LIVE REVIEWS


PALLBEARER / JOULES  21.04.2017  Rote Fabrick - Zürich            Von Rolf Fischbacher


Im Tal der allertiefsten Töne…
Mit einem brandneuen und auch wirklich starken Album befinden sich PALLBEARER gerade auf Gastspielreise durch die Metropolen Europas. So kam auch Zürich in den Genuss dieser herausragenden Doomband aus Little Rock im Bundesstaate Arkansas. Wie und ob PALLBEARER auch live überzeugen konnten, gerade im Anschluss an den Supportact!
JOULES aus Zürich hatten die Ehre, diesen denkwürdigen Abend zu eröffnen. Das Trio spielt einen gekonnten Mix aus Doom und Noise, der mit einer Prise Postmetal gewürzt ist. Für ihre Darbietung standen JOULES eine halbe Stunde zur Verfügung, welche die Band sehr gut genutzt hatte und sicher die Neugier auf mehr bei dem anwesenden Publikum geweckt hatte. Einzig der doch sehr, sehr basslastige Sound war in meinen Augen suboptimal, denn wenn man von der Gitarre fast nichts hört und das Schlagzeug nur als dezentes Klopfen wahrgenommen wird, dann ist der Bass wirklich zu dominant! Was sonst in Sachen Bass viel zu wenig zur Geltung kommt war bei JOULES genau das Gegenteil! Aber sonst Daumen hoch für JOULES und es wäre schön, wenn das Trio mal ein Album veröffentlichen würde! An den Abnehmern sollte es nicht mangeln…
Nach einer kurzen Umbaupause wurden die Mikrophone an PALLBEARER weitergereicht und was nun folgte, war eine ausgezeichnete Darbietung, wie Doom 2017 klingen kann! Auch bei PALLBEARER war der Bass-Sound eher im roten als im grünen Bereich, aber sonst konnte man die Gitarren hervorragend hören! Leider ist der Sänger und Gitarrist Brett Campbell nicht gerade mit der kräftigsten Stimme gesegnet und so musste er gegen Soundwände ankämpfen, was manchmal einem Kampf von David gegen Goliath gleichkam! Aber das wurde mit einem superben Mix von Songs aus den drei Alben (SORROW AND INSTINCTION, FOUNDATIONS OF BURDEN und dem aktuellen HEARTLESS) mehr als wettgemacht. Und diese Songs haben es wirklich in sich: Bei Songlängen bis zu 11 Minuten konnten sich die Songs so richtig entfalten und PALLBEARER sind wahre Meister in der Disziplin Spannung, denn auch bei langen Songs kam nie ein Hauch von Langweile auf! Speziell muss auch noch das stimmungsvolle Licht erwähnt werden, das der akustischen Unterhaltung noch um einen visuellen Glanzpunkt bereichern konnte. Nach dem Genuss dieses Konzertes steht für mich fest, dass sich PALLBEARER mit «HEARTLESS», auf Konserve wie auch live, ernsthaft in die Oberliga des Doom-Metals gespielt haben!
Leider haben das Potenial von PALLBEARER noch nicht sehr viele Leute entdeckt, denn die Rote Fabrik war sehr spärlich gefüllt und wieder einmal scheint Zürich für neue Bands, die noch nicht so bekannt sind, ein verdammt hartes Pflaster zu sein! Letzte Woche in Basel auf dem CZARFEST sah der Publikumsaufmarsch ganz anders aus und ich musste feststellen, dass Basel Zürich nicht nur im Fussball, sondern auch in Sachen Metalszene klar den Rang abgelaufen hat! Deshalb liebe Leute: Wenn ihr das nächste Mal die Gelegenheit habt, eine so geile Band wie PALLBEARER live zu geniessen, unbedingt hingehen!!

MOONSPELL / SCHAMMASCH / BLOOD RUNS DEEP Dynamo Zürich 28.04.2017  Von Rolf Fischbacher


Wenn die Vorband zur Hauptattraktion mutiert…
 
Am Freitag, dem 28.April 2017 lockte die MEH SUFF-Crew mit einer Veranstaltung, die mit einem wirklich exquisiten Line-Up aufwarten konnte, die headbangende Meute nach Zürich. Leider sind diesem Lockruf nicht allzu viele Leute ins Dynamo gefolgt und haben eine perfekte Organisation seitens der MEH SUFF-Crew verpasst! Eigentlich stimmte an diesem Abend vom günstigen Eintrittspreis über die Bands bis zur genialen Location alles! Die Running Order wurde penibel genau auf die Minute eingehalten, was man bei grösseren Konzerten so gar nicht kennt und man sich dort, während der nie mehr endenden Umbaupause, die Beine in den Bauch steht. Die Portugiesen MOONSPELL als Headliner nutzten diesen Anlass, um ihr 25-jähriges Bandjubiläum gebührend zu feiern. Wie ihre alten Songs vom IRRELIGIOUS-Album angekommen sind, dazu später mehr…
 
Beginnen sollte der Konzertabend aber mit BLOOD RUNS DEEP aus St.Gallen, die bereits seit 2003 aktiv sind und schon zwei Alben veröffentlicht haben. Mit diesen nichtssagenden Eckpunkten ist die Musik von BLOOD RUNS DEEP noch überhaupt nicht beschrieben. In eher langsamen und manchmal auch spacigen Gefilden findet die Musik von BLOOD RUNS DEEP statt! Sehr melancholisch und mit einem Keyboard-Teppich unterlegt präsentierten sich BLOOD RUNS DEEP von ihrer besten Seite. So konnte auch jeder einzelne Musiker sein Können am Instrument demonstrieren, was dann sogar schon fast den Charakter einer Jam-Session hatte. Das war dann aber zugleich auch ein kleines Manko, weil so der berühmte Faden fast ein wenig verloren ging! Ein guter Einstieg in den Abend, auch wenn von BLOOD RUNS DEEP in Sachen Kommunikation mit dem Publikum überhaupt nichts kam und man in 30 Minuten nur die Musik für sich sprechen liess.
 
Nach einer kurzen Umbaupause folgten mit SCHAMMASCH für mich das eigentliche Highlight des Abends. Gerade mal eine Woche nach dem Auftritt beim legendären Roadburn-Festival machten sie klar, warum sie an so ein Festival wie das Roadburn gebucht worden sind. Die Kombination aus den Kostümen, dem genialen Sound und den stimmungsvollen Lichteffekten verströmten während des ganzen Auftritts eine sehr mystische Atmosphäre und verursachten sicher nicht nur bei mir Gänsehaut-Feeling!
 
Wie auch BLOOD RED DEEP haben SCHAMMASCH anstelle von Worten Taten, sprich Musik folgen lassen und das in einer aussergewöhnlichen Intensität! Das ausgewogene Verhältnis zwischen sehr schnellen Parts und atmosphärischen, eher ruhigeren Parts gibt der Musik von SCHAMMASCH nicht nur etwas Kraftvolles, sondern auch etwas Einzigartiges! Nach den vielen Vorschuss-Lorbeeren, die SCHAMMASCH zu Recht für ihr aktuelles Album «TRIANGLE» bekommen haben, war ich gespannt, wie die livehhaftige Umsetzung klappen würde, und ich wurde mehr als positiv überrascht! Für mich bilden SCHAMMASCH zusammen mit BÖLZER die Speerspitze des heimischen Extrem-Metals, und das nicht nur auf Konserve, sondern auch in ihren Live-Darbietungen! Diese beiden Bands sind wirklich in der Champions League des Extrem-Metals angelangt. Einziger Wermutstropfen war, dass die Show leider schon nach 45 Minuten vorbei war! Grosses Kino auf jeden Fall!
 
Nach der Vorstellung von SCHAMMASCH war es nun für MOONSPELL gar nicht einfach, noch ein Ausrufezeichen drauf zu setzen, zumal MOONSPELL sich auch in einem gänzlich anderen musikalischen Fahrwasser bewegen! MOONSPELL probierte dieses Unterfangen, indem sie das gesamte IRRELIGIOUS-Album spielten! Dieses Album aus dem Jahre 1996 ist auch ein richtiger Meilenstein und war eines der wichtigsten Alben der Dark-Metal-Szene. Dass jetzt eine ganz andere Art von Musik gespielt wurde, merkte man Sänger Fernando Ribeiro an, der auch zugleich ein wahrer Animateur war und den Kontakt zum Publikum von der ersten Sekunde an suchte! Mit dieser sympathischen Art von Fernando Ribeiro und seinen Mannen sprang der berühmte Funke sofort flächenbrandmässig aufs Publikum über und so wurde dann ein Meer aus Händen in die Höhe gereckt. Für mich ist diese «Wir spielen jetzt unser Album von Anno Domini»-Geschichte ein Segen und Fluch zugleich! Natürlich hört man das eine gewisse Album auch nach 20 – 30 Jahren immer noch gerne, nachdem man es schon beim Release seinerzeit abgefeiert hat! Aber wenn man, wie MOONSPELL, ein sackstarkes Album wie «EXTINCT» am Start hat und dann nur alte Geschichten aufwärmt, dann kommt für mich der künstlerische Aspekt einfach zu kurz! Aber das ist nur meine Meinung und jetzt widmen wir uns wieder dem Konzert! Bei MOONSPELL merkt man sehr schnell, dass da absolute Profis am Werke sind, die ihren Job schon einige Jahre ausüben. Mit einem Sänger wie Fernando Ribeiro haben MOONSPELL einen absolut genialen Frontmann in ihren Reihen, der wirklich gekonnt mit dem Publikum spielt! Gitarrist Ricardo Amorim hat ganz geile Soli aus dem Ärmel geschüttelt, die zum Teil schon richtig bluesig daherkamen und von ganz grosser Klasse waren! Es wäre aber ungerecht, die Rhythmus-Fraktion mit Bassist Aires Pereira, Drummer Miguel Gaspar und Keyboarder Pedro Paixao unerwähnt zu lassen, denn auch sie sind grundsolide Musiker und alle zusammen haben bewiesen, warum MOONSPELL auch im Jahre 2017 immer noch ein sicherer Wert ist! Diese alten Songs haben wirklich Substanz und es war Darkmetal der Güteklasse 1A! Gerne würde ich aber MOONSPELL auch mit ihren aktuellen Songs mal live sehen, denn auch diese haben Potenzial!
 
Solche Konzerte möchte ich mir noch so manches Mal geben und ich hoffe, dass die MEH SUFF-Crew weiterhin so ein gutes Händchen beim Buchen von Bands hat, wie bis anhin natürlich!!
 
Und so ist ein sehr gelungener Konzertabend mit viel Abwechslung leider auch schon wieder Geschichte!!!

CZAR FEST 15.04.2017  Kaserne - Basel  Von Rolf Fischbacher


Vorhang auf für die zweite Auflage des CZAR-FESTES in der Kaserne Basel, die am 14.04. und 15.04.2017 stattfand. Nachdem der Freitag relativ schnell ausverkauft war, was bei dem Auftritt der Lokalmatadoren ZEAL & ARDOR nur die logische Konsequenz war, gab es für den Samstag noch einige wenige Tickets an der Abendkasse zu kaufen. Schon beim Eintreffen wurde man mit einem CZAR-Shot herzlich begrüsst, der von der Farbe und dem Geschmack meiner Listrine-Spülung irgendwie sehr ähnlich war. So wurde man bestens auf den bevorstehenden Abend eingestimmt und in der verbleibenden Zeit, bis zum Auftritt der ersten Band, konnte man sich noch im Foyer die Ausstellung von vier verschiedenen Künstlern ansehen. Die Kunstwerke passten hervorragend ins Gesamtkonzept dieser genialen Veranstaltung, die von Frederyk Rotter / CZAR OF CRICKETS PRODUCTION perfekt organisiert wurde, und natürlich gebührt auch Dank an die vielen HelferInnen, die diesen Abend zu einem unvergessenen Event gemacht haben. Aber jetzt widmen wir uns dem musikalischen Festtagsmenü, das von Chefkoch Frederyk Rotter perfekt abgeschmeckt wurde und für jeden musikalischen Gourmet etwas mit dabei hatte.

Die Doom-Metaller von WOLF COUNSEL aus Zürich hatten die ehrenvolle Aufgabe, den zweiten Tag des CZAR-FESTES zu eröffnen. Was schon auf dem Debüt-Album «IRONCLAD» sehr vielversprechend klang, wurde live genauso überzeugend dargeboten! Mir gefällt diese Spielart des Dooms sehr, und man konnte die postiven Vibes förmlich spüren! Auch war der Hinweis des Sängers, man müsse den Doom nicht zu ernst nehmen, sehr sympathisch! Genau dieser Sänger namens Ralf W. Garcia ist kein unbeschriebenes Blatt in der Schweizer Metal-Szene und so konnte man schon von ihm Hardcore (TINTA LEAL) bis Death Metal (REQUIEM) hören, aber im Doom-Gewand hat er mir fast am besten gefallen! Überhaupt war der kurze, aber eindrückliche Auftritt von WOLF COUNSEL sehr stimmig und wurde von einer hervorragenden Lichtshow begleitet. Nach so einem gelungenen Start in diesen verheissungsvollen Abend war meine Vorfreude auf PALMER aus Langenthal riesig!

PALMER ist mit ihrem dritten Album «SURROUNDING THE VOID» ein ganz grosser Wurf gelungen! Bei komplexer Musik wie von PALMER stellt sich immer die Frage, wie die Atmosphäre dann live auf die Bühne transportiert werden kann. Für PALMER aber scheint es eine einfache Übung zu sein, denn wie überzeugend die Songs dargeboten wurden, war einfach fantastisch! Auch merkte man den vier Musikern an, dass sie immer noch hungrig sind und mit dem neuen Album nochmals durchstarten wollen. Für PALMER war es ein einfaches Spiel, wie mit Dynamik und leiseren Passagen immer wieder ein unheimlicher Spannungsbogen aufgebaut wurde. Fragt sich nur, ob der Jungbrunnen, in den sie alle zusammen hineingefallen sind, in Langenthal ist? Wenn ja, muss ich auch einmal ein Bad in diesem Brunnen nehmen, schadet mir sicher auch nicht! Auch bei PALMER war wie bei WOLF COUNSEL die halbe Stunde viel zu schnell vorbei!

Nach Doom und Noise stand jetzt Blackmetal auf der Speisekarte! Zu einem Heimspiel sollte der Auftritt von COLDCELL aus Basel werden. Und COLDCELL nutzten ihren Heimvorteil aus und legten einen furiosen Auftritt hin. Geboten wurde Blackmetal der innovativen Art. Da gehen aggressives Riffing und ruhige, schon fast progressive Passagen Hand in Hand! Gerade das Verbinden von diesen verschiedenen Extremen passiert bei COLDCELL auf sehr hohem Niveau! Auch bei COLDCELL, wie schon bei WOLF COUNSEL und PALMER zuvor, machte der Lichtmensch einen hervorragenden Job, dieses Kompliment kann man auch dem Soundmischer weitergeben, der bei allen Bands für sehr gute Klangverhältnisse gesorgt hatte. Es war sehr mystisch, wie die Musiker von COLDCELL, mit ihren Kapuzen ins Gesicht gezogen, von dem wechselnden Licht angestrahlt wurden. Ich bin schon sehr gespannt auf das dritte Album von COLDCELL, das schon bald auf CZAR OF BULLETS erscheinen wird! Eine sehr vielversprechende Band, die sicher noch so einiges in Zukunft abliefern wird! Auch hier verging die Zeit wie im Flug!

Nach dieser Eruption von Blackmetal sollte es nun mit etwas leichter Verträglichem weitergehen. Die Westschweiz wurde von WHEN ICARUS FALLS aus Lausanne vertreten, und sowas von! Das Dargebotene nennen wir mal Post-Metal, der aus Atmosphäre und heavy Riffs mit noch ganz vielen anderen Details besteht! Ich kannte WHEN ICARUS FALLS vor diesem Konzert noch nicht, aber ich werde sie auch nicht mehr vergessen! Und das meine ich nur in lobendem Sinn! WHEN ICARUS FALLS legten einen tollen Auftritt hin und dem Publikum schien es auch sehr zu gefallen, so wurde der Merch-Stand von WHEN ICARUS FALLS nach dem Konzert förmlich überfallen, und so mancher Besucher kann jetzt ein Shirt oder eine LP von WHEN ICARUS FALLS sein Eigen nennen. Auch bei WHEN ICARUS FALLS steht der Release ihres neuen Albums «RESILIENCE» kurz bevor, nämlich am 21.April 2017, und ich bin mir so ziemlich sicher, dass uns ein weiterer Meilenstein in der Diskografie von CZAR OF BULLETS erwartet!

Wie ausgewogen die musikalische Speisekarte zusammengestellt wurde, zeigte sich mit der nächsten Band namens BÖLZER! Waren WHEN ICARUS FALLS eher auf der relaxten Seite, sollte es nun mit Voll auf die Zwölf weitergehen! Mit «HERO» ist BÖLZER ein richtiges Highlight gelungen und setzt die lange Liste erfolgreicher Schweizer Bands in der extremen Musik weiter, und ich bin mir sicher, dass man schon bald BÖLZER im selben Atemzug mit Bands wie CELTIC FROST und HELLHAMMER nennen wird! Spürte der ein oder andere Besucher nach vier Bands schon eine gewisse Müdigkeit, so war diese bei BÖLZER von Beginn weg einfach verflogen! Selten trifft ein Bandname so wie eine Faust aufs Auge wie bei BÖLZER, denn die beiden Musiker können wirklich bolzen und zwar vom Feinsten! Es ist mir auch ein Rätsel, wie nur zwei Musiker so eine Urgewalt entfachen können?! Einfach nur eindrücklich, was da BÖLZER vom Stapel gelassen haben! Gerne mehr davon!

Aufgrund der Tatsache, dass ich mit dem öffentlichen Verkehr angereist war, konnte ich GURD zum Schluss nicht mehr geniessen! Ich bin mir aber sicher, dass die Urgesteine von GURD eine geile Show auf der Bühne hingelegt haben. So ging ein genialer Abend leider viel zu schnell zu Ende, an dem einfach alles perfekt war: Die Organisation, die Bands, das Publikum, die Künstler und natürlich die geile Location Kaserne! Aber wie man so schön sagt: Nach dem CZAR-FEST ist vor dem CZAR-FEST, und so freue ich mich schon jetzt auf die dritte Ausgabe dieses genialen Festivals!!!!

 


PALMER  17.03.2017  Royal - Baden  Von Rolf Fischbacher


Wenn sämtliche Sinne auf eine wunderbare Reise geschickt werden…

Mit ihrem neuen Album «SURROUNDING THE VOID» haben sich PALMER selber übertroffen, und zu diesem Anlass wurde zur Plattentaufe ins ehemalige Kino Royal in Baden eingeladen. Normalerweise geht es bei Plattentaufen nur um den Hauptprotagonisten, nicht aber bei PALMER, denn mit KHALDERA und ZATOKREV spielten zwei geniale Bands im Vorprogramm. Diese drei Bands machten dann diesen Event zu einem unvergesslichen Ereignis, aber beginnen wir von Anfang an.

Den Beginn machten KHALDERA, eine junge Band aus Brugg, die sich auf experimentellen Instrumentalrock spezialisiert haben. Bis anhin habe ich eigentlich immer einen weiten Bogen um Instrumentalbands gemacht, weil mir bei diesen einfach die Abwechslung fehlte. KHALDERA haben mich eines Besseren belehrt und von Anfang des Gigs bis dessen Schluss in ihren Bann gezogen und auf eine wunderbare Reise mitgenommen. Die grossartige Musik erschuf eindrückliche Klanggebilde in Zusammenspiel mit den Videoinstallationen von PIXELPUNX und KING OF TRASH, die auch ZATOKREV und PALMER anschliessend mit stimmungsvollen Bildern begleiteten, und nahm mich auf eine wunderbare Reise mit. Erstaunlich auch, dass KHALDERA nur ihre Musik sprechen lassen und auf sämtliche Ansagen verzichten! Das war dann schon mal ein wahrer Leckerbissen zum Anfang dieses unvergesslichen Konzertabends! Von KHALDERA wird man in naher Zukunft sicher noch viel hören!

Mit ZATOKREV wurde man dann schnell aus sämtlichen Tagträumen gerissen und von einer Welle der rohen Energie förmlich mitgerissen! Aber die fantastische Reise an diesem Abend wurde fortgesetzt, wenn auch in eine andere Richtung! ZATOKREV sind sowas wie ein Urgestein der hiesigen Doom-Drone-Metal-Szene und schon seit 2002 mit dabei. Sie haben auch schon vier Alben im Gepäck und die Auswahl an genialen Songs ist somit riesig! Was mir aber sehr gut gefallen hat, war die Spielfreude und das Stageacting von ZATOKREV! Mit Fredi Rotter haben ZATOKREV einen Frontmann der Spitzenklasse, der alles auf der Bühne gibt, was er an Leidenschaft zur Verfügung hat. Geboten wurde das ganze Spektrum von leisen, schon fast besinnlichen Klängen hin zu heftigen Sounderuptionen mit heftigen Riffwänden! Auch die Feedback-Orgien wussten dem Publikum zu gefallen! Dieser Auftritt von ZATOKREV hat mir einmal mehr bewiesen, dass wir so geile Bands hier haben, die sich keinen Deut hinter irgendwelchen internationalen Bands verstecken müssen. ZATOKREV, ich komme wieder, denn das war ein Konzert voller Emotionen und Energien, die ich so in dieser Form selten erlebt habe!

Nachdem der Konzertabend mehr als überzeugend war bis zu diesem Punkt, lag der Ball nun bei PALMER, und was machten sie aus dieser Steilvorlage: Sie setzten noch ein Ausrufzeichen mehr an diesen denkwürdigen Abend! Nach ZATOKREV wusste man nicht genau, wohin die Reise noch führen sollte, aber PALMER stellten die Weichen genau in die richtige Richtung! Wenn man, so wie PALMER, ein so starkes Album namens «SURROUNDING THE VOID» soeben veröffentlicht hat, dem fehlt es an starken Songs sicher nicht, um sich von der besten Seite zu präsentieren! Und so spielten auch PALMER einen sensationellen Gig mit ebenfalls sehr viel Energie und ebenso vielen Emotionen. Was mir bei PALMER ausgezeichnet gefällt, ist das Zusammenspiel von Laut und Leise, so folgen auf noisige Passagen ganz ruhige Passagen und umgekehrt, was den Spannungsbogen fast zum Zerreissen brachte! Auch PALMER kamen bei Publikum sehr gut an und setzten einen weiteren Glanzpunkt, der zugleich auch der Schlusspunkt war. Von den Anwesenden hat sicher niemand sein Kommen bereut, und wenn man sah, wie die Leute in dieser grossartigen Location mitgingen und die Bands abfeierten, dann kann man nur froh sein, nicht nur dabei gewesen zu sein, sondern mittendrin die unbändige Macht der Musik am eigenen Leib gespürt zu haben!

Fazit dieses Konzertes: Wir können mehr als stolz auf unsere Musikschaffenden dieser drei Bands KHALDERA, ZATOKREV und PALMER sein und dass auf dem Label CZAR OF CRICKETS verdammte geile Bands sind! Übrigens findet am 14.04./15.04.2017 das CZARFEST in der Kaserne in Basel mit KHALDERA, PALMER und vielen anderen hörenswerten Bands statt!

Mein Tipp: Hingehen und geniessen!!!


ANTHRAX / THE RAVEN EDGE  15.03.2017  Zürich - Komplex 457   Von Rolf Fischbacher


Wenn die Gefühle für die Jugendliebe wieder erwachen…
Da habe ich just die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und meiner Jugendliebe ANTHRAX nach Jahren des Liebesentzuges mal wieder eine Chance gegeben, anlässlich ihres Gastspieles in Zürich. Und ja, es war wieder Liebe auf den ersten Blick!
Aber beginnen wir mit der Vorband THE RAVEN AGE, die ein Gemisch aus Metalcore und Modern Metal spielen. Mir und einem Grossteil der Besucher stand ein riesiges Fragezeichen auf der Stirn, getreu dem Motto: Was passiert jetzt gerade?! Dass Metalcore und Oldschool-Thrash nicht gerade eineiige Zwillinge sind, war mir schon bewusst, aber auch, dass eine Dreiviertelstunde endlos lang sein kann. Eigentlich finde ich es gut, wenn dem Nachwuchs eine Chance geboten wird, aber gäbe es nicht auch hungrige Thrashbands da draussen, die viel besser zu ANTHRAX gepasst hätten?!
Dafür folgte dann mit dem Konzert von ANTHRAX das bisherige Thrash-Highlight 2017! Der Anlass war der 30.Geburtstag des Überalbums «AMONG THE LIVING», das in ganzer Länge und zwar Stück für Stück gespielt wurde. Ich hätte nie gedacht, dass die Jungs von ANTHRAX noch so viel Power auf die Bühne bringen, und das während des ganzen Konzertes! Kein Vergleich zu SLAYER im letzten Jahr, bei denen einzig noch der Gitarrist Gary Holt aktiv auf der Bühne ist. Bei ANTHRAX sind alle Musiker in Bewegung, und ich konnte keinen grossen Unterschied zu den Shows vor 25 Jahren feststellen! Vor allem der Sänger Joey Belladonna scheint in einen Jungbrunnen gefallen zu sein, denn er stand nie still und hatte immer ein verschmitztes Grinsen im Gesicht! Von Anfang an war die Spielfreude von ANTHRAX fast greifbar, und der Band stand ihr Vergnügen wahrlich ins Gesicht geschrieben! Auch wenn anstelle von Charlie Benante sein Vertreter Jon Dette hinter den Drums den Takt angegeben hatte, präsentierten sich ANTHRAX in jeder Hinsicht sehr tight und mit Jonathan Donais haben sie einen wirklich geilen Leadgitarristen in ihren Reihen, der sein Können während einer eindrücklichen Soloeinlage gebührend demonstrieren durfte!

Der Bassist Frank Bello war ebenfalls ein Aktivposten, der immer mit dem Publikum Grimassen schneidend kommunizierte, und Ian Scott ist einfach Kult, auch wenn sich seine Haare vom Kopf ans Kinn verlagert haben (wäre für mich eventuell auch noch eine Option!). Bei mir geniesst «AMONG THE LIVING» einen ganz speziellen Stellenwert, denn es war mein erstes Thrash-Album 1987, und es hat mich auf den richtigen Weg, dem ich auch heute noch treu folge, gebracht! Alle Songs von «AMONG THE LIVING» haben mir grosse Freude bereitet, einzig bei meinem Lieblingssong «INDIANS» hatte Joey Belladonna den obligaten Federschmuck zuhause vergessen! Nach der kompletten Aufführung der Songs von «AMONG THE LIVING» folgten mit «BREATHING LIGHTNING» und «BLOOD EAGLE WINGS» zwei Songs vom neuen Album «FOR ALL KINGS», die sich ohne Probleme zu den vorgängig gespielten Songs gesellten und auch zu gefallen wussten!

Um das Konzert zu einem unvergesslichen Event zu machen, wurden aus der Klassikerkiste noch die Songs «MADHOUSE» und das unvergessliche Trust-Cover «ANTISOCIAL» dargeboten. Nach einer Stunde und 45 Minuten von ANTHRAX war ein von GOOD NEWS perfekt organisierter Konzertabend leider schon vorbei! Die Location war sehr gut gefüllt und auch akustisch absolut in Ordnung. Ian Scott hat mit seiner Aussage, dass «AMONG THE LIVING» den TEST OF TIME eindeutig bestanden hat, zu 100% recht. Meine Liebe für ANTHRAX ist wieder aufs Neue entfacht und was es ja mit der ersten Liebe im Leben auf sich hat, muss ich jetzt nicht genauer erklären! Oder sind das vielleicht nur meine starken Frühlingsgefühle?? In diesem Sinne: MOSH IT UP und ANTHRAX rules again!!!


SWISS METAL MASTERS 04.02.2017 Wohlen - Casino / Burning Witches / Emerald / Rusted Guns / Ashtar / Deep Sun / Final Crusade / Mortal Factor / Chainer / Piranha   Von Rolf Fischbacher


Am Samstag, dem 4. Februar 2017 ging im Casino in Wohlen das hervorragend organisierte SWISS METAL MASTERS über die Bühne. Was Charis und Damir mit ihrer Crew auf die Beine gestellt haben ist wirklich eindrücklich! Angefangen beim Casino in Wohlen als Location, das sich als Volltreffer erweist und ein wenig ans Volkshaus in Zürich erinnert.
Am Nachmittag um 16:15 enterten PIRANHA als erste Band die Bretter. Thrash mit bekannten Riffs, die man eventuell schon mal woanders gehört hat, boten PIRANHA aber mit viel Herzblut und ebenso viel Spielfreude an.
Die nächste Band namens MORTAL FACTOR war früher mal im Oldschool-Thrash-Metal verwurzelt. Aber neuerdings auf Trioformat geschrumpft, hat sich auch die musikalische Richtung geändert. Neu wird Thrash n’ Roll geboten. Das groovt natürlich amtlich und mit einem Bassisten, der sein Handwerk wirklich versteht, ist es schwer, nicht mitzugehen! Leider übertönt der Bass-Sound während des ganzen Festivals die anderen Instrumente, was ein wenig schade war!
Aus der Westschweiz schickten sich dann CHAINER an, mit solidem Heavy Metal nach amerikanischer Machart und einer gewissen Ähnlichkeit zu WASP, die Leute zu begeistern. Was der BH an der Gitarre zu bedeuten hat, wird mir für immer ein Rätsel bleiben?!
Mit DEEP SUN kamen die Liebhaber von Symphonic-Metal voll auf ihre Kosten. Die Sängerin bewegt sich stimmlich in nicht gekannten Höhen, hatte aber manchmal Mühe, sich gegen die instrumentale Wand durchzusetzen.
Freunde des NWoBH konnten sich auf die bevorstehenden 30 Minuten mit FINAL CRUSADE freuen. Trotz zwei Ersatzmusikern an Bass und an den Drums brachten sie die Meute zum Headbangen und das machte sich nach dem letzten Song auch in zahlreichen Zugabe-Rufen bemerkbar!!!
Für mich eine der Überraschungen waren ASHTAR, die mit ihrem Gebräu aus Sludge und Doom ein wenig aus dem musikalischen Rahmen fielen! Ohne grosse Ansagen und nur die Musik für sich sprechen lassen, das machten ASHTAR auf eindrückliche Art und Weise vor!
Danach begab man sich auf eine Zeitreise ins Jahr 1990, nach Los Angeles ins Whisky A Go-Go! Glam-Metal, dargeboten von RUSTED GUNS, hiess die Devise für die nächsten kurzweiligen 30 Minuten! RUSTED GUNS spielen nicht nur diese Musik, sondern sie leben sie auch auf der Bühne, mit authentischen Klamotten und dazugehörender Schminke, aus. Dass ich das nochmals so erleben darf, hätte ich nicht erwartet und es war wirklich geil!
Dass es geilen Power-Metal nicht nur im Ausland gibt, zeigte EMERALD eindrücklich und mit einem Sänger, der sehr viel Power in seiner Stimme zu bieten hat!
Beim Headliner BURNING WITCHES war ich leider zu meiner Schande nicht mehr vor Ort, aber von einer mehr als verlässlichen Quelle habe ich erfahren, dass auch BURNING WITCHES ihre Sache wirklich gut gemacht haben und eine geile Show geboten haben! Nach diesen vielschichtigen Bands darf getrost in die Zukunft geblickt werden, denn die Metal-Szene ist reich an geilen Bands verschiedener musikalischen Ausrichtungen! Ich freue mich schon jetzt aufs nächste SWISS METAL MASTERS!!!

ALTER BRIDGE / GOJIRA / LIKE A STORM  11.12.2016  St. Jakobshalle - Basel  Von Oli. T.

„Ein seltsames Bundle“ war mein erster Gedanke, als ich erfuhr, dass Gojira im Vorprogramm von Alter Bridge in der St. Jakobshalle in Basel spielen werden. Freudig überrascht könnte man es auch nennen, wobei ich nicht weiss, ob jeder ‚Alter Bridge’-Fan etwas mit Gojira anfangen kann. Immerhin handelt es sich bei dem mittlerweile hochgelobten Quartett um eine Band, die Death- Metal-Elemente mit modernen Groove-Passagen und psychodelischen Sounds vermischt. Kaum eine Band schafft es, auf Festivals so viele Crowdsurfer zu motivieren. Und dann waren da noch die jungen ‚Like A Storm’ aus Neuseeland, die gegen 19 Uhr begonnen haben. Von letztgenannter Band erlebte ich nur den Schluss, da sie überpünktlich begannen und endeten. Was sich festsetzte, war ein selbstbewusster, lebhafter Auftritt von talentierten Musikern und einem AC/DC-Cover zum Schluss (TNT). Auch eine Didgeridoo-Einlage wurde zum Besten gebracht. Achtungsapplaus für die junge Band, die mit Alter Bridge gut befreundet ist und mit ihnen schon einmal auf Tournee war.
Gojira sind eine medial hochgelobte und viel beachtete Band. Eigentlich spielen sie seit Jahren Headliner-Tourneen, doch ist das Bundle mit Alter Bridge sicher nicht ganz unpassend. Auch Alter Bridge haben sich auch seichteren Gewässern (Creed) zu einem etwas härteren Act entwickelt und haben mit Miles Kennedy einen markanten und hochtalentierten Sänger gefunden, der auch bei der Zusammenarbeit mit Stars wie Slash grosse Erfolge feiert. Für die Zuschauer und Zuhörer heisst es somit heute also Brücken schlagen und die Abwechslung geniessen. Obwohl Gojira von Beginn an Gas geben und sowohl neue Tracks vom Album
„Magma“ als auch ältere Perlen bringen, füllt sich die sowieso nur bis zur Hälfte eingerichtete St. Jakobshalle nur langsam. Wahrscheinlich lief der Vorverkauf nicht ideal und man konnte abschätzen, wie viel Platz man in der Halle bereitstellen musste, um eine angenehme Akustik und Atmosphäre für Bands und Zuschauer zu schaffen. Ich finde, das haben die Veranstalter sehr gut gemacht, da man weder Gedränge noch zu lange Wartezeiten oder absolute Leere vorfand. Doch hätten sicher 5000 Menschen mehr Platz in der riesigen Halle gehabt, wenn sie komplett genutzt worden wäre. Wie dem auch sei: ein begeistertes Häufchen sicherte sich den Platz vor Gojira und genoss einen professionellen und eindrücklichen Auftritt. Auch weiter hinten und auf der Empore sah man headbangende Köpfe und die Band wusste zu gefallen. Eine tolle Lichtshow und die typischen Headbanger-Posen der Band spornten an. Psychodelische Momente schaffen sehr gute Kontraste und man fühlt sich bei Gojira immer in einem wohl ausbalanciertem Mix aus Ruhe und Lautheit wieder. Sicher sah man auch Softies kopfschüttelnd aus der Halle gehen. Das waren dann die Fans, die gerade so mit Alter Bridge klar kommen und alles was schneller oder härter ist, als Brei wahrnehmen. Was dafür sprach, ist leider der undifferenzierte Sound bei schnellen Blastbeat-Passagen von Gojira auf den Rängen und weiter hinten. Doch ist so etwas der Akustik einer Halle geschuldet. Mit zunehmendem Abstand zur Bühne nimmt man dann Details aus schnelleren Passagen dann oft nur noch als Donnergrollen wahr. Wenn man die Songs kannte, konnte man allerdings sehr zufrieden mit dem Sound sein. Gerade unter den Umständen der riesigen Halle und des nur halb gefüllten Innenraums. Jedenfalls liessen Gojira es sich nicht nehmen, einige Menschen sichtlich zu begeistern und für den Hauptact aufzuheizen.
Alter Bridge müssen mittlerweile als Superstar-Band gelten. Nein, solche Begriffe will ich gar nicht verwenden, sonst denkt man, die Band sei gecastet. Das ist sie nicht. Doch haben ehemalige Mitglieder der Band Creed den Sänger Myles Kennedy für sich gewinnen können, der alles mitbringt, was ein Rockstar haben muss. Damit meine ich begnadetes Talent an Gitarre und Stimme und auch die oft sozialkritisch und politisch angehauchten Texte stammen weitestgehend aus der Feder von Kennedy. Dabei steht er mit beiden Beinen auf der Erde und macht durchwegs den Eindruck eines absolut normalen Typen von nebenan. Vielleicht mit langen Haaren, Karotten-Jeans und Rosen-Flanell, doch immer sympathisch und bodenständig. Auch Mark Tremonti ist ein Aushängeschild und wird gar als einer der begnadetsten Gitarristen des Planeten gehandelt. Als die Band gegen 21 Uhr loslegt, merkt man, dass sich die Fans mit den Rockriffs und der Ausnahmestimme Kennedys absolut zu Hause fühlen und den Genre-Ausflug zum Death-Metal mit Gojira verschmerzt haben. Jetzt regieren Melodien, eingängige Hooks und Riffs und nachvollziehbare Strukturen. Ich meine das absolut nicht negativ. Und einige werden das anders sehen. Denn tatsächlich bieten Alter Bridge für ihren Stil, wenn man diesen überhaupt eindimensional festlegen kann, sehr viele abwechslungsreiche Teile. Die Band legt wert auf eine ausgefallene Rhythmus-Gitarren-Arbeit mit hochklassigen Soli, die mittlerweile von beiden Gitarristen beigesteuert werden. Sicher darf bei einem Sänger wie Kennedy nicht die eingängige Hookline im Refrain fehlen, doch finde ich die Mischung aus Riffs, tollem Gesang in einem superfetten Sound wirklich aussergewöhnlich und kreativ. Sie schaffen es, immer eine individuelle Note zu setzen, um sich vom Rock-Mainstream mit Kreativität abzusetzen. Eine Gratwanderung, die schwierig ist, um nicht zum Pop-Rock abzudriften und neue Akzente zu setzen. Man kann Alter Bridge definitiv nicht vorwerfen, jemanden oder sich selbst zu kopieren. Dafür sind sie zu authentisch, innovativ und einfallsreich, auch wenn man ihre Melodien mitsingen kann und die Songs wie Superhits klingen. Das sind sie auch. Nur hier spielen die Originale und setzen sich ein Denkmal. In der Set-List finden sich Songs aus vergangenen Alben wie aus dem erst im Oktober veröffentlichten neuen Album “The Last Hero”. Darunter “Come To Life”, “Isolation”, “Blackbird”, “Slip To The Void”, “The Last Hero”, “Show Me A Leader” und das nur mit Akustik-Gitarre begleitete “Watch Over You”.Das Abschlusskonzert in Basel der Tour 2016 hatte am Ende etwas Nostalgisches und die Luft schien etwas heraus zu sein, doch kann man den bodenständigen Rockern nichts verübeln, die gefeiert wurden und sich mit Handshakes für die vordersten Reihen, Drumsticks und erdigen Gesten von ihren Fans verabschiedeten.Trotz der bei weitem nicht ausverkauften St. Jakobshalle ein perfekt gelungener Konzertabend.
 

AMORPHIS / LONG DISTANCE CALLING / CELLAR DARLING   04.12.2016  Komplex 457 - Zürich  Von: Oli T.

Amorphis sind eine der Bands meiner Jugend, die Mitte der 90er-Jahre einen phänomenalen Durchbruch mit „Tales from the Thousand Lakes“ schafften. Die Mischung aus melodischem Death Metal, Folk-Melodien, Piano, Streicher und Hammond-Orgel bereichert die Band gewaltig und Growls im Wechsel mit cleanem Gesang sind dazu eine passende stimmliche Neuerung, die der Band zu grosser Anerkennung verhalf. Seither sind einige Jahre vergangen und auch die Band hat u.a. personelle Veränderungen durchlebt. Doch die Spannung ist gross, weil Amorphis auf ihrem neuen Album „Under the Red Cloud“ alle ihre Stärken wiederentdeckt hat und dabei sich nicht selbst kopiert, sondern frisch und energetisch klingt.
Also geht es ins Komplex 457, wo bereits gegen 19:30 Uhr die junge Schweizer Band „Cellar Darling“ den Abend einleitet. Die Winterthurer wissen zu gefallen, und die sympathische Sängerin Anna Murphy beherrscht nicht nur den Gesang, sondern begleitet auch einige Tracks mit einer Drehleier. Ihre Mischung aus Folk, verträumten Melodien und Härte in Drums und Gitarren schafft es, eine bereits zur Hälfte gefüllte Halle einzustimmen, und es scheint ein erfolgversprechender Abend zu werden.
„Long Distance Calling“ warten bereits mit ihrem fünften Album auf, und auch sie haben einige Veränderungen durchlebt seit ihrem sehr gelobten Debüt „Satellite Bay“ im Jahre 2007. Gegen 20 Uhr startet ihre von Nebel geprägte Live-Show. Musikalisch ist diese Band die stilistisch entfernteste des Abends, wenn auch die Melodien des Postrock ebenso in Eingängigkeit anmuten und somit die Hörer grundsätzlich erreicht werden können. Musikalisch an amerikanischen Bands des Postrock orientiert scheut die Band epische Tracklängen bis 8 Minuten genauso wenig wie sich auftürmende Dramaturgien aus griffigen Rock-Riffs und wabernden Beats bis hin zu ekstatischen Double-Bass-Ejakulaten. Der Gesang stand nie im Vordergrund, wenn auch ein Sänger die Band von LDC einige Jahre begleitete. Der personellen Veränderung zum Trotz spielen LDC einen technisch einwandfreien Gig, der sich durch teils eingängige Mitstampf-Rhythmen und andererseits durch das erwähnte gekonnt dynamische Wechselspiel auszeichnet. Auch wenn ich mich einige Minuten nach dem Auftritt schon erinnern möchte, um die unbezweifelte Kurzweile über längere Zeit mitzunehmen. Pünktlich um 21 Uhr ist Schluss und das Warten auf den Hauptact beginnt.
Wie eingangs berichtet ist seit 1994, als Amorphis mit „Tales from the Thousand Lakes“ ihren Durchbruch feierten, einige Zeit vergangen. Bereits mit dem folgenden Album „Elegy“ wurden die Death-Metal-Roots deutlich zurückgeschraubt und die Band verstärkte die 70s-Anleihen und traditionelle, finnische Instrumente wurden hinzugenommen. Doch erst mit Zugang von Tomi Joutsen, der sich sowohl im cleanen Gesang als auch im gutturalen Gesang bestens heimisch fühlt, wurde der Band neue Möglichkeiten aufgetan. Das schnelle und überzeugende Wechseln zwischen beiden Gesangstilen beherrscht Tomi so überzeugend, dass es der Band kompositorisch ermöglicht wurde, wesentlich flexibler vorzugehen. Ihre Death-Metal-Wurzeln wurden wieder vermehrt eingesetzt und es entstand ein wohl ausgetüfteltes Konzept, dass ihre männlichen wie weiblichen Fans bestens bedient. Und auch wenn ich als überzeugter Metalhead mittlerweile ohne lange Haare gerne viele weibliche Fans auf Metal-Konzerten wahrnehme, so frage ich mich doch, wie es das grossgewachsene blonde Mädel weit hinten in der Halle schaffte, bei wirklich jedem Track von Beginn an bis zum Ende die ruhigen Passagen mit in die Luft gestreckten Armen tanzend zu begleiten (durchwegs, pausenlos) und bei Death-Metal-Passagen zu headbangen (durchwegs, kurze Pausen). Auch Gitarrist Esa Holopainen und Tomi Koivusaari wurden sichtlich auf die ausdauernde Tänzerin am Mischpult aufmerksam, so dass ich auch hier meinen Respekt für den Weitblick zolle!
Ein toller Gig, der mit einer langen Zugabe aufwartete, eingeleitet durch das wunderbare „My Kantele“ in akustischer Version. Die Stärken der Band, die sie mit dem letzten Album auf Vinyl pressten, wurden live überzeugend untermauert und die sympathischen Ansagen von Sänger Tomi, von dem man anfangs glaubte, er wisse nicht, wo er heute sei („The next Song we played many times all over the world and we will do it here in … this country, too“) überzeugten das Publikum. Tomi verriet später noch, wie sehr er die Schweiz mochte und nach einer fast 30-minütigen Zugabe fiel es der Band immer noch schwer, den Schlusspunkt zu setzen und sich zu verabschieden.

SCHAMASCH / EXIT 25.11.2016  Luzern - Sedel  Von Oli T.

Als ich den Club gegen 21:30 Uhr betrete, sind die regionalen Schlächter von Exit bereits auf der Bühne und hämmern ihre Death-/Thrash-Nummern einem noch mickrigen Häufchen von Angereisten um die Ohren. Der Sound ist brachial, wenn auch nicht ideal abgemischt. Aber man bekommt einen Eindruck, was die 1995 gegründete Band ausmacht. Neben Frontman Beni the Animal an Gitarre und Vocals greift auch Basser Steve alias Methaller hin und wieder zum Mikro und insgesamt sind Mid-Tempo und auch reichlich Blastbeat mit Florida-Death-Metal und Bay-Area-Thrash angereichertem Riffing an der Tagesordnung. Ordentliche Leads und gekonnte Songstrukturen zeugen von Jahren Erfahrung der Mannen aus Sursee. Da Snare und Toms zu leise gemischt sind bleiben die schnelleren Passagen von Trommler Andi ein optischer Hingucker. Ein tieferer Eindruck bleibt aus und ist auch zum Teil dem undifferenzierten Sound geschuldet. Eine ordentliche Portion Energie konnte man spüren, doch ist mehr Differenziertheit in dem Genre unabkömmlich, um das anspruchsvollere Metaller-Gehör noch mehr mit Details verwöhnen zu können.
Während des Umbaus treffen einige weitere schwarzgekleidete Gestalten ein und man bemerkt, dass die eben noch vorhandene Selbstironie von Exit düsterer Ernsthaftigkeit des Hauptacts weicht. Teilweise werden kiloschwere Kameras mitgebracht und man bemerkt die momentane Beachtung der nun kommenden Band.
Schammasch aus Basel haben gerade als Support eine Tour mit Inquisition und Rotting Christ hinter sich und dürfen nun in bekanntem Terrain ihre nächste Headliner-Show spielen. 2009 gegründet, bauen Schammasch (auf dt. “Lichtbringer“) ihre Philosophie auf mesopotamischen, babylonischen und akkadischen Wurzeln auf und auch live soll erwartet werden, dass Mystik und Okkultismus der Band dieser sagenumwobenen Historie entsprechen. Hier können nur hohe Erwartungen erzeugt werden!
Zum Hintergrund: Das bereits dritte Album ist ein epischer Dreiteiler von 100 Minuten Länge und bewegt sich musikalisch in vielen Regionen. Das Konzept Schammasch beinhaltet mittlerweile Black-Metallische Düsternis, Death-Metallische Raserei, Ambiente-Sound-Collagen, Doomige Schwere und avantgardistische Strukturen. Sich dieser Musik anzunähern erfordert schon auf Platte bzw. im Soundcloud-Stream enorme Bereitschaft. Griffige Hooks oder eingängige Melodien sind rar bis nicht vorhandene Stilmittel. Chorale Gesänge und ein orientalischer Einfluss schaffen eine tiefe Welt um das metallische Korsett, in das es einzutauchen bedarf.
Weihrauch und Myrrhe, Kerzen, zwei Hörner, die das Zentrum der Bühne zieren, und dichter Nebel schaffen die Grundlage für die livehaftige Darbietung dieser schier unfassbaren künstlerischen Maskierung. Als nach einigen Minuten der Stille endlich Gitarrist M.A. erscheint, dauert es noch weitere Minuten, bis der Rest der Band inklusive Mastermind Chris S.R. an Gitarre und Vocals die Bühne betreten. Die Spannung ist gross und noch kein einziger Ton erklungen. Dichter Nebel wabert um lange Gewänder und das schwarz geschminkte, unter einer Kapuze vermummte Gesicht des Frontmanns starrt ausdruckslos in die bescheidene Menge.
Die ersten Töne läuten das akustische Spektakel würdig ein und der Sound des Schlagzeugs, aber auch der Gesamtmix, hat sich dann doch dankend verbessert. Die Wucht der ersten Tracks begeistert und man versucht zu hören, zu erkennen, zu verstehen und zu differenzieren. Dass bereits auf Platte epische Songstrukturen nicht gerade leicht live vorzutragen sind erschwert es der Band etwas, das Publikum anzuspornen. In jedem Ton fordert die Band die volle Aufmerksamkeit und lässt man sich darauf ein, wird man mit einem Teppich an Sounds konfrontiert, der schwer zu fassen ist. Einspieler vom Band gehören dabei genauso zum Portfolio wie Gesangeffekte.
Es gibt sie aber: Momente des Lichtes, in denen der Fuss mitwippen möchte und man im komplexen Konstrukt die Einfachheit findet, welche den Hörgenuss mit ausmacht. Doch sind Schammasch so vertrackt, wirken klanglich verborgen wie hinter ihrer Kapuze, verschleiert und kämpfen somit über die gesamte Dauer um die Gunst der Zuhörer. Dass die Band am Ende einer Soundcollage von der Bühne geht und das gesamte Publikum irritiert und unverabschiedet auf den nächsten Track wartet, der aber nicht kommt und die Lichter angehen, zeigt, wie unfassbar das Konzept von Schammasch (noch) erscheint.
Positiv in Erinnerung bleiben neben der gekonnten mystischen Atmosphäre zahlreiche hörenswerte Passagen. Mir persönlich fehlt es der Band aber noch an klarerem musikalischen Fokus und fassbarerer Strukturierung. Individualität hat sie genügend, doch scheinen die zahlreichen Einflüsse noch zu verschwimmen, statt akzentuiert im Konstrukt klar und wahrnehmbar zu erscheinen.

TITO LARRIVA & TARANTULA  19.09.2016  Jazzhaus - Freiburg (D)  Von Thomas Rossi

Wer 1995 Tito Larriva als Darsteller in “Desperado“ (Robert Rodriguez) erlebt hat und ein Jahr später die Band in "From Dusk Till Dawn", der weiss, dass er Kult ist. TITO & TARANTULA gewannen über Nacht Berühmtheit als die höllische Band, die in der (Vampir-) Kneipe "Titty Twister" zu Salma Hayeks “Schlangentanz“ aufspielt.
Dass die Band ihr 25-jähriges Jubiläum mit dem 20-jährigen des Films feiern muss, ist klar. Die Wiederentdeckung der verloren geglaubten "Tarantism"-Sessions führte zur Veröffentlichung der Tracks als "Limited Fan Edition”. Viele dieser Tracks wurden noch nie live gespielt. Das holten TITO & TARANTULA nun auf ihrer "Back To Tarantism"-Tour nach.
Weniger überraschend: Der Altersdurchschnitt im Jazzhaus lag deutlich über 50. Tito ist nun mal Legende. Und Kult. Das spürte man sofort, als die Band die Bühne betrat. Diesmal leider ohne den erkrankten Gitarristen Peter Atanasoff.
Schon mit den ersten Tönen und dem Einsatz von Titos rauer Stimme wird das Publikum gefangen und nimmer losgelassen. Langsame und schnelle Stücke wechseln und schaffen eine einmalige Stimmung, so dass auch der Metal-verwöhnte Fotograf mitwippen muss. Hilft nichts: Dieser absolut professionellen Band kann sich keiner entziehen. Und wohl auch kaum einer der anwesenden Männer der wunderschönen Tochter Titos, Lolita Carroll ;-)
Ich sage “Danke!“ für diese herrliche Erinnerung an meine Jugend! Gerne nächstes Jahr wieder. Leider durfte ich in diesem, im Gegensatz zum letzten Jahr, nur die ersten 3 Stücke fotografieren. Schade, so entgehen einem die schönsten Momente, wenn Tito so richtig aus sich rausgeht.
 

Fotos: Thomas Rossi


AIRBOURNE / THE TEMPEREANCE MOVEMENT  30.07.2016  Luzern - KKL  Von Andy Trepp

Sehr kurzfristig akkredierte ich mich für das AIRBORNE-Konzert am 30. Juli 2016 am BLUE BALLS FESTIVAl in Luzern. Das erste, was ich feststellte, als ich wie jeden Morgen die Tageskonzerte zusammensuchte, war, dass absolut KEINE Schweizer Metal-Agenda das Konzert eingetragen hatte! Was ist da los, zählt doch AIRBORNE zur Spitze des Aussi-Rock'n'Rolls. Nun ja, egal, Hauptsache ich war da. Das KKL beim See ist wahrlich gewöhnungsbedürftig. Wie AIRBORNE-Frontmann  Joel O'Keeffe in der Talkrunde mit Hannnes Hug schon festellte: ein Riesengewirr aus Gängen, Liften etc. Für die Talkrunde wurden schon 2 Stunden vorher Gratis-Tickets verteilt, trotzdem sassen in diesem Kino-ähnlichen Saal, wo das ganze stattfand, nur ca. 50 Nasen. Zwischen den Fragen wurde immer wieder eine Hupe eingesetzt, um die Leute mit einem extra aufgestellten viereckigen Spot zu beleuchten. Viel kam bei der ca. 20minütigen Talkrunde nicht raus. Zu fest konzentrierte sich Talkmaster Hannes Hug auf seine eben erwähnten Einlagen. Ausser dass noch 5 Minuten für eine Story, wie ein Schienbein es mit Schlagzeugsticks provisorisch bis zum Spital schafft, verplempert wurden, kam nichts Neues zu Tage. Also raus und ab zum Konzert. Die Konzerthalle ist für Bands dieser Grössenordnung perfekt, auch wenn die Preise für den Balkon schon sehr teuer waren. Wahrscheinlich darum war dieser ja auch praktisch leer. Unten jedoch füllte sich der Saal schon bei ‘The Temperance Movement’ ziemlich schnell. Die Band kam sehr gut an und hatte auch eine lange Spielzeit. Mir persönlich zu lange, so dass ich mir noch 1 bis 2 Bier draussen genehmigte. Bevor es anfing, traf ich noch zwei mir bekannte junge Rock'n'Roll-Engel, die mir auch gleich ein Bier offerierten. Dann gings auch schon los. Joel O'Keeffe und seine Truppe stürmten mit nassen Haaren die Bühne und gaben gleich Vollgas. Vom ersten Takt an herschte eine gute Stimmung im Saal und das Publikum war sehr gemischt.
    
Song um Song wurde die Band abgefeiert. Gegen Schluss zetrümmerte Sänger Joel O'Keeffe noch ein paar präparierte Bierflaschen auf seinem Schädel. Im Vorfeld wurde die Band durch Festival-Direktor Urs Leierer darüber aufgeklärt, dass es in der Schweiz Lautstärkeregelungen gibt, so dass die Band jeden Verstärker auf den erlaubten Pegel einstellen musste. Es war ein toller Abend. Danke hier auch noch an unsere Fotografin Brigitte und an ihren Freund. Meine Heimreise mit ein paar Bier zuviel intus wurde dann noch sehr anstrengend mit den 3 Franzosen, die ohne Pause im Speedtempo quasselten.

Foto: Brigitte Krähenbühl


SLAYER / LIMP BIZKIT / ARCH ENEMY / MASS HYSTERIA  10.08.2016  Colmar - Weinmesse (F)  Von Thomas Rossi

Hard Rock Session auf der Foire aux Vins d'Alsace in Colmar

 
Eine Weinmesse im Elsass, mit landwirtschaftlichen Produkten und Haushaltsgeräten: Ist das ein Ort, an dem man schwarze Gestalten vermutet? Eher nicht. Aber was diese Messe jedes Jahr (und schon zig Jahre lang) an Gruppen aufbietet, ist unglaublich. Und dieses Jahr innerhalb der „Hard Rock Session“ (warum auch immer der Name da steht) Slayer, Arch Enemy, Limp Bizkit und Mass Hysteria. Die französischen MASS HYSTERIA eröffneten als einzige französische Band und … der Name wurde zum Programm. Begeisterung pur und gleich ein fast volles Haus. Mit ARCH ENEMY kam Farbe ins Bild und das Outfit wurde aufwendiger. Natürlich fokussiert man sich hier auf die Sängerin Alissa, die im perfekten Licht glänzte. SLAYER begann natürlich gewohnt schnell und heftig und hielt das auch die volle Stunde durch. Ich war mal wieder beeindruckt, für mich der absolute Höhepunkt. Mit LIMP BIZKIT kam dann richtig Bewegung auf die Bühne. Was SLAYER mit den Fingern macht, machen diese Jungs mit dem gesamten Körper. Ein perfekt organisiertes Konzert mit hochmotiviertem und kompetentem Personal. Ein richtiger Hochgenuss! Danke.

Fotos: Thomas Rossi


WHITESNAKE  09.08.2016  Pratteln - Z7  Von André Gühnter

Als ich nach Schlange stehen und Leibesvisitation, leider ohne Foto-Pass, endlich im Z7 war, rockten die Iren von THE ANSWER bereits auf der Bühne. Sie waren, meiner Meinung nach, der perfekte Opener für David Coverdale und seine WHITESNAKE. Mit ihrem kernigen, erdigen Rock der Marke 70ies konnten sie die Zuschauer im proppenvollen Konzerttempel locker zum Mitklatschen und Mitsingen animieren. Sie sahen und bewegten sich, als wäre die Zeit zurückgedreht worden. Alles, ohne verstaubt zu wirken. Die Spielfreude war ihnen anzumerken und übertrug sich auf die Zuschauer. Leidenschaft und coole Rock-Mucke, die den Fuss von alleine mitwippen liess, war das Programm. Einfach perfekt. Bei mir sind es ziemlich genau 22 Jahre, die ins Land gezogen sind, seit ich WHITESNAKE zum letzten Mal auf einer Bühne erlebt habe.
Um 21.05 Uhr war dann Lichter löschen angesagt und nach dem Intro erschien David Coverdale mit seiner Crew auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Er agierte mit seinem Mikroständer, der wie eine Phallusverlängerung wirkte, und wirbelte ihn durch die Luft wie vor 20 Jahren. Mit der ‘Greatest Hits’-Setlist war der Kessel geflickt. Die Band wurde ab dem ersten Augenblick gefeiert. Es wurde mitgesungen, was die Kehlen hergaben. Die Musiker sind allesamt Profis an ihren Instrumenten, das merkte man. Der Sound, die Stimme von David und die Bühnenpräsenz waren erste Sahne. Leider war David nicht wirklich der Gesprächigste und interagierte eher wortlos mit den Fans. Die üppigen Soli waren meiner Meinung nach etwas zu lang gehalten, aber das ist natürlich Geschmackssache. Gekonnt waren alle Soli, aber als Tommy Aldrige seine Sticks ins Publikum pfefferte und den zweiten Teil seines Alleingangs mit den blossen Händen gab, war das schon cool zu beobachten. Das Hit-Feuerwerk ging unbeirrt weiter, die Stimmung auf und vor der Stage war bestens. Nach der obligaten Vorstellung der Musiker ging das Programm mit der Überballade IS THIS LOVE romantisch weiter. Mit HERE I GO AGAIN endete der offizielle Teil des Auftritts. Nach einem kurzen Break war dann mit STILL OF THE NIGHT nochmals Vollgas angesagt. Die Stimmbänder wurden erneut strapaziert, um dann die Fans zufrieden in die Nacht zu entlassen. David und seine Mitstreiter haben während den 1 ½ Stunden ein weiteres Mal bewiesen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören.
 
Setlist:
 
Bad Boys, Slide It In, Love Ain’t No Stranger, The Deeper The Love, Fool For Your Loving, Ain’t No Love In The Heart Of The City, Judgement Day, Guitar Solo, Slow An‘ Easy, Bass Solo, Crying In The Rain (inkl. Drum Solo), Is This Love, Give Me All Your Love, Here I Go Again, Encore: Still Of The Night

FORSCHFEST  22. - 24. Juli 2016  Bagnatica (I)  Von Thomas Rossi

Das verflixte 7. Jahr? Beim Foschfest wars wohl so. So ein Pech wie bei der 7. Ausführung dieses wunderbaren Festivals hatte man wohl noch nie. Wie immer fing es am Freitag sehr beschaulich mit den einheimischen Bands an. Und alles schien gut, bis auf die unendlich langen Schlangen an der Kasse. Das neu eingeführte Bezahlsystem mit aufladbarer Karte hatte seinen Preis. Am Samstagmorgen dann das Unwetter. Regen, Regen, Regen. Mit der Folge, dass die “Nebenbühne“, der Underground Stage, nicht bespielt werden konnte. Das bedeutete das Aus für alle Gruppen, die hier geplant waren und eine Verschiebung von ULVEDHAAR auf Sonntag, weil ANTHRAX zu spät mit dem Soundcheck beginnen konnte. Wegen einiger Kommunikationsprobleme teilte uns EMPRYO mit, dass sie gar nicht mehr auftreten würden. Das tat uns sehr leid, weil wir diese Band schon ein paar Mal gesehen und ins Herz geschlossen hatten. Als dann noch bekannt wurde, dass ANTHRAX nur noch bestimmte Fotografen zuliess, sank unsere Laune rapide. Und jetzt hatten sich die endlosen Schlangen beim Essen gebildet. Wir fuhren vorzeitig zurück. Aber dann der Sonntag! Er brachte das “alte“ Foschfestfeeling zurück. Alles funktionierte perfekt. Die Zeiten der Bands stimmten bis auf die Minute, weder beim Essen noch beim Trinken musste man wirklich lange anstehen, es “flutschte“. Ein wunderbarer Tag und schnell war der Samstag vergessen. So muss das sein beim Foschfest. Alle guter Laune, eine sehr engagierte Mannschaft, die alles im Griff hat: PRIMA! Wir kommen gerne wieder ... Alle Bilder hier...

Fotos: Thomas Rossi


SLAYER  28.06.2016  Pratteln - Z7  Von André Gühnter

Innerhalb von knapp 2 Wochen stand an diesem Montagabend die dritte Band der legendären BIG FOUR in Pratteln auf dem Stage. Nach all den turbulenten Zeiten der näheren Vergangenheit haben SLAYER mit ihrem neuen Album erneut ihre Position im Metal aufgezeigt. Livehaftig habe ich die Mannen um Kerry King und Tom Araya gerade erst in Luzern am Sonisphere gesehen und da konnten sie volle Kanne überzeugen. Aber erstmals schön der Reihe nach. Als Opener konnten die Schweizer von BATTALION an den Start gehen und versuchen, die Menge auf Betriebstemperatur zu bringen. Schon mal vorne weg: es gelang ihnen, die gut gefüllte Halle auf SLAYER-Einstiegstemperatur zu bringen. Mit ihrem räudigen Thrash Metal ballerten sie die Lauscher durch. Die Jungs zeigten sehr grosse Spielfreude und konnten mit viel Power ihr Set durchknüppeln. Etliche Frisuren verloren schon bei ihnen den Halt. Das war der perfekte Opener.
Aber um 21.30 Uhr hiess es Lichter löschen, zum zweiten Mal an diesem Abend, und die Legenden Tom Araya, Kerry King, Gary Holt und Paul Bostaph, auch SLAYER genannt, enterten die Bühne und wurden mit viel Geschrei und SLAYER-Rufen empfangen. Mit 'Repentless' vom neuen Album ging’s los, um dann mit 'God Hates Us All' gleich den nächsten Nackenbrecher hinterher zu jagen. Die Meute ging steil. Haare flogen, Pommesgabeln und Fäuste wurde gegen die Hallendecke gereckt. SLAYER waren und sind nach wie vor eine absolute Macht. Sie ballerten sich mit unheimlicher Kraft durch die 'Best of'-Setlist. Gerade im ersten Teil gab’s sehr wenige Worte zu hören von Tom. Vor 'Mandatory Suicide' gab er aber dann seine Weisheiten doch noch zum Besten. In der zweiten Hälfte des 1 -1/2stündigen Siegeszuges war er dann auch mal zu Scherzen und Grinsen aufgelegt. Die drei, Paul sah man nicht hinter der Schiessbude, sondern wurde nur von seinen wuchtigen Beats massakriert, sind auf der Bühne total verschiedene Charaktere. Gary Holt (Exodus) war der agierende und gut gelaunte Rocker, Kerry der arschcoole, muskelbepackte und tätowierte Gitarren-King und Tom markiert einfach seine Präsenz, er darf ja nicht mehr headbangen. Der ganze Auftritt war ein Genuss. Bei 'Raining Blood' war dann nochmals „Pommesgabeln hoch und die letzten Frisuren am Arsch“ angesagt. Mit 'South Of Heaven', meinem absoluten Favoriten, war dann Gedenken an den verstorbenen Jeff Hannemann auf dem Programm. Mit dem alles vernichtenden 'Angel Of Death' machten die Jungs dann endgültig den Sack zu. Ein massiver Thrash-Metal-Abend ging zu Ende und alle waren ausgelaugt aber happy.

BLACK SABBATH / RIVAL SONS  15.06.2016  Hallenstadion - Zürich  Von Andy Trepp

DIE SCHÖPFER DES HEAVY METALS ZUM LETZTEN MAL IN DER SCHWEIZ?

Ich entschied spontan, mich 2 Tage vor dem Konzert noch um 2 Pressepässe zu kümmern, und so spontan wie diese Aktion war auch das OK dafür. Zuerst eine Viertelstunde mit den allgegenwärtigen, abgestumpften NATEL-ZOMBIES im Zug, traf ich dann pünktlich wie ich immer bin um 18.00 Uhr in Zürich-Oerlikon ein. Steven, unser Jüngster im 'SWISS ATTACK'-Team, hatte sich auch spontan entschlossen, mich zu diesem Kult-Event zu begleiten. Im Hallenstadion angekommen, unsere Pressetickets abgeholt, genehmigten wir uns zuerst mal ein paar Biere und was zu essen. Essen ist zwar der falsche Ausdruck für diese Ekelpappe, die dort Schnitzelbrot genannt wird. Geht mal ins Niederdorf zum Hirschenplatz, dort gib es das beste Schnitzelbrot der Schweiz. Die Halle war um halb 8 erst halb voll, und ich staunte dann doch noch, wie schnell sie sich noch füllte.

Leider hatten wir Sitzplätze, was uns nicht ermöglichte, unten noch ein wenig rumzulaufen und zu sehen, ob jemand da ist, den man kennt. Diese Absperrungen überall, oder anders gesagt diese Gruppen-Einpferchung, wo jede Herde nur für sich ist, finde ich wirklich zum Kotzen. Ich hoffe, dies wird irgendwann wieder wie früher gemacht, klappte ja damals auch wunderbar! Die teuerste Herde (ausser den VIPS in ihren "Ehren-Logen" ), also der Golden Circle vor der Bühne oder anders betitelt 'Wie mache ich noch mehr Geld mit den echten Fans' ist auch sehr fraglich. Besonders sicherheitstechnisch nähme mich wunder: was passiert, wenn da vorne mal was geschieht, was Panik auslöst. Da würden die Absperrungen umgerannt und einige Dutzend zertrampelt!

Nun genug über die Nebensachen geschwafelt. Um 20.00 Uhr stiegen RIVAL SONS auf die Bühne. Die Band aus Long Beach, Kalifornien, zelebrierte ihren Rock'N'Roll standardmässig und brachte die Zuschauer nicht sonderlich in Stimmung. Wer zu einem BLACK-SABBATH-Konzert geht, will ja auch eher noch mehr Metal, oder? Mir kam es auch so vor, als wären sie noch nicht bereit für so grosse Bühnen.
Um ca. 21 Uhr betraten BLACK SABBATH die Bühne und legten gleich mit dem Song los, dem sie ihren Band-Namen verdanken: "Black Sabbath". Was mir gleich auffiel war, dass der Hintergrund nicht wie bei den SCORPIONS oder JUDAS PRIEST mit diesen schrecklichen Led-Lampen versehen war, welche die Bilder und Filme immer so scheisse verzerren und ein Konzert echt zunichte machen können. Nein, BLACK SABBATH hatten über die ganze Breite eine Leinwand, was besonders mich freute.

Gespannt war ich natürlich darauf, wie OZZY stimmlich in Form war, gab es doch schon in den 90er Gerüchte, hinter dem Vorhang sei ein Ersatz-Sänger. Nun, das Ganze tönte sauber und kam auch aus Ozzys Mund. Geezer Butler und Tony Iommi waren wie immer eine grundsolide Plattform, worauf der Gesang getragen werden konnte. Der Orginal-Schlagzeuger Bill Ward, durch Tommy Clufetos ersetzt,  der schon für Grössen wie ALICE COOPER, ROB ZOMBIE oder TED NUGENT die Felle verdrosch, hat mich damals, als die Meldung kam, schon enttäuscht. Ward aus geldgeilen Gründen unter falschen Vorwänden bei einer Abschiedtour aus der Band zu werfen ist einfach nur traurig. Leider heisst der Chef von BLACK SABBATH nun halt mal Sharon Osbourne, ihres Zeichens geldgeile Managerin. Bill Ward setzte ein Zeichen und gründete nur kurz später die Band 'Day Of Errors', um zu zeigen, dass er immer noch fit ist. Tommy Clufetos war auf jeden Fall ein guter Ersatz und sein Schlagzeugsolo konnte das Publikum auch überzeugen. Auch wenn das mehr eine Drescherei war und die Top-Schlagzeuger der 90er-Jahre ihm noch einige Sachen lehren könnten. Doch konnten so die anderen eine keine Verschnaufpause einlegen, um neue Energie für den Rest der Show zu tanken.

Gespielt wurden unter anderem: "War Pigs", "Paranoid", "Iron Man", "Into the Void", "Children of the Grave". Leider fehlten ein paar Klassiker, die unbedingt ins Programm gehört hätten wie z.B. "Sabbath Bloody Sabbath". Am Schluss wurde noch das THE END auf der Leinwand eingeblendet und fertig wars. 50 Jahre BLACK SABBATH sind nun bald zu Ende, doch mein Gefühl sagt mir, dass das noch nicht die letzte Tour war. Schliesslich haben dies schon einige angekündigt, und als ihr Geldbeutel wieder gefüllt werden musste, kamen sie wieder. Danke BLACK SABBATH für all die tollen Alben, die mich während der letzten Jahrzehnte begleitet haben. Die Rock- & Metalgötter gehen langsam alle von uns und wirkliche Nachfolger gibt es keinen einzigen.

BÜNDNER METAL NIGHT  01.04.2016  Von Roland Jud

Wow, was für eine Location, was für Bands, was für ein Abend!

 

Schon eine Stunde vor Türöffnung befinde ich mich beim Palazzo Beat Club. Dort werde ich von mehreren Freunden begrüsst und ich darf mich schon vor Türöffnung in den Konzertraum begeben. Dieser befindet sich im unteren Stock des eigentlichen Palazzos, dort wo sich die Bowlingbahnen befinden. Was ich dort vorfinde überrascht mich positiv. Mike Muzzarelli, von Metalheads liebevoll Muzzy genannt, hatte zu Beginn des Jahres 2016 drei von acht Bahnen aus seiner Bowlinganlage herausreissen lassen um Platz für einen Konzertsaal zu schaffen und einen Umbau in die Wege zu leiten. Und was dabei herausgekommen ist kann man nur als Schmuckstück bezeichen. Die Gestaltung des Raums zeugt davon, dass da viel Liebe und Zeit hineingesteckt wurde. Mehrere elektrische Gitarren, die an den Seitenwänden hängen, zwei riesige aufgehängte Kronen und eine Holzbar mit Spiegelwänden und Armpolstern am Thekenrand belegen dies. Das Tüpfelchen auf dem i bildet eine Plasmakugel, die sich am einen Ende der Theke befindet. Also, Kompliment Muzzy, was du da auf die Beine gestellt hast ist einfach grossartig!
 
Nachdem zu Beginn des Monates März die Eröffnung des Palazzo Beat Clubs stattfand, steht nun der erste Metalevent an, die Bündner Metal Night mit ARCAINE und G∀LMET / ギャルメット . Als ich zuhause zum ersten Mal von diesem Event gelesen hatte dachte ich zuerst dies sei ein Aprilscherz, der Event findet ja am 1. April statt und eine japansiche Metalband tritt ja nicht gerade jedes Wochenende in Chur auf.

 

Nun, als ich den Palazzo Beat Club betrete ist der Soundcheck von G∀LMET / ギャルメット noch in vollem Gange. Da kann ich gleich mal vorab die Akkustik im Saal testen und die kommt gut. Nachdem der Soundcheck beendet ist steht auch schon die Türöffnung an und die ersten Metaller trudeln ein. Kurze Zeit später beginnt auch schon die erste Band zu performen, die Groove und Death Metal Band ARCAINE. Für sie ist es ein Heimspiel, die fünf Jungs stammen nämlich aus Chur. Fast alle Bandmitglieder kenne ich schon, weil sie früher in Bands aktiv waren die ich schon gesehen habe und die sich mittlerweile aufgelöst oder umbesetzt haben. Der Sänger André war früher in der Band DEPRAVED SANCTUARY aktiv, der Leadgitarrist Brandon in den Bands DEPRAVED SANCTUARY sowie HELLIOPOLIS, und der Drummer Reto in den Bands OBSIDIUM und SOCIAL DEADWORK. Der Auftritt von ARCAINE sorgt für sehr gute Stimmung im Raum, der zwar noch nicht voll aber recht gut gefüllt ist. Musikalisch gibt es von meiner Seite her nichts zu bemängeln. Ein unerwartet starker Auftritt, dieser Gig ist nämlich erst der zweite Auftritt der Truppe, nachdem sie Ende Januar ihr Debut im Freizeitcenter Industrie Fünfundvierzig in Zug gegeben hatten. Auf meinem Youtube-Channel "JudR666" kann man sich übrigens zwei ihrer Songs in voller Länge zu Gemüte führen, es sind dies der Song "Phoenix Rise" sowie die Zugabe "Still Alive".

 

Nach einer längeren Pause, die ich zum rauchen und für Fachsimpelei mit anderen Metalheads nutze, beginnt der Gig des Headliners G∀LMET / ギャルメット . Für mich persönlich sind sie keine Unbekannten, ich konnte sie mir nämlich schon im Mai 2015 im Kulturzentrum Galvanik in Zug anschauen und mich mit ihnen anfreunden. Die vier jungen Frauen performen Melodic Death Metal, sie selbst bezeichnen es als Melodic Moe Death Metal, wobei Moe, ein Begriff der aus dem Bereich Anime kommt, soviel wie schön, süß bedeutet. G∀LMET / ギャルメット wurde 2007 in Osaka, Japan, gegründet und beschränkte sich zu ihrer Gründungszeit darauf, Songs von ARCH ENEMY und KITTIE zu covern. Diese Zeiten sind aber schon lange vorbei. Der Konzertsaal ist nun anständig gefüllt, zwar nicht brechend, aber fast. Die Stimmung im Raum ist ausgelassen, die Heads werden ausgiebig gebangt. Auch hier keinerlei Kritik von meiner Seite her, was das Musikalische und ihre Show anbelangt. Auch von diesem Auftritt habe ich Videoaufnahmen gemacht und sie auf meinen Youtube-Channel hochgeladen, es sind dies die Songs "Colors", "記憶喪失 [Kioku Soushitsu]" sowie die Zugabe "Rebirth ~With You~ / リバース~ウィズ・ユー~". Was ich noch erwähnen möchte und den vier Mädels sehr hoch anrechne: Sie nehmen sich nach dem Gig ausführlich Zeit für Autogrammwünsche und Fotos mit ihren Fans.

 

Zum Schluss möchte ich noch ein zweites Kompliment aussprechen und zwar an das Bündner Metal Night Team: Es war ein genialer Abend! Dass ihr einer Newcomerband eine Chance gebt finde ich einfach toll! Und wie ihr es geschafft habt die japanische Band G∀LMET / ギャルメット , eine meiner Lieblingsbands, in die Ostschweiz zu holen, das ist mir noch heute ein Rätsel ...


WOLFSFEST  10.04.2016  Pratteln - Z7  Von André Gühnter

Mit den Bands WOLFCHANT, NACHTBLUT, VITJA, EISREGEN und VARG war die WOLFSFEST Gastspielreise sehr breit gefächert was die stilistische Ausrichtung anging. In Pratteln  fand am Sonntagabend der Tour Abschluss statt. Als ich eintraf lagen gerade VITJA in den letzten Klängen, jetzt wären die Jungs von WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER an der Reihe. Aber da 2 der Musiker ohne Ausweise auf Tour waren blieben sie an der Grenze hängen und mussten den Auftritt canceln.

 

Somit waren EISREGEN und VARG eine Stunde früher an der Reihe. Als ich eintraf war gleich klar das Durchschnittsalter war recht tief gehalten. Was die Zuschaueranzahl anging war es leider auch recht überschaubar. Im Internet war die neue Auftrittszeit von EISREGEN auf 19.20 veröffentlicht worden am Nachmittag. Aber bereits um 19 Uhr erloschen die Hallenlichter und M.Roth und seine Schlächter enterten die in Rot getauchte Stage um ein Best Of Set über die ganzen 20 Jahre ihrer Existenz zum Besten zu geben. Natürlich sind ihre Sounds eher ruhig aber bitter böse und wissen zu begeistern und mitzureissen. Sie wurden abgefeiert und der Siegeszug nahm seinen Lauf. Entgegen der RAUCHEN VERBOTEN Schilder im Z7 hatte der Mann hinter der Schiessbude öfters mal einen Glimmstängel im Mundwinkel. Mit ELEKTRO HEXE beendeten sie den offiziellen Teil. Als die Zuschauer lautstark ihr zurückkommen mit ZUGABE Rufen forderten meinten sie nur des es nicht ZUGABE sondern EISREGEN heissen sollte. Mit den richtigen Chören kamen sie dann sogleich auch wieder auf die Bretter und brachten den 1 stündigen Siegeszug mit FLEISCHBRAND zu Ende. Als Abschluss gab’s, wie zu Beginn den Hinweis von M.Roth das niemand vergessen solle: DER TOD IST EIN MEISTER AUS THÜRINGEN.

 

Somit war der Weg frei für die Wölfe. Um 20.45 Uhr enterte die Wolfshorde von VARG die Bretter die die Welt bedeuten. Sie wurden lautstark empfangen. Die Fäuste wurden gen Hallendecke gereckt und die Stimmen wurden erhoben. Denn nach dem Intro von Charlie Chaplin hauten die rot schwarz bemalten Musiker ihre Setlist in die Lauscher der Fans. Es war die pure Vernichtung vom feinsten. Geile Light Show, fetter Sound einfach purer Krieg. Die Inszenierung mit den Podesten und den Dampffontänen war perfekt. Die Wölfe sind eine Macht. Sogar die Wall Of Death gelang gleich 2x hintereinander. Das anwesende Volk ging steil und die Musiker liessen sich anstecken. Als mit dem Song ROTKÄPPCHEN das Finale eingeläutet wurde holte Freki eine junge Frau im roten Umhang auf die Bühne und forderte die männlichen Zuschauer auf ihre Shirts auszuziehen und über ihren Köpfen zu kreisen. Einige machten den Spass mit die anderen holten die letzten Reserven aus sich raus und feierten nochmals amtlich ab. Um 22 Uhr war dann ein genialer Konzert Abend leider auch schon wieder zu Ende. 

 

Setlist VARG: Der grosse Diktator (Intro), Das Ende Aller Lügen, Revolution, Schwertzeit, Naglfar, Was Nicht Darf, Streyfzug, Einherjer, Dunkelheit, Blutaar, Frei Wie Der Wind, Ascheregen, Achtung, Wir Sind Die Wölfe, Guten Tag, Rotkäppchen


DIRKSCHNEIDER  03.04.2016  Pratteln - Z7  Von André Günther

Pünktlich gingen die  Deutschen von PALACE an den Start um das Z7 aufzuheizen für die Germanische Legende Udo Dirkschneider. Ihr traditioneller Heavy Metal konnte nicht so wirklich vom Hocker reissen. Die Jungs wirken einfach kauzig. Auch die Mitsing Spielchen wurden vom Publikum schlecht erwidert. Ihr Sound drückt schon recht aber eben mitreissend geht anders. Nach einer halben Stunde war Feierabend und die Stage wurde für die Kanadische Kultformation umgeräumt. LIPS und seine ANVIL Crew legten wie gewohnt bestens gelaunt los. Das ewige Grinsen und die Spässe von LIPS wirken zwar manchmal etwas spitzbübisch aber zeigen das sie nach wie vor lieben was sie tun. Mit viel Spass und Leidenschaft rockten sie sich durch ihre History. Auch das Vibrator Solo durfte nicht fehlen. Die Stimmung ging stetig nach oben. Spätestens bei METAL ON METAL gab’s in der Halle kein Halten mehr. Die Stimmung war oben angelangt, die Hände reckten gegen die Decke und die Kehlen sangen mit.

 

Nach 1 Stunde waren auch sie am Ende und die Bühne konnte mit den Backdrops etc. in Tarnfarben für den Meister hergerichtet. Die Zuschauer im gut halbgefüllten Metal Tempel zu Pratteln konnten es kaum mehr erwarten. Udo Dirkschneider ist nicht mit seiner Stammband unterwegs. Er war es wohl Leid immer nach den ACCEPT Songs der Vergangenheit gefragt zu werden. So hat er unter seinem Nachnahmen eine Tour auf die Beine gestellt bei der er nur ACCEPT Stücke zum Besten gibt. Das aber danach bei den U.D.O Konzerten nicht mehr tun wird. The German Tank ist eine Legende und Institution im Bereich des Teutonen Stahls. Solid, wie gewohnt, führte Udo durch die alte Zeit und wurde frenetisch abgefeiert. Kein Wunsch blieb unerfüllt. Es war einfach nur geil die Metal Kultsongs vom Original Sänger dargeboten zu bekommen. „Breaker“. „Neon Knights“ „Restless & Wild“, „Metal Heart“, „Balls To The Wall“ nur um ein paar aufzuzählen knallten durch die Halle. Die Fans sangen mit, bangten und feierten was das Zeug hielt. Ein Siegeszug sondergleichen,


FROZEN GATE / SARKOM / THE STONE ISVIND  17.03.2016  Dynamo - Zürich  Von Roland Jud

Nachdem die drei Bands SARKOM, THE STONE und ISVIND auf ihrer Necrotic God European Tour 2016 schon sieben Ländern und 13 Locations ihre Aufwartung gemacht haben, beehren sie Mitte März auch das Dynamo Zürich mit einem Konzertabend. Dieser Event zeichnet sich aber nicht nur durch die anwesenden Bands aus sondern es ist auch die allererste von Miner Invasion Events Switzerland organisierte und veranstaltete Show. Für mich persönlich ist es eine grosse Ehre dabei zu sein, dies vor allem aus zwei Gründen: Einerseits wurde ich vom Veranstalter angefragt ob ich exklusiv, also als einziger offiziell akkreditierter Fotograf, den Abend in Bildern festhalten könne und andererseits wird mir die Erlaubnis erteilt mich Backstage aufhalten zu dürfen, was die Kontaktaufnahme mit den Bands natürlich massiv erleichtert.

 
Nach diesen einleitenden Worten nun zum eigentlichen Konzertabend: Schon in etwa eine Stunde vor Türöffnung finde ich mich beim Dynamo ein. Da ich nicht nur angefragt wurde zu fotografieren sondern auch ein paar Interviews mit den Bands zu führen macht ein frühes Erscheinen durchaus Sinn. Die Interview Session fällt dann aber leider ins Wasser. Der Veranstalter teilt mir nämlich mit, dass die Bands SARKOM, THE STONE und ISVIND massiv verspätet und noch nicht vor Ort seien. Auf den letzten Drücker trudeln sie aber doch noch ein und begründen ihre Verspätung mit den Grenzkontrollen Frankreich-Schweiz und mit dem Stadtverkehr in Zürich. Der Event kann also, zwar nicht ganz wie geplant, steigen.

 

Mit einer in etwa fünfzehnminütigen Verspätung beginnt der Opener, die Symphonic Death und Black Metal Band FROZEN GATE, mit ihrem Gig. Für mich sind sie keine Unbekannten, dies ist mein mittlerweile sechstes Konzert von ihnen in den letzten zwei Jahren, jedoch das erste in neuer Besetzung, die Band hat nämlich seit Anfang 2016 einen neuen Bassisten. Die vier Nürensdorfer Jungs bemühen sich redlich, ihr Auftritt ist aber geprägt von technischen Schwierigkeiten auf die ich hier nicht näher eingehen will, weil sie nicht musiker- sondern equipmentbedingt sind. Zudem müssen sie aufgrund der verspäteten Anreise der anderen drei Bands und der daraus resultierenden Verspätung ihre Show leicht verkürzen, also einen Song weglassen. Da geht es aber nicht nur ihnen so, auch die anderen Bands müssen dies um nicht zeitlich zu überziehen. Der Zuschaueraufmarsch hält sich in Grenzen, dies ist aber den Umständen geschuldet, es ist Donnerstag und noch früh am Abend. Soundmässig gibt es aber, wenn man über die technischen Schwierigkeiten hinwegsieht, nichts zu bemängeln, FROZEN GATE ist halt auch einzigartig. Nach dem Gig bitten sie mich die Videoaufnahmen, die ich neben den Fotos während ihres Auftritts auch gemacht habe, aufgrund der Schwierigkeiten nicht auf Youtube zu veröffentlichen. Ich stimme sogleich zu, weil ihre Bitte für mich bei derartigen technischen Problemen durchaus verständlich ist und man sich in Bestform der Welt präsentieren will.

 

Nach einer kurzen Pause betritt die zweite Band die Bühne, die aus Oslo stammenden Black Metaller SARKOM. Das aus fünf Mitgliedern bestehende Ensemble besticht mit ihrer Bühnenpräsenz und der Konzertraum füllt sich merklich mehr als beim Opener. Nun wagen sich auch erste Zuschauer direkt vor die Bühne, durchaus verständlich, da sieht man die Corpsepaints der Musiker besser, die richtig geil ausschauen und wirken. Dieser Auftritt verläuft ohne jegliche Probleme, es ist aus meiner Sicht eine gelungene Performance. Davon kann sich der geneigte Leser auch selbst überzeugen denn ich habe die Songs "Disintegrate", "Mind-Abcess" sowie "Bloodstains On The Horns" gefilmt und auf meinen Youtube-Channel "JudR666" hochgeladen.

 

Als nächstes folgen die Black Metaller THE STONE aus Belgrad. Das Corpsepaint des serbischen Quintetts fällt deutlich dezenter aus. Auffällig ist zudem dass der Sänger kein Corpsepaint trägt sondern eine schwarze Morphsuit Maske, das wirkt wie wenn unter der ebenfalls schwarzen Kapuze kein Kopf vorhanden wäre. Erwähnen möchte ich auch noch seinen Mikrofonständer, der mit mehreren Ketten und Galgenstricken verziert ist. Auch hier ein problemloser und technisch einwandfreier Auftritt. Die Zuschauer legen jetzt zusehends auch ihre Zurückhaltung, die bei den beiden ersten Bands vorhanden und spürbar war, ab. Auch von diesem Auftritt sind Videoaunahmen auf meinem Youtube-Channel vorhanden, es sind dies die Songs "Priviđenja", "Sunovrat" und "Kamenolom".

 

Danach entert die letzte Band des Abends die Bühne, die ebenfalls aus Oslo stammende Black Metall Band ISVIND. Hier fällt das Corpsepaint wieder aggressiver und künstlerischer aus. Die vier Jungs liefern eine überragende Show ab, für mich der stärkste Auftritt des Abends. Vermutlich nicht nur für mich sondern auch für andere Zuschauer, sie unterstützen ISVIND nämlich lautstark und des Öfteren in norwegischer Sprache. Alles in allem ein würdiger Abschluss des Abends. Von dieser Band habe ich ebenfalls Filmaufnahmen gemacht, auch diese sind auf meinem Youtube-Kanal „JudR666“ zu finden. Es sind dies die Songs „Dåren“, „Isvind“, „Stille Sjel“ und „Klabautermann“.

 

Fazit: Ein gelungenes, beachtenswertes und viel versprechendes Debüt des Veranstalters Miner Invasion Events Switerland und ein toller Konzertabend, der mir in Erinnerung bleiben wird!