optimal ist steht auf einem anderen Blatt. Es gibt leider immer schwarze Schafe, die mit vielen schlechten Bands schnelle Kohle machen wollen.
Wir als Medien sollen überall unsere CDs für Reviews in Downloasd-Links (Pools) runterladen und sie dann besprechen. Wir bekommen also von den meisten NICHTS Handfestes, können uns also nicht mal eine physische CD zu Hause ins Regal stellen für unsere Arbeit. Wir von SWISS ATTACK machen dieses Game nicht mit und reviewen nur CDs, die wir physisch bekommen. Leider ist auch da öfters kein Cover-Booklet etc. dabei.
Ist das der neue GEIZ der Industrie, sich immer selber über Einnahmeverluste auszukotzen, selber jedoch die Medien gratis für sich und ihren Gewinn arbeiten lassen? Man darf ja nicht vergessen, dass es schon viel Arbeit mit den NEWS/Interviews etc. gibt, was auch alles gratis gemacht wird.
Das ist natürlich eine Entwicklung, die ich auch nicht begrüssen kann. Da sind gewisse Labels auch schlecht beraten, da sie sich schliesslich ins eigene Fleisch schneiden. Keine Reviews, keine Werbung. Also das kanns ja wirklich nicht sein. Ich habe noch massenhaft Promo-CDs aus den 90ern rumfahren, die mindestens eine Kartonhülle in Hochglanzdruck zu bieten hatten. Wusste gar nicht, dass das heute so läuft und kann das auch nicht gutheissen.
Kommen wir wieder zurück zum neuen Album: wird es weltweit erscheinen und ist eine entsprechende Tour geplant? Was sind die nächsten Ziele?
Das Album wird weltweit erscheinen, sogar in China. Das ist sicher erfreulich, dennoch ist es heutzutage fast unmöglich, von Plattenverkäufen zu leben. Da bleibt dir fast nur, dir den Arsch abzuspielen mit Gigs. Da wirst du dann ständig bei den Gagen gedrückt. Zum Glück hatte ich schon früher nicht die Illusion, mit der Musik reich zu werden, sonst hätte ich ja was "Anständiges" gelernt, haha. Was Tourpläne anbelangt ist vorerst noch nichts sicher. Wir werden aber einige Clubshows spielen, u.a auch das “Swiss Metal Attack Festival” im Z7 am 8. April 2017, aber zuerst steht mal unsere Plattentaufe am 4. Nov 2016 in der Metbar in Lenzburg an.
Basel ist nicht gerade die Stadt mit Metal-Lokalen, klar es gibt das Z7 in Pratteln, ich meine jedoch kleinere Lokale. Warum macht bei euch fast niemand was für die Szene? Momentan ist Zürich zwar auch ziemlich Szene-tot, ausser das EBRIETAS und das Dynamo und auf ein paar Bier in der Cactus-Bar gibt es nicht mehr viel kleine Weekend-Absteigen.
Metal wird doch in der Schweiz allgemein stiefmütterlich behandelt. Das schlägt sich dementsprechend auch bei Lokalen nieder. In Basel gibt's noch das Hirscheneck, wo auch viele Metal- und Punkbands spielen, und noch kleiner “Die schwarze Erle”, ein ehemaliges besetztes Gebäude, das eine ehemalige Kneipe beinhaltet, wo regelmässig kleinere Konzerte stattfinden. Aber sonst ist das sehr schwierig in Basel. Wir hätten ja noch das BScene Festival, das in der ganzen Stadt stattfindet, aber die Veranstalter haben, glaub ich, eine gröbere Metalallergie.

HEAVEN SHALL BURN

Nachdem HEAVEN SHALL BURN mit ihrem neuen Release “WANDERER“ sowas von abgeliefert haben, war das der richtige Zeitpunkt für ein Interview mit Maik Weichert von HEAVEN SHALL BURN. Wie wichtig ein eloquenter Interviewpartner für das Gelingen eines Interviews ist, durfte ich mit Maik erleben, und ich bin nach diesem Interview im Olymp der Schreiberlinge angekommen! Dass Maik zu ganz verschiedenen Themen etwas Kluges zu sagen hatte, könnt ihr gerne in diesem kurzweiligen Interview nachlesen!

 

Von Rolf Fischbacher

 

RolF: Nach “VETO“ habt ihr mit “WANDERER“ bereits wieder einen Titel, der sowohl auf Deutsch wie auf Englisch verstanden wird. Verfolgt ihr da ein Konzept und in Anbetracht dessen, was in der Welt so abgeht, wäre doch “KINDERGARTEN“ als nächster Titel eine Option?!

Maik: Also “KINDERGARTEN“ als Titel würde der Ernsthaftigkeit der Sache nicht gerecht werden. Aber wir verfolgen kein Konzept und die beiden Titel sind rein zufällig in verschiedenen Sprachen verständlich!

 

RolF: Die “WANDERER“-Clubtour war in Windeseile ausverkauft. Folgt im nächsten Jahr noch eine grosse Hallentour?

Maik: Ja, im 2017 ist eine grosse Hallentour geplant! (HEAVEN SHALL BURN sind soeben auf der Tour mit KORN bestätigt worden, die am 11.03.2017 in Dübendorf gastiert!)

 

RolF: Welche Art von Gigs sind dir lieber: Die kleinen Clubshows oder die riesigen Festivalgigs?

Maik: Wenn wir, wie hier in Aarau, eine Clubshow spielen, dann ist das sehr unkompliziert! Wir kommen einfach, um zu spielen! Bei einer grösseren Location wie dem Zürcher Volkshaus braucht es sofort diverse Bewilligungen, z.B. wegen der Pyros! Das sind wie zwei verschiedene Sportarten, die aber beide Spass machen und am Schluss macht die Mischung es aus.

 

RolF: Mittlerweilen hat HEAVEN SHALL BURN den Headliner-Status. Würdet ihr noch als Support-Act mit CANNIBAL CORPSE durch Europa touren?

Maik: In Amerika sicher, aber hier in Europa würde sich das komisch anfühlen vom Status her. Und wie es ist, eine seiner Helden-Bands als Support-Act dabei zu haben, konnten wir mit HYPOCRISY bereits erfahren. Peter Tätgren ist ein Vorbild von uns, und das hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt!

 

RolF: Ihr reitet zu Recht auf einer richtigen Erfolgswelle. Merkt ihr das auch an den Verkäufen von Tickets, Merch und CDs?

Maik: Das ist schon länger der Fall, dass die Marke HEAVEN SHALL BURN gut zieht. Wichtig ist vor allem, dass die Verkäufe nicht einbrechen und wir unseren erarbeiteten Status behalten können. Ich bin kein Fan von grenzenlosem Wachstum, deshalb wäre ich schon zufrieden, wenn es so bleiben würde, wie es ist! J.S. Bach hat mal gesagt, der Ozean sei kein Springbrunnen: Eine Fontäne, die hoch geht, kommt genauso schnell herunter! Ich wünsche mir lieber einen nachhaltigen Erfolg!

RolF: Zum Release von “WANDERER“ gibt es viele Lim.-Editionen und Special-Editionen. Braucht es heute diese Vielfalt und kommt das nicht schon einem Ausverkauf nahe?

Maik: Wir versuchen, den Leuten einiges zu bieten für ihre Kohle. Wir schauen auch, dass die Special-Editionen wirklich ihr Geld wert sind! Auch haben wir Fans, die alles downloaden und dafür beim Merch zuschlagen. Andere Fans kaufen die verschiedenen Versionen der CDs und haben so eine grosse Auswahl!

 

RolF: Ihr seid aktiv im Umweltschutz, was sich auch in der Zusammenarbeit mit SEA SHEPHERD wieder spiegelt. Auf der “VETO“-CD habt ihr den Song “Hunters Will Be Hunted“. Was hältst du vom Einmischen des Menschen in die Natur? Hier in der Schweiz gibt es immer mal wieder Ereignisse mit Wölfen und Bären!

Maik: Der Song “Hunters Will Be Hunted“ handelt von der Überfischung der Ozeane und nicht vom Förster, der mal ein krankes Tier schiessen muss. Ich finde den Jagdtourismus dafür sehr dekadent! Wir kommen aus Thüringen, dem Bundesland mit dem grössten Anteil an Wald in Deutschland, und bei uns hat es auch Wölfe. Natürlich reisst auch bei uns der Wolf Schafe, aber jeder Schäfer wird dann auch entschädigt und geht sicher nicht bankrott! Wir müssen wieder mehr lernen, mit diesen Tieren zusammen zu leben und den gebührenden Respekt und Vorsicht ihnen gegenüber anbringen.

 

RolF: Ihr seid in der Band bekennende Vegetarier und Veganer! Macht es dir etwas aus, dass das Thema “Veganismus“ zu einer Modeströmung verkommen ist?

Maik: Ich habe kein Problem damit, dass Veganismus so populär ist, denn wenn eine gute Sache zum Trend wird, kann nichts falsch daran sein. Für mich ist meine Einstellung ein Zeichen von Respekt gegenüber den Tieren, aber natürlich auch gegenüber den Menschen, egal ob vegan oder nicht! Was mich aber wirklich wütend macht, ist, wenn jemand von seinem Steak nur die Hälfte isst und der Rest in die Mülltonne wandert! Das ist einfach respektlos gegenüber dem Tier und ethisch nicht vertretbar!

 

RolF: Der unverschämte Wahlerfolg der AfD macht auch hier Schlagzeile. Warum hat die AfD so eine grosse Wählerschaft?

Maik: Die etablierte Politik hat sich über die Jahre zu wenig um die Anliegen und Ängste ihrer Wähler gekümmert. Schlimm ist jetzt, dass die AfD nicht nur von Idioten gewählt wird, sondern auch von gebildeten Wählern, die sich nicht ernst genommen fühlen! Diese Enttäuschung vieler Wähler macht sich in den Wahlerfolgen der AfD bemerkbar.

 

RolF: Riesige Flüchlingskarawanen kommen nach Europa. Wie siehst du diesen unhaltbaren Zustand?

Maik: Für mich gibt es nur zwei Lösungen: Man hilft den Leuten vor Ort in ihren Länder oder man erschiesst sie an der Grenze, wie es in DDR-Zeiten geschehen ist! Das darf aber nie mehr passieren, genauso wenig wie dass die Flüchtlinge auf ihrer Reise elendlich verrecken und verhungern!

 

RolF: Untypisch für diese Szene transportiert ihr eine Message! Würdet ihr euch eher im Hardcore oder im Metal verorten?

Maik: Von der Attitüde her sind wir sicher im Hardcore anzusiedeln, aber musikalisch gehören wir zu den Metallern.

RolF: War es schwierig, solch illustre Featuregäste wie Gearg “Corpsegrinder“ Fisher von CANNIBAL CORPSE und Adalbjörn Tryggvason von SOLSTAFIR für eine Zusammenarbeit zu gewinnen?

Maik: Nein, denn Adalbjörn ist ein alter Kumpel und da genügte ein Anruf. Bei Corpsegrinder war es eine Fanboy-Ding. Mit ihm wollten wir schon immer mal was machen und dieses Mal hat es geklappt!

 

RolF: Danke Maik für dieses ausserordentlich interessante Interview!!!

Anschliessend an dieses Interview gab es dann von HEAVEN SHALL BURN noch die livehaftige Vollbedienung. In 90 Minuten haben HEAVEN SHALL BURN das Kiff sprichwörtlich abgefackelt und am Schluss gingen die Fans sogar noch auf die Knie vor HEAVEN SHALL BURN! Wenn ihr euch noch für eine gute Sache einsetzen möchtet, dann sei euch noch die folgende Homepage: www.seashepherd.ch ans Herz gelegt.


SABATON

Nach dem Megaerfolg von ”HEROES” mit der dazugehörenden Tour, die an so manchem Ort ausverkauft war, schickt sich die neue CD “The Last Stand“, ihren Vorgänger noch zu übertrumpfen! Tolle Chart-Einstige weltweit und hervorragende CD-Reviews sind da nur die logische Konsequenz. Ein Grund mehr, mit Pär Sundström, seines Zeichen Gründer und Bassist von SABATON, ein interessantes Interview zu führen. Lest selber, was der Herr uns so mitzuteilen hat.
Von: Rolf Fischbacher
Eure neue Release “The Last Stand” ist die 8. Veröffentlichung in nur 18 Jahren. Ist es schwierig, eine neue Story zu finden, ohne die vorrangegangen Storys zu kopieren ?
Es gibt tonnenweise Storys von Kriegen weltweit. So wird es immer wieder eine andere Story zu erzählen geben. Und wir schauen auch, dass die Themen nicht gerade an bereits verwendete Themen erinnern. Das grössere Problem ist die limitierte Anzahl von Riffs! Es ist sowieso sehr schwierig, innovativ zu sein im Metalbereich !
Wo habt ihr eure neue Release geschrieben und produziert ? Auf der letzten Tour oder danach?
Einige Songs fürs neue Album wurden auf der “HEROES“-Tour geschrieben und andere zwischen den verschiedenen Touren.
Ihr tourt sehr oft hier in der Schweiz und in ganz Europa. Habt ihr keine Angst, dass die Fans mal genung von SABATON bekommen und nicht mehr zu den Shows kommen?
In der letzten Zeit haben wir an vielen neuen Orten gespielt und hoffen so, dass wir viele neue Langzeit-SABATON Fans gewinnen.
Wie fühlt es sich an, eine Band wie ACCEPT als Supporting-Act auf der “The Last Stand”-Tour mit dabei zu haben?
Das fühlt sich grossartig an! Wir haben sie einfach angefragt und sie haben umgehend zugesagt. Viele Fans waren wütend und haben sich gefragt, wie eine “legendäre Band“ wie ACCEPT der Supportact von einer “neuen Band“ wie SABATON sein können?! Aber ich denke, wenn es nicht gut für ACCEPT wäre, dann hätten sie nicht zugesagt. Und so können sie in grossen Hallen spielen und viele neue Fans gewinnen. Am Ende sind aber die Fans da draussen die wahren Gewinner!!
Viele bekannte Bands ziehen sich allmählich zurück oder sind zu alt, um auf Tour zu gehen. Ist das jetzt der richtige Moment, um den Thron zu besteigen und zu den Bigsellern wie METALLICA, IRON MAIDEN und AC/DC zu gehören?
Vielleicht noch nicht gerade jetzt! Hoffentlich sind noch viele grosse Bands für einige Jahre unter uns. Lass es uns abwarten, ob SABATON eine dieser Bands sein wird, die den Metal in die Zukunft bringen wird.
Was ist die dunkle Seite eures Megaerfolges?
Die fehlende Möglichkeit, unsere Familien zu sehen.
Wie hat sich euer Leben generell geändert, wenn ihr das ganze Jahr auf Tour seid?
Ich bereue nichts und ich habe ein grossartiges Leben. Ich bin nicht mehr so verwurzelt mit irgendwelchen Orten, ausser vielleicht mit dem Tourbus!!
Mit jeder neuen Release habt ihr mehr Songs zur Auswahl. Wie wählt ihr die Mischung zwischen alten und neuen Songs aus?
Das ist etwas vom Härtesten für uns. Wir wechseln so oft wie möglich die Songs, für uns wie auch für die Fans. Wir haben aber auch gewisse Songs, die wir nicht aussen vor lassen können. Aber ich denke, dass jede Band, die ein wenig länger mit dabei ist, dasselbe Problem hat und kennt. Und mit der Anzahl der Songs steigt auch die Möglichkeit, diese untereinander auszuwechseln.
Für alle, die jetzt so richtig heiss auf SABATON geworden sind, besteht die Möglichkeit, die neue CD “The Last Stand“ zu kaufen oder/und mit SABATON live am 3. Februar 2017 in Basel abzufeiern.

SOULFLY  16.08.2016  Dynamo - Zürich

Von Rolf Fischbacher
Für einen SEPULUTRA-Fan der ersten Stunde wie mich ist ein Interview mit Max Cavalera schon was ganz Besonderes. Genau diese Gelegenheit bot sich mir aber am SOULFLY-Konzert vom 16. August 2016 im Dynamo/Zürich.“Das Tourleben fasziniert mich immer noch so wie am ersten Tag, und auf die abendlichen Shows freue ich mich immer wieder aufs Neue. Speziell in Europa macht das Touren Spass, da kann ich mir die Städte ansehen!“ so Max, der das erste Mal 1989 mit SEPULTURA als Vorband von SODOM in Zürich gastierte und noch lange nicht des Tourlebens müde ist. Nächstes Jahr feiert SOULFLY bereits den 20. Geburtstag. Für Max ist das ein ganz spezieller Moment: “Es ist nicht alltäglich, dass eine Band 20 Jahre alt wird und ich bin sehr stolz auf das, was wir erreicht haben. In unserem Feierjahr wollen wir eine neue CD releasen und auf eine grosse Tour gehen!“
Der Sound auf der neuen CD “ARCHANGEL“ ist mehr als genial, deshalb wollte ich von Max wissen, welchen Einfluss der Produzent Matt Hyde auf das Endprodukt gehabt hat: “Es gibt zwei Typen Produzenten; die einen kümmern sich in erster Linie darum, dass der beste Sound rauskommt, so wie Terry Date (Pantera,Deftones). Dann gibt es die anderen, wie Matt Hyde, die sich nicht nur um den Sound kümmern, sondern auch diverse Inputs zu den Songs beitragen. Ich wollte eine ähnliche Atmosphäre wie auf BEHEMOTH’s “The Satanist“ haben, einem Album, das ebenfalls von Matt produziert wurde. Die Richtung auf “ARCHANGEL“ ist ganz klar ‘zurück zu den Wurzeln’ und für Max ist es wichtig, seine Vergangenheit nicht zu vergessen, denn sonst gibt es auch kein Vorwärtskommen. An “Archangel“ gefällt Max besonders die mystische Stimmung und sein aktueller Lieblingssong ist “SODOMITES“. Religionen sind nicht nur ein Thema, das uns jeden Tag in den Medien vorgesetzt, sondern auch auf der neuen CD von SOULFLY thematisiert wird. Wie steht Max zum Thema Religion und welcher Religion huldigt er? “My Religion is METAL! Und wenn man sich dem Metal voll hingibt, dann ist Metal eine Religion! Meine Frau ist russisch-orthodox, und diese Art des Glaubens ist für mich sehr rein. Ich war auch schon an Messen in Russland und Serbien, was mich sehr fasziniert hat.“
Wie empfindet Max, als Veteran der Metal-Szene, den aktuellen Zustand der Szene?. “Ich bin sehr optimistisch, was die Szene betrifft, denn mit immer neuen geilen Bands kann der Metal nie sterben. Im Moment kommen viele sehr gute Bands aus dem Osten, aber auch HOUR OF PENANCE aus Italien und TRIPTYKON aus der Schweiz gefallen mir sehr gut.“ Mit seinem Sohn in der gleichen Band zu spielen macht Max sehr stolz. Er hat die Entwicklung von Zyon genau beobachtet, von den ersten Schritten am Drumkit bis er soweit war, Drummer von SOULFLY zu werden. Wenn der Drummer von Max auch den Namen Cavalera trägt, dann kann ja nichts mehr schief gehen, so war ja früher der Bruder von Max, Iggor, der Drummer von SEPULTURA. Zusammen mit Iggor wird Max Ende November 2016 das “ROOTS“-Album live in Deutschland aufführen. In diesem Sinne : WE SOLD OUR SOULS TO METAL !!!
Foto: Gorka Rodrigo

IMPERCON FESTIVAL INTERVIEWS

Von Roland Jud

Unser Photograph Roland Jud hat sich neulich an seine ersten Band-Interviews rangewagt.
Da Roland auch noch für das metalnews.ch arbeitet erscheint es auf beiden Portalen.
Die Interviews wurden am IMPERICON FESTIVAL-Zürich mit folgenden drei Bands gemacht:
FOR YEAR STRONG / NORTH LANE / BLESSTHEFALL.

FOR YEAR STRONG

mit Alan Day

NORTH LANE

mit Alex Milovic

BLESSTHEFALL

mit Beau Bokan